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Fragebogen für Manfred


Wie viele Stunden schlafen Sie momentan?

Fünf bis fünfeinhalb.

Der Intendant auf der Couch. Foto: J. C. Heller

Wenn Sie in eine der Figuren dieser Biennale schlüpfen könnten, welche wäre es?

Schwierig, weil meistens Frauen im Mittelpunkt stehen. Aber ich würde sagen, einer der beiden Bodyguards des afrikanischen Diktators aus “Bab et Sane”, der kleinere. Der Autor hat ihm eine Sprache in den Mund gelegt, die mich an Karl Valentin erinnert.

Welcher Droge sind Sie verfallen?

Dem Theater.

Denken Sie, dass Sie etwas verpasst haben, weil Sie nicht Jurist geworden sind?

Nein. Ich hätte ja damals auch ins bayerische Kultusministerium gehen können, habe mich aber für die schlecht bezahlte Assistentenstelle an den Münchner Kammerspielen entschieden.

Wo würden Sie am liebsten wohnen?

In Istanbul, wo mein Bruder lange Zeit Arzt war. Das ist für mich derzeit die aufregendste Stadt Europas mit einer unglaublich kreativen Kunstszene und ganz vielen normalen Leuten, die nicht das Gefühl haben, sie seien der Nabel der Welt, wie die Pariser oder die Berliner. Die Stadt wurde von der griechischen, römischen, seldschukischen Geschichte und von den Osmanen geprägt, später dann von den Genuesen. Und von all dem sind noch Zeugnisse da und stehen unverbunden nebeneinander.

Wo haben Sie am liebsten gewohnt?

In München, wo ich studiert und mit Peter Stein zusammen die Studentenbühne gegründet habe. Und die Referendariatszeit in Paris, als die Stadt noch nicht so snobby wie heute war.

Wem wären Sie lieber nicht begegnet?

Das stürzt mich jetzt in Schwierigkeiten. Es gibt einige Leute, denen ich begegnet bin und lieber nicht begegnet wäre, die nenn’ ich aber lieber nicht.

Ihr liebster literarischer Charakter männlichen Geschlechts?

Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil.

Ihr liebster literarischer Charakter weiblichen Geschlechts?

Weil es so toll geschrieben ist: die Edith aus Patricia Highsmith Roman “Ediths Tagebuch”. Ein unglaublich bewegendes Buch.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

In der Literatur, das ist der Lessing. Im politischen Bereich: Gustav Heinemann als Bundespräsident, der damals, da möge man jetzt keine biografischen Rückschlüsse auf mich ziehen, die Strafbarkeit von Homosexualität abgeschafft hat.

Ihre Lieblingsheldin in der Wirklichkeit?

Rosa Luxemburg.

Ihr Lieblingstier?

Ich bin ja Vegetarier, insofern ist mir die Rücksichtnahme auf Tiere als Lebewesen eine Selbstverständlichkeit. Ich habe nie ein Haustier gehabt und bin der Überzeugung, dass man damit Tieren keine Freude macht. Aber trotzdem: Obwohl ich nicht reite, das Pferd, aus ästhetischen Gründen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Dass er eine für mich nachvollziehbare Haltung dem Leben und anderen Menschen gegenüber hat und sie auch dann vertritt, wenn er diese Haltung nicht aus persönlicher Eitelkeit und auch dann vertritt, wenn das Schwierigkeiten bringt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Wenn ich sie als Mitglied der Gesellschaft betrachte, sind sie identisch mit denen des Mannes. Wenn nach der Partnerin gefragt wird, dann wünsche ich mir, dass sie dem, was ich in meinem Beruf mache, nicht völlig fremd gegenüber steht.

Was wäre für Sie das größte Unglück?

Wenn meinen fünf Kindern oder nahen Angehörigen etwas passieren würde.

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