Wuppertal, die Stadt der Else Lasker-Schüler, in der ganzen Welt bekannt durch das Theater der Pina Bausch, die Stadt, der ich einige unvergessliche Theatererlebnisse verdanke. – Es erschüttert mich, dass sich diese Stadt den Luxus leisten will, sein traditionsreiches Theater zu schließen, sein künstlerisches Ansehen zu verschleudern.
Archive for March, 2010
Vor kurzer Zeit erschien in einer deutschen Zeitung ein Artikel, der uns Griechen nahe legte die Akropolis zu verkaufen um unseren Bedarf and Krediten zu kürzen. Ich hielt es damals für einen schlechten Scherz. Nun, da das Land Nordrhein-Westfalen das Wuppertaler Theater schließen will, muß ich einsehen, daß der Vorschlag ernst gemeint war. Wenn man in seinem eigenen Land aus Spargründen die Theater schließt, ist es doch sinnvoll, daß man uns den Verkauf der Akropolis empfiehlt. Kunst ist ein Hauptgericht, das leider von den Politikern fast immer als Nachtisch serviert wird. Theater ist aber kein Nachtisch, sondern die Bohnensuppe der Bevölkerung.
Oft werde ich von Freunden, Bekannten und Theaterleuten gefragt, warum ich nicht mal eine politische Satire schreibe; zumal ich mich in der Vergangenheit schon mit einigem Erfolg daran versucht hatte. Diese Frage ist freilich nicht nur an mich allein gerichtet, sie wendet sich mit derselben Dringlichkeit und Berechtigung auch an andere Schriftsteller meines Landes.
Schon seit uralter Zeit erfreute sich die auf der Bühne vorgenommene satirische Überzeichnung von Vertretern des politischen Systems besonderer Beliebtheit.
Aristophanes karikiert und verspottet in seinen Komödien die kriegshetzenden und kriegslüsternen Politiker seiner Zeit und unterzieht die Missstände der Athener Demokratie einer beißenden Kritik. Die antiken Tragiker kommentieren im Prisma der Mythen um das Atriden- und Labdakiden-Geschlecht die damalige soziale und politische Aktualität.
Doch nicht nur damals, sondern in seiner gesamten bisherigen Geschichte war das Theater ausgesprochen politisch – ob es nun eine explizite Position bezog oder nicht.
Wie ist es damit aber heute bestellt?
Über welche Fragen sollte man heute schreiben, und auf welche Art sollte man sie präsentieren, um die Tragödien unseres Zeitalters kritisch abzubilden?
Kriege werden leider nach wie vor geführt. Allerdings werden sie in eine alltägliche Fernsehshow verwandelt, wodurch unser Empfinden für die ihnen anhaftende Tragik abgestumpft wird.
Die verratenen Träume des Willy Loman, die vergeblichen Illusionen der Blanche DuBois sind inzwischen zum „Futter“ und Gegenstand von Reality Shows verkommen. Das niedergedrückte, ohne Hoffnung auf Veränderung dahinfristende Leben Onkel Wanjas interessiert niemanden mehr. Anna Fierlings Kinder wurden die Golden Boys der Wall Street.
Und die politische Satire? Ist es denn überhaupt möglich, dass eine noch so begabte, eine noch so begnadete satirische Feder zu übertreffen vermag, was die Politiker selbst mit ihren hochtrabenden Erklärungen verfassen, während sie aufgeblasen und wichtigtuerisch Tag für Tag in der Acht-Uhr-Nachrichtensendung über die Bildschirme paradieren? Brauchen sie denn wirklich einen Dritten, der sie karikiert?
Schwere Zeiten für Autoren. Wirklich schwere Zeiten. Oder etwa nicht?
Aus dem Griechischen von Theo Votsos
Συχνά με ρωτούν φίλοι, γνωστοί, άνθρωποι του θεάτρου: «Γιατί δεν γράφεις μια πολιτική σάτιρα;» Είχα γράψει μερικά πράγματα στο παρελθόν με κάποια σχετική επιτυχία. Η ερώτηση αυτή φυσικά δεν απευθύνεται μόνο σε μένα. Απευθύνεται και σε άλλους συγγραφείς της χώρας μου.
Από αρχαιοτάτων χρόνων η από σκηνής σάτιρα πολιτικών προσώπων ήταν ιδιαίτερα προσφιλής.
Ο Αριστοφάνης μέσα από τις κωμωδίες του γελοιοποιεί και διασύρει τους πολεμοκάπηλους και πολεμόχαρους πολιτικούς, καυτηριάζοντας ταυτόχρονα τα κακώς έχοντα της Αθηναϊκής Δημοκρατίας. Οι αρχαίοι τραγωδοί μέσα από τους μύθους των Ατρειδών και των Λαβδακιδών τα κοινωνικο-πολιτικά γεγονότα της εποχής τους σχολιάζουν.
Και όχι μόνο τότε. Το θέατρο είτε ως θέση ή ως μη θέση ήταν πάντα πολιτικό.
Σήμερα όμως;
Για ποια θέματα να γράψει κάποιος και με ποιο τρόπο να τα παρουσιάσει για να απεικονίσει κριτικά τις τραγωδίες της δικής μας εποχής.
Πόλεμοι συνεχίζουν, δυστυχώς, να υπάρχουν. Μετατρέπονται όμως σε καθημερινό τηλεοπτικό show, αμβλύνοντας μας την αίσθηση της τραγικότητας.
Τα προδομένα όνειρα του Willy Loman, οι απελπισμένες ψευδαισθήσεις της Blanche DuBois αποτελούν πια τροφή και αντικείμενο των Reality shows. Η υποταγμένη και χωρίς ελπίδα αλλαγής ζωή του Θείου Βάνια δεν ενδιαφέρει κανένα.
Τα παιδιά της Anna Fierling έγιναν Golden Boys της Wall Street.
Και η πολιτική σάτιρα; Μα είναι δυνατόν οποιαδήποτε χαρισματική σατιρική πέννα να συναγωνιστεί και να ξεπεράσει αυτά που γράφουν οι ίδιοι οι πολιτικοί με τις βαρύγδουπες δηλώσεις, καθώς παρελαύνουν κορδωτοί και σοβαροφανείς κάθε βράδυ στο δελτίο των Οκτώ. Χρειάζονται κάποιον τρίτο να τους σατιρίσει;
Δύσκολοι καιροί για συγγραφείς. Πραγματικά δύσκολοι. Ή μήπως όχι;
Between the Theatre-Biennales 2008 and 2010 there was a financial crisis. Our governments were only able to halt it by pumping billions of the tax payers’ money into the banks. That is like telling people: “You have to help out your employers if you don’t want to end up living on the street.” Normally, that would be called extortion. But this crisis is just not normal.
I am the last person to pine for the 1970s with nostalgic longing. I am convinced that the world is better off today than it was then. So I also do not miss the political theatre of that time.
What I do miss is the “barometer function” of theatre. The way it would pick up on the vibrations of society and bring them to the stage. The theatre of today is more self-absorbed. The “mirror of society” has become a makeup table.
Hopefully the Theatre-Biennale 2010 will prove me wrong.
Zwischen der Theaterbiennale von 2008 und der diesjährigen liegt eine Finanzkrise, die nicht nur das Leben der Europäer, sondern auch die Fundamente des globalisierten Finanzsystems erschüttert hat. Die Regierungen konnten die Krise nur dadurch bremsen, dass sie Milliardenbeträge aus den Geldern der Steuerzahler in die Kassen der Banken fließen ließen. Es ist, als ob man den Leuten sagte: „Ihr müsst euren Arbeitgebern finanziell unter die Arme greifen, wenn ihr nicht auf der Straße landen wollt.“ Unter normalen Umständen wäre das Erpressung. Aber die Krise ist ja kein normaler Zustand.
Manche sagen, dass wir die Krise überstanden haben, andere, dass sie noch nicht vorbei ist. Egal, ob man jetzt das Glas halb voll oder halb leer sieht, sicher ist, dass diese Krise Arbeitsplätze gekostet, die Staaten in die Verschuldung gestürzt und die Bürger ärmer gemacht hat.
In den letzten anderthalb Jahren suche ich auf den griechischen Bühnen ein Stück, das sich mit der Krise auseinandersetzt. Bis jetzt habe ich kein einziges gefunden. Die Theater bangen wegen der Krise um ihre Subventionen, nicht aber um deren Folgen für die Gesellschaft. Dabei fällt die Krise in Griechenland aus internen politischen Gründen viel schärfer aus als in vielen anderen Ländern der EU.
Ich bin kein Nostalgiker der 70er Jahre. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt heutzutage, trotz Irak, Guantanamo oder Afghanistan, besser dasteht als vor 40 Jahren. Also fehlt mir auch das politische Theater von damals nicht besonders.
Was ich aber in den letzten Jahren vermisse, ist die „Barometer-Funktion“ des Theaters. Früher galt das Theater als eine Art Barometer. Es fing die Vibrationen der Gesellschaft auf und brachte sie auf die Bühne. Heute ist das Theater viel mehr auf sich selbst bezogen. Der „Spiegel der Gesellschaft“ wird zunehmend zu einem Schminktisch.
Hoffentlich werden die Stücke der Theaterbiennale 2010 beweisen, dass ich falsch liege.
When I work on a production that is based on one of my texts, I am neither playwright nor director. Of course, I have the structure of the play in my head when I’ve written it, but, for me, a theatre text is not finished until the day it premieres: I end up rewriting many of the scenes, cutting various passages and even adding new sequences very late in the process. There have even been times when I’ve continued to change the text long after the premiere. I love the fact that I, as an author, have the freedom to intervene and rework the play. I think that playwrights should have an active role in the development of their plays and not be isolated from the stage.
For me, the most interesting thing about a theatre text (whether it is mine or by one of my colleagues) is the tension it creates between reality and fiction, as well as the various perspectives of reality (and realities) that it offers.
In dem Moment in dem ich eine Inszenierung entwickele, der mein Text zugrunde liegt, bin ich weder Dramatikerin noch Regisseurin. Ich habe zwar die Struktur des Stückes schon im Kopf, wenn ich ein Stück schreibe, doch für mich ist der Theatertext erst am Tag der Premiere fertig: in den letzten hundert Metern schreibe ich einige Szenen um, streiche Textpassagen und schreibe sogar neue Szenen hinzu. Manchmal habe ich den Text auch lange nach der Premiere noch verändert. Mir gefällt die Freiheit in das Stück einzugreifen, die ich als Autor habe.
Ich denke dass alle Dramatiker aktiv an der Stückentwicklung beteiligt sein sollten, und nicht von der Bühne isoliert sein sollten. Diese Idee hatte ich vor acht Jahren, als ich als Regiestudentin im zweiten Jahr an der Universität in Bukarest mit vier Studienkollegen das Projekt „DramAcum” gegründet habe. (Wir stellten die Frage: wie kann man heute etwas Neues und Persönliches schreiben) Vor acht Jahren wurden die Theatertexte vorwiegend von Autoren geschrieben, die auch vor 1989 schrieben.
Diese Texte zeichnete aus, dass sie eine zweideutige Sprache hatten und eine von der damaligen Wirklichkeit überholte Ästhetik beibehalten. Durch den Wettberwerb für rumänische zeitgenössische Theatertexte „DramAcum” versuchten wir junge Menschen, die interessiert daran waren Theatertexte zu schreiben, zu entdecken. (Die Altersgrenze für die Teilnahme betrug deswegen 26 Jahre.) Danach versuchten wir, die Stücke dieser jungen Autoren auf die Bühne zu bringen, in dem wir das Prinzip von „DramAcum” verfolgten: das Team von Regisseur, Autor und Schauspieler zu stärken (und natürlich Bühnenbildner, Choreographen und Musiker).
Als eine Regisseurin von „DramAcum” arbeite ich mit jungen Dramatikern an der Ausarbeitung ihrer Szenen auf der Bühne. Was mich an einem Theatertext am meisten interessiert (sowohl wenn ich ihn selbst schreibe als auch wenn es ein Text eines Dramatikers ist) ist die Spannung zwischen Realität und Fiktion und die verschiedenen Sichtweisen der Realität (und Realitäten). Die Diskussion über das Theatermedium hinaus, das Verlassen der Bühne als einziger dem Theater gewidmeter Raum und das Finden alternativer Theaterräume ist für mich enorm wichtig.
Aus dem Rumänischen von Luisa Brandsdörfer
Atunci cînd creez spectacole avînd la bază scenarii scrise de mine, nu mă consider nici dramaturg, nici regizor, ci autor. Pe de o parte, atunci cînd scriu scenariul am deja în minte structura spectacolului. Pe de alta, scenariul meu este gata doar cu cîteva zile înainte de premieră: rescriu anumite scene, tai din text și chiar scriu scene noi pe ultima sută de metri. Uneori, intrevin în text și în spectacol la mult timp după premieră. Îmi place această libertate de a intreveni în spectacol pe care mi-o oferă statutul de autor.
Cred că toți dramaturgii ar trebui să participe activ la procesul de creare a spectacolului, nu să stea izolați de scenă. Am avut această idee încă de acum 8 ani, cînd, studentă în anul II la facultatea de regie din București am inițiat împreună cu alți patru prieteni studenți la regie proiectul dramAcum (cum să scrii ceva nou/personal acum).
Acum 8 ani textele pentru teatru erau scrise într-o măsură covîrșitoare de autori care scriseseră pentru teatru înainte de ‘89 și care păstraseră un limbaj aluziv, o estetică depășită de noua realitate pe care noi o trăiam. Prin concursul de dramaturgie contemporană românească dramAcum am încercat să descoperim tineri interesați să scrie pentru teatru ( limita de înscriere era de 26 de ani). Apoi, am încercat să îi aducem pe acești tineri în mijlocul realizării spectacolului, urmînd un principiu care stă la baza funcționării dramAcum: echipa regizor – dramaturg – actori (și desigur scenografi, coregrafi, muzicieni).
Ca regizor dramAcum, am lucrat și lucrez cu tineri dramaturgi la dezvoltarea scenariilor lor în spectacole. Ce mă interesează cel mai mult la un scenariu ( și atunci cînd îl scriu eu și atunci cînd îl scrie un coleg dramaturg) este tensiunea între realitate și ficțiune, perspectivele diferite asupra realității (realităților), deschiderea unor discuții care să depășească mediul teatral, părăsirea scenei ca singură locație destinată teatrului și găsirea unor spații de joc și în afara acesteia.
Man sagt, Bühnenwerke reisen nicht gut, sie seien zu ortsgebunden. Bei einem Dramatiker aus einem kleinen Sprachgebiet treten alle Für und Wider des lokalen Dramas besonders zu Tage. Überall in Europa stellen die Dramatiker ihre unmittelbare Umgebung mittels Interpretation, Analyse, Beschreibung dar. Unsere Zuschauer sind die Menschen, die uns umgeben, die an unserem Leben teilhaben, an unserer Kultur, unserer Gesellschaft. Das Schönste daran ist, dass je lokaler etwas wird, die Wirkung desto globaler ist. Das Interesse von draußen versucht nicht das Übereinstimmende, sondern das Abweichende herauszufinden. Gleichzeitig entdecken wir immer wieder, dass unsere Unterschiede nur die Oberfläche bilden; die menschliche Natur ist die gleiche, ob in China oder in Island.
Nicht überraschend, was zu den Hauptthemen isländischer Dramatik der letzten zwei Jahre gehört: der Einfluss der globalen Medien auf unsere Gesellschaft sowie die plötzliche Zunahme ausländischer Arbeitskräfte samt der damit verbundenen komplizierten Probleme. Die Umweltprobleme gehören auch dazu. Unsere Gesellschaft wurde weitgehend unvorbereitet in eine problematische Diskussion über die interkulturelle Thematik gestoßen, die keineswegs zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hat. Inzwischen aber ist das Drama ein Mittel der Auseinandersetzung mit dem Thema geworden.
Man mag seine Zweifel daran haben, ob das Drama als Werkzeug und das Theater als Ort der gesellschaftlichen Debatte wirksam sein kann. Die Nachfrage nach Unterhaltung überragt die ernsteren Aspekte des theatralen Dialogs, und man könnte auch behaupten, dass das Publikum gut informiert sei und Vorträge im Theater weder braucht noch wünscht.
Der lokale Bezug des Dramas liegt meistens in der Sprache. Die Themen sind global. Ein “reisendes” Theaterstück verlässt sich auf die sprachliche Übersetzung. Die Bedeutung von Festivals liegt im Zusammenführen von Theatern aus allen Teilen Europas, indem es uns zeigt, dass das Drama eines der Fundamente des künstlerischen Ausdruckswillens der Menschen ist. Wenn Dramatik reisen soll, muss sie herausgehoben und ins Scheinwerferlicht gestellt werden.
Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Englischen von Robert Stokes.
Our play has become our reality. A true fiction. Some of us thought that we should branch out and produce our own play on the world stage. Most of us didn‘t want to take part and felt the whole idea was rather stupid. What emerged was a nationalistic, hubristic yarn, performed by a group of suitclad, sweetspoken clowns, with folds of money sticking out of every pocket. They told a simplistic metaphor of the modern viking who true to his roots was on the rampage; not by raping women and ransacking villages, but by buying everything and everyone for any amount that was asked. The higher the better. The clowns peddled our culture and wasted a hard-earned trust; a trust that had slowly accumulated over centuries and was now wasted in a moment. Left behind is a nation filled with unease, even shame, towards the rest of the world.
Translated into English by Lynnette Polcyn
| January 12, 2010 | ||
| 6:30 pm | to | 8:30 pm |
| March 14, 2010 | ||
| 6:00 pm | to | 8:00 pm |
Sorry, but this has to be in German…
Der gute alte Parzival-Stoff ist Grundlage meines Stückes “Human Being Parzival”, das am 12. Januar in Wien in Rabenhof-Theater Premiere hat. Eine Fassung für Jugendliche ab 11 Jahren. Nähere Informationen unter www.rabenhof.at Die Produktion ist bis 14. März zu sehen.
Mit besonderer Verneigung vor Tankred Dorst.

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