Oder etwa nicht? Europäische Dramatikerinnen über das Frauenbild heute.

Vier Frauen am Tisch, die Dramatikerinnen Ioana Crăciun, Gina Moxley und Ana Tomović mit hr2-Moderatorin Ruth Fühner. Foto: Martin Kaufhold
Zweiunddreißig Frauen und doch immerhin neun Männer versammeln sich im Studio des Staatstheaters Wiesbaden, um über das” F-Wort” zu sprechen, um das es, weiß Moderatorin Ruth Fühner vom hr2, schlecht bestellt ist: Engagierte Frauen gäbe es zu Genüge, aber kaum eine unter ihnen mag als “Feministin“ bezeichnet werden. “Frauenbilder im europäischen Kontext” heißt die Veranstaltung. Als Expertinnen sind vertreten: Ana Tomović , die serbische Regisseurin des Stückes “Das Puppenschiff”, das ein starkes Frauenbild liefert, eine Künstlerin, die auf der Suche nach sich selbst an weiblichen Projektionen (Mutter, Geliebte…) scheitert, und das dieses Jahr im Rahmen des Festivals NEUE STÜCKE AUS EUROPA seine Deutschlandpremiere feierte. Ioana Crăciun, die lange für Rumänien als Patin für das Festival agierte, und die irische Dramatikerin Gina Moxley.
Ioana Crăciun stellt gleich zu Beginn klar: Man sollte nicht zwischen der Welt des Theaters und der Wirklichkeit “parallelisieren”. Und auch Ana Tomović räumt ein, dass es bei der Identitätssuche der weiblichen Zentralfigur ihres Stücks in erster Linie um eine persönliche, “menschliche” Suche gehe, bei der der Gesellschaftsaspekt nicht zentral sei. Bei der vorgefundenen Personenkonstellation kommen die Autorinnen schnell auf die Frage zu sprechen, ob es in Europa noch immer Unterschiede zwischen Ost und West bei der Wahrnehmung von Frauen gibt. Ana Tomović fühlt sich in jedem Fall gleichberechtigt und bringt dieses Empfinden mit der kommunistischen Vergangenheit ihres Landes in Verbindung. Und auch Ioana Crăciun kann, zumindest im Bereich der Kunst, keinen Geschlechterkampf feststellen. Schließlich lebe man im Osten ohnehin auch weiterhin im “kommunistisch konnotierten Paradies”.
Doch die Annäherung an den Westen habe vor allem die Wahrnehmung der Frau als Objekt mit sich gebracht. Zu kommunistischer Zeit sei Pornographie verboten gewesen und die Rumänin Crăciun weiß nicht so recht, ob die im Osten als Errungenschaft empfundene freie weibliche Nacktheit nicht eine Form von Selbstbetrug darstellt. Sie spricht von einer “Berührungsangst” mit dem Feminismus in ihrem Land, in Rumänien gebe es kein “westliches Pathos” dieser Bewegung. Dass dieses aber ebenfalls nur ein Konstrukt sein könnte, zeigt Gina Moxleys Beschreibung der Situation des Feminismus in Irland. Der sei dort nämlich eine “depressing landscape”, eine Landschaft also, die zu Niedergeschlagenheit führen könnte. Die Gender-Frage wird auf der Bühne nicht verhandelt, weil sich die Geldgeber nicht für das Thema interessierten und außerdem auch der Katholizismus in diesem Land noch eine sehr wichtige Rolle spiele. Es gävw zwar Gay Paraden und queere Theaterfestivals, aber über ihren eigenen Körper dürften Frauen immer noch nicht entscheiden und müssen, wenn sie eine Abtreibung möchten, ins Ausland gehen. Nach Rumänien zum Beispiel.
Frauen, Frauenbilder und die Diskurse über die Frau sind in Europa nicht einheitlich. Nach “seiner Frau” wird Europa wohl noch eine Weile suchen müssen.

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