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100.000.000 €


Das ist die Summe, um die der italienische Kulturetat gekürzt wurde. Welche Zahlen verstecken sich außerdem in der italienischen Kultur- und Theaterlandschaft?

2010 ist für Italiens Theaterschaffende in mehrfacher Hinsicht ein Premierenjahr. Ende März wurde im Heimatland der Oper zum ersten Mal der Welttag des Theaters gefeiert. Dass der Festtag, der an und für sich bereits seit 1961 existiert, erst jetzt von Italiens Regierung anerkannt wird, ist bezeichnend für die Haltung der Politiker ihrer Kultur gegenüber und wurde von der Bevölkerung wie ein ironischer Scherz aufgefasst. Der 51-jährigen Kulturminister Sandro Bondi mit Sitz in der Via del Collegio Romano 27 in Rom dürfte dieser Tage mindestens fünf weitere graue Haare entdeckt haben: Nach einer Kürzung des Kulturbudgets von 340 auf 240 Millionen Euro haben sich die Festivitäten zum Welttag des Theaters landesweit in Proteste verkehrt.

Berlusconis Sparpakete

Herr Bondi kann einem leid tun: Er muss kürzen, aber es ist ja nicht seine Schuld, dass die Regierung Berlusconi bis 2012 ein Sparpaket von insgesamt 24 Milliarden Euro verordnet hat und im Zuge dieser Sparrunde auch die Politikergehälter um 10 bis 15 Prozent eindampfen will. Und dann muss er auch noch darum kämpfen, selbstständig über die Verteilung des Kulturbudgets entscheiden zu dürfen. Ende Mai hat Wirtschaftsminister Giulio Tremonti ohne vorherige Absprache eine Liste mit 232 Kulturinstitutionen vorgelegt, die ab sofort keine Subventionen mehr erhalten sollen. Darunter Organisationen wie die Stiftung der Arena von Verona, das Festival dei Due Mondi in Spoleto, die Kunst-Triennale in Mailand und die Kunst-Quadriennale in Rom, dessen Präsident Gino Agnese bereits bekannt gab, auch er würde gratis arbeiten, um die Institution zu retten.

Theaterwirtschaft

Auch wenn die Liste nun doch von Bondi überarbeitet wird, bedeutet die Kürzung des Gesamtbudgets um ein Drittel für unzählige Organisationen nach wie vor eine akute Bedrohung ihrer Existenz. Kulturschaffende aus den Sparten Literatur, Musik, Theater, Kino, Tanz und Zirkus teilen sich jedes Jahr den Fondo Unico dello Spettacolo (FUS), einen Fonds für “Veranstaltungskünste”, in den der Staat anteilig einzahlt: 2009 waren es noch 397 Millionen, in der Zeitspanne 2010 bis 2012 sollen es laut Bondi und Tremonti bis zu 50 Prozent weniger werden. 200.000 Angestellte sind betroffen. Dabei erwirtschaftet der Veranstaltungskünste-Sektor fast 7 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukt, während die öffentliche Hand nur 0,16 Prozent wieder zurück fließen lässt. Alleine im Theatersektor werden jährlich dank 16 Millionen Zuschauern 210 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Sogar das Teatro Stabile d’Abruzzo in Aquila, wo Anfang April 2009 ein Erdbeben wütete, brachte in der Saison 2009/10 trotz widriger Umstände zehn Uraufführungen hervor und erzielte mit einer Zuschauerzahl von 7.088 Personen Einnahmen von 70.309 Euro. Marc Ravenhill, Sarah Kane und Martin Crimp sind nur drei Namen internationaler Prominenz, die durch das Teatro della Limonaia di Sesto Fiorentino in Florenz und dessen Teilnahme am New European Writing Theatre Network gefördert wurden. Und der Theaterwettbewerb “Vertigine” in Rom ist nur eine von vielen Zukunftsperspektiven für die 420 Gruppen, die sich in diesem Jahr dort beworben haben. Wenn es nächstes Jahr für “Vertigine” & Co. kein Geld mehr gibt, wird für sie der Blick in die Vergangenheit wohl rosiger sein als der in die Zukunft.

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