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War ich selbst vielleicht ein Agent der Globalisierung?


In den 90er Jahren hat Großbritannien eine neue Generation von Dramatikern hervorgebracht. Obwohl wir das damals nicht gleich erkannten, war dies ein perfektes Timing für eine neue Gruppe von Theaterautoren, um sich als internationale Macht zu manifestieren. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten öffneten sich viele Länder, insbesondere die ehemals kommunistischen Staaten, der Außenwelt – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell. Wie ein russischer Regisseur mir sagte: “Wir wissen Bescheid über die britische Dramatik bis Shaw, dann folgt eine totale Leere, und danach beginnt die Sache wieder mit Sarah Kane und mit Ihnen.”

Allmählich, gegen Ende der 90er, begriff ich, dass ich es zu tun hatte mit jener alles beherrschenden Kraft, die unser Leben so weitgehend gestaltet: mit der Globalisierung. Genau genommen wurde mir mit ziemlich schlechtem Gewissen bewusst, dass ich selbst vielleicht ein Agent eben jener Globalisierung war. Das Royal Court Theatre in London – wo ein so großer Teil des neuen britischen Dramas beheimatet ist – wurde wegen der großen Zahl von Folgeaufträgen, die seine Autoren erhalten, bereits als das Starbucks der Stückeschreiber bezeichnet. Und manchmal, bei Einladungen um ausländische Aufführungen meiner Stücke bei zu wohnen und anschließend Vorträge über das Theater, oder ein Seminar über das Metier des Dramatikers zu halten, kam ich mir vor wie irgendein Manager eines weltweiten Konzerns. Eine Zeit lang blockierte diese Erkenntnis sogar meine schriftstellerische Tätigkeit.

Aber mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass diese Reisen und die Übersetzungen meiner Arbeit im Großen und Ganzen gut getan haben. Der Gedankenaustausch mit Theaterleuten und Zuschauer in der ganzen Welt und das erleben verschiedenster Aufführungspraktiken wird aus mir, wie ich glaube, einen besseren Autor machen. Und ich hoffe dass ich, indem ich lerne von der Außenwelt und dadurch bessere Arbeiten abliefere, die Theaterleute anderer Länder herausfordere, auch ihrerseits bessere Arbeiten zu machen. Durch den internationalen Austausch kann eine gewisse positive Dynamik entstehen.

Aus dem Englischen von Martin-Michael Driessen

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