Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale
Ein Schockerlebnis war das. Furcht und Schrecken. Jammern und Schaudern. Zwei Stellen! Alle Finger! An meinem zehnten Geburtstag war mir klar: Ich war alt geworden. Mehr weiß ich allerdings nicht mehr, alles andere ist in Nebel unklarer Erinnerung getaucht, und nun, 22-jährige Greisin die ich bin, muss ich das Tor zu meiner Kindheit erst wieder aufstoßen. Doch als Konsumkind der 90er kenne ich jenen sagenhaften Ort, an dem ich mich am besten in die Seinswelt meiner Kindheit zurückversetzen kann: Die Spielwarenabteilung eines großen Kaufhauses. Schon ewig war ich nicht mehr hier und endlich treffe ich alte Bekannte wieder: Die Maus aus der Sendung mit der gleichnamigen, Pippi Langstrumpf und natürlich unentwegt plastiklächelnd: Barbie und Ken. Barbies Hüften sind ganz schön in die Breite gegangen. Meine auch. Und da fällt mir ein, dass ein wesentlicher Wunsch meines Kindseins darin bestand, niemals erwachsen zu werden. Hat allerdings nicht ganz geklappt. Erwachsen sein oder nicht sein, ist immer noch die Frage und stellt sich seit dem Scheideweg der Zehn. Eindeutig geklärt ist die Frage bis heute nicht. Ob ich jemals ganz erwachsen geworden bin, weiß ich nicht. Da ist aber etwas viel besseres: Ich habe die Lizenz, mich zu “Recherchezwecken” in die Spielwarenabteilung zu schleichen, darf überall hin, wo andere nicht hindürfen, tauche in eine Welt ein, in der der Pleitegeier der hiesigen Wirtschaftskrise nicht einmal als Plüschtier existiert, gucke mir die tolle Eisenbahn an, bis der kleine Nils neben mir am Rockzipfel seiner Mama zieht und fragt: “Mama, was macht die komische Frau da?” Ätsch – ich bin Journalistin!

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Gratuliere zur Jobwahl! Gruß aus einem fernen, tristen Bürozimmer…