Die Schokoladenmanufaktur Kunder in Wiesbaden ist besonders für eine Süßigkeit berühmt. Wir haben probiert.
“Stammhaus der Wiesbadener Ananastörtchen” ist auf einem Schild an der Chocolateria Kunder in der Wilhelmstraße zu lesen, an dem ich jeden Tag auf dem Weg zu unseren Redaktionsräumen vorbeilaufe. Seitdem gehen mir diese Ananastörtchen nicht mehr aus dem Kopf. Ich muss sie endlich probieren und betrete den Laden. Seit 1898, als die Chocolateria im Familienbetrieb gegründet wurde und Wiesbaden noch Kurhauptstadt war, sind die Kunders berühmt für ihre Ananastörtchen. “Die Kurgäste brauchten schließlich was Süßes zum Mitnehmen und waren begeistert von der exotischen Frucht”, erzählt Geschäftsführerin Charlotte Brand. Die Confiserie hat viele Stammkunden, die ein bis drei Mal pro Woche ihre Ration abholen, meistens prall gefüllte Pralinentüten. Schokolade hilft schließlich beim Entspannen.
Ich habe auch langsam einen Kurzurlaub nötig. Also nehme ich am Fenster der Schokoladenmanufaktur Platz und betrachte die mondänen Prachtbauten Wiesbadens, die heute bestimmt nicht weniger eindrucksvoll sind als vor 100 Jahren. Die Kurgäste staunten da wohl auch nicht schlecht. Das Zellophanpapier knistert, als ich mein kleines rundes Törtchen erwartungsvoll auspacke… und wirklich, zu köstlich, diese Komposition aus feinem Marzipan, dunkler Schokolade, halbknackiger Waffel und frischer Ananas! Hat etwas von der Dekadenz des Fin de siècle. Fährt da nicht gerade eine Pferdekutsche vorbei? Und wo ist eigentlich mein Sommerpelz? Ich trinke noch einen Schluck Kaffee aus der weißen Porzellantasse und fühle mich ein bisschen wie eine feine Dame der Jahrhundertwende.
Folgen Sie uns an andere Orte…



RSS Feed
Facebook