Und einmal mehr ist es Zeit für einen Live-Blog: Das FORUM JUNGER THEATERKRITIKER trifft in den intimen, warmen Räumlichkeiten des Presseclubs einige der Teilnehmer des FORUMs JUNGER AUTOREN EUROPAS unter Leitung von Martin Heckmanns. Warum? Weil die Kritiker die Autoren brauchen, die Autoren die Kritiker, und beide dennoch gewisse Abneigungen gegeneinander haben – könnte man zumindest meinen. Im Zentrum der kommenden Stunde also die Frage: Was erwarten Kritiker von ihren Autoren, was Autoren von ihren Kritikern? Eines auf jeden Fall: Nicht aus dem Kontext herausgelöst zitiert zu werden. Da freut sich der Live-Blogger.
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15:40: Die Autoren geben ihr Einverständnis zum Live-Blogging. Und ich soll die Mutter eines des Autoren grüßen – Dominik sagt: “Schöne Grüße, Mama!” & es ist getan.
15:43: “Schriftliche Zitate bringen offensichtlich zu wenig Ironie rüber,” sagt Heckmanns. Im Internet gibt es ja neuerdings die Eigenart, Ironie-Tags zu setzen.
15:44: & Nikola Richter sagt: “Wenn man Interviews gibt, muss man damit rechnen, dass nicht das ganze Gespräch 1:1 zitiert werden kann.”
15:45: Es geht gleich weiter: Jürgen Berger sagt, dass das Presserecht die Autorisierung von O-Tönen verlangt, mehr nicht. Irgendwie wirkt es, als würde nun wirklich kein Autor mehr ein Wort sagen wollen.
15:49: Einer der Autoren starrt mich gerade an. Warum?
15:51: Die Jungkritiker hätten gerne eine Einschätzung ihrer Tätigkeit – vor allem des Blogs. Es stellt sich heraus, dass Autoren hier gar kein Internet haben. Tankred Dorst geht es genauso. Er schreibt nur mit Bleistift oder Kugelschreiber.
15:52: Heckmanns: “Auch dass wir hier zusammen sitzen, erscheint mir heikel.”
15:53: & wieder Heckmanns: Journalisten seien zu interessiert am Einkommen der Autoren, diese Frage werde immer gestellt & gedruckt.
15:55: Nun im Gespräch: Die Bedeutung des Nonverbalen. Dazu: Heckmanns beklagt die Banalität der mündlichen Kommunikation. & dank gewisser Formen des technischen Fortschritts – à la Internet – kann diese Banalität auch beschleunigt in Druck gehen.
15:57: Einer der Autoren (den Namen kann ich gerade nicht eruieren): “Worum es geht ist doch das geschriebene Wort, mich interessiert beim Lesen eines Interviews doch nicht, was für eine Jacke der trägt oder ob er die Kellnerin anschnauzt.” Im Gegenteil, das Anschnauzen von Kellnerinnen ist höchst interessant.
15:59: Grete G. aus F. erläutert, dass es zwei Möglichkeiten gibt, etwas aus Interviews zu machen: Portrait & Interview.
16:01: Heckmanns’ Schuhe sind irgendwie ziemlich hübsch.
16:04: Kritikerin Grete G. aus F.: Verrisse sollten beide Seiten sportlich nehmen. Schweigen auf Seiten der Autoren.
16:06: Jürgen B.: “Der Job des Theaterkritikers hat viele Ebenen.” Eben.
16:09: Heckmanns widerspricht der Nüchternheit des Kritikers, da beispielsweise zu Friederike Heller gegenüber von Seiten der Theaterkritik geäußert wurde: “Wenn ich nicht wüßte, dass Sie schon besser inszeniert wurde, würde ich jetzt sagen ‘Danke, es reicht.’ ” Internetnachweis kann gerade nicht gefunden werden. Wird aber schon stimmen (so viel zum Journalistenethos).
16:12: Heckmanns fragt, ob sich Kulturjournalisten vom Netz bedroht fühlen, da dieses immer wichtiger wird. Jürgen B.: “Für sehr viele feige Schlammwerfer ist es sehr wichtig geworden. ”
16:13: Überraschung: Heckmanns freut sich am meisten über lobende Kritiken. Dabei habe ich eigentlich Masochismus auf Autorenseite vermutet. Warum sonst dieses Gespräch hier?
16:14: & es wird noch expliziter: Eine gewisse nächtliche Seite mit Theaterkritikern würde Bild-Methoden nutzen. Habe ich gehört. Sagt die Gerüchteküche im Presseclub.
16:19: Nikola R. aus B.: “Der Theaterblogger kommt.” & wieder kommt die Diskussion, der Diskurs zum gleichen Thema: Print VS. Internet. Schirrmacher hilf! Ich glaube irgendwie, dass das die Autoren nicht so recht interessiert. Der erste muss bereits den Kopf abstützen.
16:21: Ich wünschte sehr, ich hätte eine Namensliste. Oder die Autoren bräuchten Namensschildchen.
16:23: EIL- & SONDERMELDUNG: Unsere Zeitung (printblog #1) ist endlich (fast) da. Der Fahrer stand nur im Stau.
16:26: Die Autoren fragen, ob wir Kritiker irgendwelche Wünsche an die Autoren haben. Natürlich, kürzere Stücke zum Beispiel. Gute, knackige Dialoge. & Grete G. aus F. fordert eine Geschichte! Der Autoren Reaktion: “Oh, das tut uns weh.” – das ist es ja. Die Stücke tuen uns auch weh.
16:30: Da plaudert jemand aus dem Nähkästchen & erläutert, welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit die Presse an einer bestimmten Inszenierung interessiert ist – zusammengefasst: Das Stück muss gut sein.
16:32: Heckmanns spricht des Kritikers Lust am Verriss an. Ein wenig Spaß muss man aber doch an diesem Job haben.
16:34: Hm, irgendwie ist es hier vor allem ein Dialog zwischen Heckmanns & den Kritikern. Haben die jungen Autoren nichts zu sagen? Oder wieder die schwierige Differenz zwischen mündlicher & schriftlicher Kommunikation?
16:35: Es geht doch: Autorin erzählt von ihren Inspirationsquellen. Fotografie. O-Ton: “Bilderbuchgucken im Grunde genommen.”
16:41: Themenwechsel: Setzen sich die Autoren selbst Deadlines? Allgemeine Erheiterung.
16:42: Ich glaube, mir fehlt die Aufmerksamkeit für die ganze Sache. Eben hörte ich das Wort “Leichenschändung”, aber ich weiß wirklich nicht, ob es um Theaterkritik oder die Arbeit der Autoren ging. Aber dieses Wort kann man der Schockwirkung wegen einfach so stehen lassen: Leichenschändung.
16:45: Einer der anonymen Autoren meint, in der Kürze läge die Würze. Live-Blog beenden oder nicht? Sein oder Nichtsein?
16:48: Zeitdruck bei den Kritikern & kein rechtes Ergebnis – die Zeitung ist immer noch nicht da. & jetzt, da die Zeit fast vorbei ist, fragt Heckmanns danach, mit wem er es eigentlich zu tun hatte. Mein Name ist Jakob Heller, das C. ist nur der potentiellen Autorentätigkeit wegen im Namen. Rest des Gespräches wird ins Festivalzelt verlegt, bei Wein oder belegten Brötchen. Denn da treffen sich Autoren & Kritiker mit Sicherheit.
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Juhuu, endlich!
Ajajaj, jetzt lenk mich nicht ab. Ich muss doch ganz live in der nächsten halben Stunde noch einen Artikel fertigkriegen…
dann hoffe ich, dass du ein wenig spaß hast