Zwischen der Theaterbiennale von 2008 und der diesjährigen liegt eine Finanzkrise, die nicht nur das Leben der Europäer, sondern auch die Fundamente des globalisierten Finanzsystems erschüttert hat. Die Regierungen konnten die Krise nur dadurch bremsen, dass sie Milliardenbeträge aus den Geldern der Steuerzahler in die Kassen der Banken fließen ließen. Es ist, als ob man den Leuten sagte: „Ihr müsst euren Arbeitgebern finanziell unter die Arme greifen, wenn ihr nicht auf der Straße landen wollt.“ Unter normalen Umständen wäre das Erpressung. Aber die Krise ist ja kein normaler Zustand.
Manche sagen, dass wir die Krise überstanden haben, andere, dass sie noch nicht vorbei ist. Egal, ob man jetzt das Glas halb voll oder halb leer sieht, sicher ist, dass diese Krise Arbeitsplätze gekostet, die Staaten in die Verschuldung gestürzt und die Bürger ärmer gemacht hat.
In den letzten anderthalb Jahren suche ich auf den griechischen Bühnen ein Stück, das sich mit der Krise auseinandersetzt. Bis jetzt habe ich kein einziges gefunden. Die Theater bangen wegen der Krise um ihre Subventionen, nicht aber um deren Folgen für die Gesellschaft. Dabei fällt die Krise in Griechenland aus internen politischen Gründen viel schärfer aus als in vielen anderen Ländern der EU.
Ich bin kein Nostalgiker der 70er Jahre. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt heutzutage, trotz Irak, Guantanamo oder Afghanistan, besser dasteht als vor 40 Jahren. Also fehlt mir auch das politische Theater von damals nicht besonders.
Was ich aber in den letzten Jahren vermisse, ist die „Barometer-Funktion“ des Theaters. Früher galt das Theater als eine Art Barometer. Es fing die Vibrationen der Gesellschaft auf und brachte sie auf die Bühne. Heute ist das Theater viel mehr auf sich selbst bezogen. Der „Spiegel der Gesellschaft“ wird zunehmend zu einem Schminktisch.
Hoffentlich werden die Stücke der Theaterbiennale 2010 beweisen, dass ich falsch liege.

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