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Der alte Regisseur


In der Symbolik wird er mit einer weißen Wodkaflasche vor silbernem Hintergrund dargestellt, keiner weiß warum. Stücke liest er nicht, eigentlich hat ihn noch nie jemand lesen sehen, seine Bekannten meinen, er kann es gar nicht. Den Text des gerade probenden Schauspielers spricht er weiter, doch währenddessen blickt er routiniert ins Nichts und denkt an seine Hypothek. Mit den Schauspielern spricht er ausschließlich schreiend, mit dem Inspizienten, dem Requisiteur sehr schreiend, mit dem Assistenten wie mit einem Hund, mit dem Bühnenbildner gar nicht, zu ihm schickt er den Assistenten. Zum Intendanten schickt er ebenfalls den Assistenten. Während der Probe tauscht er sich ausschließlich mit dem ersten Assistenten aus, doch da er schreiend flüstert, erfährt jeder alles. Die ersten zehn Minuten der Probe vergehen damit, dass er sich erklären lässt, wer auf der Bühne wer ist und warum er da ist. Wenn er das, was er sieht, für Blödsinn hält und seiner Meinung mit am Hals anschwellenden Adern Stimme verleiht, darf man ihm nie mitteilen, dass er am Vortag darum gebeten hat. Wenn er im dritten Akt brüllend fragt, warum der König nicht hereingekommen sei, flüstern wir ihm nur sehr leise zu, dass der König bereits im ersten Akt geköpft wurde. Wir glauben ihm schnell, dass er nur einen Spaß gemacht habe, und lachen laut mit.

Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Ungarischen von Éva Zádor.

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