Oft werde ich von Freunden, Bekannten und Theaterleuten gefragt, warum ich nicht mal eine politische Satire schreibe; zumal ich mich in der Vergangenheit schon mit einigem Erfolg daran versucht hatte. Diese Frage ist freilich nicht nur an mich allein gerichtet, sie wendet sich mit derselben Dringlichkeit und Berechtigung auch an andere Schriftsteller meines Landes.
Schon seit uralter Zeit erfreute sich die auf der Bühne vorgenommene satirische Überzeichnung von Vertretern des politischen Systems besonderer Beliebtheit.
Aristophanes karikiert und verspottet in seinen Komödien die kriegshetzenden und kriegslüsternen Politiker seiner Zeit und unterzieht die Missstände der Athener Demokratie einer beißenden Kritik. Die antiken Tragiker kommentieren im Prisma der Mythen um das Atriden- und Labdakiden-Geschlecht die damalige soziale und politische Aktualität.
Doch nicht nur damals, sondern in seiner gesamten bisherigen Geschichte war das Theater ausgesprochen politisch – ob es nun eine explizite Position bezog oder nicht.
Wie ist es damit aber heute bestellt?
Über welche Fragen sollte man heute schreiben, und auf welche Art sollte man sie präsentieren, um die Tragödien unseres Zeitalters kritisch abzubilden?
Kriege werden leider nach wie vor geführt. Allerdings werden sie in eine alltägliche Fernsehshow verwandelt, wodurch unser Empfinden für die ihnen anhaftende Tragik abgestumpft wird.
Die verratenen Träume des Willy Loman, die vergeblichen Illusionen der Blanche DuBois sind inzwischen zum „Futter“ und Gegenstand von Reality Shows verkommen. Das niedergedrückte, ohne Hoffnung auf Veränderung dahinfristende Leben Onkel Wanjas interessiert niemanden mehr. Anna Fierlings Kinder wurden die Golden Boys der Wall Street.
Und die politische Satire? Ist es denn überhaupt möglich, dass eine noch so begabte, eine noch so begnadete satirische Feder zu übertreffen vermag, was die Politiker selbst mit ihren hochtrabenden Erklärungen verfassen, während sie aufgeblasen und wichtigtuerisch Tag für Tag in der Acht-Uhr-Nachrichtensendung über die Bildschirme paradieren? Brauchen sie denn wirklich einen Dritten, der sie karikiert?
Schwere Zeiten für Autoren. Wirklich schwere Zeiten. Oder etwa nicht?
Aus dem Griechischen von Theo Votsos

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Deckt sich mit meiner Erfahrung. Politiker sind die besten Satiriker. Leider.