Ein Titan. Trägt auf den Schultern das Himmelszelt, lebt für die Kunst. Das zeigt sich mitunter daran, dass er seinen Assistenten in den Wahnsinn treibt, die Entwürfe des Bühnenbildners täglich heulend zerreißt und darum bittet, man solle ihn nicht demütigen. Er quält die Schauspieler bei den Proben, indem er ihnen ein Loch in den Bauch redet, auf der Bühne um sie herumspringt und im Grunde genommen niemanden arbeiten lässt. Die Kritiker hasst er, mehr als sie nur die anderen jungen Regisseure. Zwar sieht er sich deren Arbeiten nie an, doch ist seine Meinung über die Kollegen summarisch und unabänderlich vernichtend (diese halten es ebenso). Er fühlt sich einsam, versteckt sich häufig nach den Premieren und weint, auf jeden Fall besäuft er sich gründlich. Seine Manie ist die Demut, die Demut vor der Kunst, die Demut vor der Arbeit, die Demut voreinander. Er ist ungeheuer stolz darauf, bescheiden zu sein. Er behauptet, keine Kritiken zu lesen, insgeheim liest er sie nicht nur, sondern lernt sie (im positiven Falle) auswendig. Gute Kritiken hängt er auch ans schwarze Brett oder lässt Fotokopien heimlich auf dem Tisch in der Kantine liegen. Später schiebt er das dem Assistenten in die Schuhe, dem er dafür in aller Öffentlichkeit den Kopf wäscht. An normalen Arbeitstagen sitzt er bis spät in den frühen Morgen in der Kantine, schüttet seinen Schauspielern sein Herz aus oder bläst alleine Trübsal. Mit der Zeit wird er ernsthafter, heiratet und bewirbt sich um die Stelle des Intendanten.
Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Ungarischen von Éva Zádor.

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