Sympathisches Boulevardstück mit Exotiktouch: “Bab und Sane” aus der französischen Schweiz gastiert nach über 120 Vorstellungen im TiC.

Der Herrscher und sein Untertan: Habib Dembélé und Hassane Kassi Kouyaté. Foto: Lena Obst
Weil seine Freunde, die Schauspieler und Komiker Habib Dembélé aus Mali und Hassane Kassi Kouyaté aus Burkina Faso, gerne mal zusammen was machen wollten, schrieb ihnen René Zahnd, Ko-Direktor des Théâtre Vidy-Lausanne, ein Dialogstück. Grundlage: ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1997 über zwei Wächter in der Schweizer Villa von Zaïres Diktator Mobutu. Sie wurden nach dessen Sturz auf dem gut behüteten Anwesen bei Lausanne in einem rechtelosen Raum zurückgelassen.
Neben den Namen Bab und Sane gab der Autor ihnen und eine klare Rollenverteilung à la “Pinkie and the Brain”: Sane (Kouyaté) ist der besonnene Vernunftmensch, Bab (Dembélé) der Scherzkeks und ausgelassene Schelm, der in seiner Naivität kluge Fragen stellt: “Ist die Verrücktheit nicht die letzte Stufe der Weisheit?” In ihrer Angst vor dem ungewissen Schicksal und “denen, die uns holen kommen”, aber auch aus Langeweile schmieden sie hybride Zukunftspläne oder verlieren sich in zwiespältigen Erinnerungen an ihren doch nicht so bewundernswerten Hausherrn. Obwohl sie sich in einer sehr konkreten Situation befinden, sind dialogische Anleihen bei Beckett nicht zu übersehen. Das Warten überspielen die Dagebliebenen mit absurder Bedeutungslosigkeit und Gelächter.
In Jean-Yves Rufs Inszenierung haben die beiden besonders viel Spaß, und es ist höchstvergnüglich, ihnen zuzusehen. Der imposante Kouyaté besticht vor allem stimmlich, sein Freund Dembélé mit zielsicherer Gesichtsakrobatik: aufgerissene Augen, verbiesterter Herrscherblick. Ruf fügt der originellen Stückidee und den flotten Dialogen nicht mehr viel hinzu: Etwas Schnee vorm Kellerfenster bezeichnet den Schauplatz, Leopardenmütze und Stock stellen den Bezug zu Mobutu her. Trotz einiger Leerläufe in der Konversation – man hat sich ja auch oft einfach nichts zu sagen – reißt die Spannung in 70 Minuten nie ab. Dazu kommt das konsequente Lichtkonzept von Michel Beuchat, das viel mit Tag- und Nachtstimmung arbeitet. Am Ende wird es sogar bedrohlich, wenn “sie” – die von der neuen richtigen Seite – tatsächlich da zu sein scheinen und Bab mit der Pistole im Mund den schnellen Ausweg erwägt.
Enttäuscht wird, wer sich neben dem Unterhaltungswert eine reflektierte Auseinandersetzung mit Themen erwartet, die die Grundidee durchaus zuließe. Fragen, die man sich angesichts von Mitarbeitern eines Diktators stellen kann, werden nur oberflächlich gestreift, die heiße Kartoffel “Afrika und Europa” gar nicht angefasst. Sehenswert ist der Abend trotzdem.

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Da kriegt man ja richtig Lust hinzugehen! Es muss ja nicht immer um Politik gehen und darf auch mal Spaß machen, bekommt man da den Eindruck.
Schon zum zweiten Mal erwähnst du in diesem Blog Beckett – gibt es da eine Geschichte? =)
[...] stehen. Aber ich würde sagen, einer der beiden Bodyguards des afrikanischen Diktators aus “Bab et Sane”, der kleinere. Der Autor hat ihm eine Sprache in den Mund gelegt, die mich an Karl Valentin [...]