Mein Grußwort « newplays-Blog

Mein Grußwort


Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

neulich stand ich auf einer Premierenparty bei einem Glas Sekt zufällig am Stehtisch neben Henry Miller und Roberto Ciulli. Meine Salzstangen waren mir gerade ausgegangen, und ich stellte mich möglichst unauffällig zu ihnen, griff nach dem Snackbehälter und lauschte andächtig: Auf keinen Fall wollte ich ihre Diskussion stören. Nein, eher war es ein Diskurs über zeitgeistige Themen: über Empfindungen, Identität und Kommunikation, diese großen Worte eben.

Ciulli strich sich aufgeregt durch das lange Haar, fuchtelte mit den Armen, und rief immer wieder, das Theater sei der Ort demokratischer Diskussion, und ich stimmte da auch weitesgehend mit ihm überein und schenkte mir noch Sekt nach. Miller erwiderte mit der Autorität des Alters, Theater sei nun in erster Linie mal ein Liebesbrief, und das leuchtete mir auch wieder irgendwie ein, so besonders, so zeitlos wichtig ist die Liebe ja nun mal. Und auch: irritierend, bewegend, begeisternd!

Die Dinge des Lebens im Diskurs

Da ich wirklich keine Ahnung von Theater hatte, aber doch über “Dinge des Lebens” mit diesen beiden Ministerpräsidenten des Diskurses in die indirekte Kommunikation treten wollte, versuchte ich mich mit theaternahen Floskeln hervorzutun. Lampenfieber: Ich nahm einen tiefen Schluck, und auf einmal richteten sich alle Augen im Saal auf mich.

Ich murmelte so etwas wie, dass sich jetzt der Vorhang über den Brettern hebe, die die Verschiedenartigkeit und Vielfältigkeit einer gemeinsamen Identität bedeuteten, die Zukunftsängsten und Gegenwartsträumen eine Bühne böten. Ich schloss mein rasantes Kurzreferat damit, dass Wiesbaden, das ja bekanntlich das Epizentrum Europas sei, sich besonders für diese fruchtbare politische, wirtschaftliche und kulturelle Vereinigung Europas eigne und: “Wir wollen ein Theater für die Mitte der Gesellschaft sein.”

Miller lächelte müde über meinen schwachen Witz mit den Brettern und dem Vorhang. Ich schämte mich etwas und ging auf die Toilette. Als ich mein zeitgenössisches Spiegelbild erblickte, musste ich es zwangsläufig dahingehend interpretieren, dass es diesmal definitiv zu spät geworden war. Als ich zurück zum Stehtisch kam, waren Ciulli und Miller auch schon abgegangen.

Im Internet fündig geworden

Um den Abend am nächsten Morgen zu rekonstruieren, suchte ich im Internet nach Zitaten und Schlagwörtern zum Thema Theater und fand tatsächlich auch wunderbar klärende Zitate der Beiden zu obigen Themen. Jetzt habe ich einiges verstanden, Verzeihung, habe mich selbst erkannt.

Aber was auch an so einem Abend sagen, in so einem Text schreiben … in diesem Sinne auch von mir: Vorhang auf für die Bretter und die Liebesbriefe, die Begegnungen und den Diskurs!

One Comment to “Mein Grußwort”

  1. avatar Darkwing Duck says:

    Mensch, Karl Wolfgang, da wird die Theaterbiennale aber erleichtert sein, dass Du ihr noch rechtzeitig Deinen Segen gegeben hast.

Leave a Comment