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Ich war neunzehn Jahre alt,


als ich ins Schriftstellermilieu geriet. Es begeisterte mich mit seinem freien Geist, seinem Ketzertum, seiner Opposition gegenüber dem Regime. Der Lettische Schriftstellerverband stellte in den 70er und 80er Jahren eine große Kraft dar, er hatte eine Führungsrolle auf dem Gebiet der öffentlichen Meinung. Die Schriftsteller nahmen sich Freiheiten heraus, die sich ansonsten niemand leisten konnte. Und so kam den Schriftstellern auch höchste Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Idee der Freiheit zu.

Die Schriftstellerei war ein alternatives Medium, über das die Gesellschaft kommunizierte. Dies erklärt auch die gewaltigen Auflagen der Bucher, die überfüllten Theater und Sale bei Lyriklesungen. Die Menschen standen mehrere Tage an, um Eintrittskarten zu ergattern. Im Juni 1988 fand ein Kongress des Schriftstellerverbandes statt, der das „Nationale Erwachen“ einlautete und erstmals das Ziel der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands klar definierte. Jeder begriff, dass dies den Beginn des Zusammenbruchs der UdSSR bedeutete. Das heist: Weder Kollaboration noch inneres Exil, sondern – vielleicht vorsichtig, dafür jedoch konsequent – ein schrittweise Unterminieren des Systems.

Die Zensur war allgegenwärtig und sie wirkte auf verschiedenen Ebenen. Ihr musste man mit Geschicklichkeit und Gerissenheit begegnen. Oft gelang es, die Zensur zu tauschen. Wir benutzten öffentliche Veranstaltungen, um allerlei Ketzerisches vorzulesen. Der erste Versuch einer gewissen Demokratisierung der Gesellschaft fallt in die Tauwetterperiode Chruschtschows, er wurde jedoch unterdruckt. Latent, gewissermaßen im Untergrund, war die Forderung nach Freiheit immer vorhanden. Gorbatschows Perestroika eröffnete diesen Freiheitsbestrebungen schließlich eine Möglichkeit, offen hervorzubrechen. Dies lag Mitte der 80er Jahre bereits spürbar in der Luft.

Aus unveröffentlichten autobiografischen Skizzen.
Aus dem Lettischen von Matthias Knoll

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