Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale
Mit zehn Jahren wollte ich unbedingt cool sein. Die Bedingungen dafür waren nicht optimal: verwöhntes Einzelkind, noch von Mama angezogen, Pferdenärrin und kurz vor dem Eintritt in ein Privatgymnasium mit Klosterschwestern. Aber genau dort lag meine große Chance: Am ersten Schultag wollte ich es allen zeigen. Zum großen Leid meiner Mutter war ich neben allen anderen schick angezogenen und frisierten Schulanfängern das einzige Kind in Jeans, rosa T-Shirt und bunter Moosgummikette. Bewundernde und neidvolle Blicke flogen mir zu, während meine Mutter im Stillen dafür betete, dass mein erster Eindruck bei den anderen Eltern kein bleibender sein würde. Der Plan ging voll auf: Die ersten drei Tage war ich von allen umringt und wurde sogar als Klassensprecherin vorgeschlagen. Das Problem dabei: Länger als drei Tage hielt meine neue Coolness nicht an. Leider waren die Jeans und das rosa Shirt nämlich die einzigen coolen Klamotten, die ich im Repertoire hatte, und ich musste wieder auf Pferdepullover & Co. zurückgreifen.

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