Für mich ist es eine große Ehre, an der Arbeit des bekannten und angesehenen Wiesbadener Festivals teilzunehmen.
Theaterfestivals ermöglichen ihren Teilnehmern und Zuschauern, einige Tage lang die frische Theaterluft zu atmen, die diese bemerkenswerte Stadt erfüllt, ihre Eindrücke auszutauschen, Probleme zu besprechen.
Über eines von ihnen erlaube ich mir ein paar Worte zu sagen. Bekannt ist die Formel des so genannten „Theaterquadrates“. Der Autor schreibt ein Stück über sich selbst, der Regisseur inszeniert das Stück über sich selbst, der Schauspieler spielt die Rolle über sich selbst, der Zuschauer sieht die Vorstellung über sich selbst.
Wie man weiß, sind alle Seiten des Quadrates gleich. Jedoch höre ich in letzter Zeit oft, noch öfter sehe ich es in modernen und klassischen Inszenierungen, die Überlegenheit der Regie über den übrigen Teilnehmern des Theaterprozesses.
Unter dem Motto „Der Regisseur ist für alles verantwortlich“ wird er über die Dramatik gestellt, die „nur ein Anlass zur Vorstellung“ ist, über die schauspielerische Kunst, weil „Schauspieler lediglich Lehm für einen talentierten Bildhauer“ sind.
Mir scheint dieser Standpunkt vieler Regisseure falsch zu sein. Wir haben alle bereits gesehen, wozu Versuche führen, jemanden über jemand anderen zu stellen. Man hat bereits eine Klasse über eine andere gestellt, eine Nation über eine andere… Jeder Psychologe wird meinen, dass dem Überlegenheitskomplex ein Minderwertigkeitskomplex zugrunde liegt. Er wird Ihnen erzählen, dass kleine Kinder Spielzeuge kaputt machen, ältere Kinder hingegen gerne damit spielen.
Meiner Meinung nach wird eine Vorstellung nicht infolge eines Kampfes mit der Dramatik und den Schauspielern erfolgreich, sondern dank eines festen Bündnisses mit den beiden. Wenn die Teilnehmer des „Theaterquadrates“ nicht „unter“ und nicht „über“, sondern zusammen und nebenan sind.
Ich bin mir sicher, dass wir genau solche Vorstellungen auf der 10. Biennale „Neue Stücke aus Europa“ sehen werden.
Aus dem Russischen von Anastassia Stroeva

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