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Im Malersaal


Dmitrij Krymow und seinem Team fehlte Präsenz. Ein Spielkommentar zu “Tod einer Giraffe”.

Erwartungsvoll hat sich in Wiesbaden das Publikum versammelt, um Dmitrij Krymow und seine Moskauer Mannschaft zu sehen. Im Vorfeld der Partie gab es bereits einen handfesten Skandal: Wegen Visa-Schwierigkeiten sagten Krymow und seine Mannschaft vom “Tod einer Giraffe” das angesetzte Auswärtsspiel ab, die Russen mussten unfreiwillig daheim bleiben. Die Fans, die einer spannenden Live-Partie entgegenfieberten, waren zu Recht enttäuscht: Public viewing, eine Notlösung. So herrschte im Wiesbadener Malersaal eine eher lahme Stimmung, auch wenn die Veranstalter sich ins Zeug legten, authentisches Feeling zum Match zu liefern. Russland-Flaggen und Vuvuzelas waren nirgendwo zu entdecken, auch Dosenbier ließen die Sportbegeisterten daheim. Dafür gab es russische Süßigkeiten und Wodka, beides sehr begehrt.

Krymow hätte sich mehr anstrengen müssen, um die Fans zu überzeugen. Stattdessen sah der Zuschauer eine Mittelklasse-Vorstellung. Über lange Zeit war das Spiel von jeweils nur einem Spieler dominiert, überhaupt fehlte es an einem verlässlichen Spielmacher. Krymows Taktik setzte auf unverbundene Soli seiner fünf Stars, aber mehr als schöne Monologe auf dem Rasen kamen nich heraus. Daraus wäre mehr zu machen gewesen. Das absurd-groteske Traumszenario und die von Krymow in dem nach ihm benannten “Laboratorium Dmitrij Krymow” ausgetüftelte Torstrategie, liefern allemal die Vorlage für ein spannendes Spiel. Die Trauerreden am Grab des Giraffenmanns konnten nicht in torgefährliche Szenen verwandelt werden. Statt mit Steilpässen Druck zu machen, tändelten die Spieler in der eigenen Hälfte.

Um die 30. Minute war die Enttäuschung so groß, dass viele Fans das Stadion verließen. Einzig kurz vor der ersten Halbzeit bot sich die Chance nicht nur für einen Ausgleich, sondern für ein Weltklasse-Spiel. Der “Sohn des Giraffenmenschen” wurde plötzlich von der “ersten Frau des Verstorbenen” – ungewöhnliche Fußballernamen sind in Russland gang und gäbe – hart angegangen. Ein kurzer Wortwechsel, es ging irgendwie um seine “Narben”, doch sofort war der Sohn wieder am Ball. Das hätte der erste packende Moment werden können, doch der Konter verlief im Sande. Die große Hoffnungsträgerin des Spiels sah alt aus. Trainer Krymow hat sich die Umsetzung seiner Taktik sicher anders vorgestellt. Immerhin der Sohn war technisch auf der Höhe, legte ein spannendes Solo hin, dribbelte quer durch Afrika, näherte sich dem Strafraum … Das wars dann aber, wieder eine Chance vertan. Und dann noch dieses heftige Foul, der Einsatz einer orientalischen Frau auf dem Spielfeld, ein geschmackloses Klischee und einer Weltklasse-Mannschaft unwürdig.

Das ganze Spiel blieb nicht nur ergebnislos, es wurde auch offen auf Zeit gespielt, ohne dass irgendjemand eingriff. Der Schiri war komischerweise abwesend. Einzig ein bisschen Effekthascherei mit Leinwandprojektionen und Computeranimationen in den Werbepausen würzten ein eher uninspiriertes Spiel, das nur aus langatmigen Einzelaktionen bestand. Es fehlte einfach der Gegner.

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