Bei “Türkiye-Almanya 0:0″ in der Wartburg Wiesbaden ist nur das Fußballergebnis eindeutig.

Verstehen sich nicht so richtig: Aysun Yontar-Vogel, Ivan Anderson, Franziska Werner (v. l. n. r.). Foto: Martin Kaufhold
Auch wenn die Türkei bei der Fußballweltmeisterschaft fehlt, muss noch lange nicht auf das deutsch-türkischen Mit- und Gegeneinanders verzichtet werden. Schließlich ist da ja noch das Theater und Yesim Özsoy Gülans ”Türkiye – Almanya 0:0“. Das weckt zwar Sportassoziationen, hat aber auch Auseinandersetzungen ganz anderer Art und abseits von den üblichen Klischees zu bieten.
Aus vermeintlichen Stereotypen werden hier ungeahnte, vielschichtige Figuren: die türkische Banu etwa, die sich beim Frauenarzt für die bevorstehende Hochzeit wieder zur Jungfrau machen lassen will, aber gleichzeitig ständig gegen ihre traditionell-denkende Mutter rebelliert. Oder die super tolerante Feministin, die im Wartezimmer mit Banu über deren “Kultur” und eben solche medizinischen Eingriffe diskutiert und sich schließlich als engstirnige Besserwisserin entpuppt. Oder Herr Müller, Chef einer Autofabrik, der mit den türkischen Gastarbeitern besonders streng umgeht, obwohl er selbst Türke ist.
Es sind keine Schwarz-Weiß-Situationen. So sitzt Banu nicht nur zwischen verschiedenen Identitätsangeboten, sondern zwischen den Stühlen und das ganz wortwörtlich: Regisseurin Yeşim Özsoy Gülan lässt die Schauspielerinnen das fortwährende Stühlerücken zu einer Choreografie aufbauen, die auf komödiantische Weise bildlich macht, wie die Frauen zueinander stehen. Das funktioniert wunderbar, obwohl einigen Teilen des Szenen-Potpourris weniger Ulk gut getan hätte. Strukturiert wird das Ganze von kurzen Fußballzwischenspielen auf dem grünen Kunstrasen. Da ist das Ergebnis dann ganz eindeutig: Unentschieden.

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