Da man Naherholung in Mainz großschreibt, wird der Stadtpark gerade ausgebaut. Jenseits von Staub und Bau-Ödland kann man sich aber schon mal im Grünen verlieren. Ein Spaziergang. (Weitere Ortstipps hier.)
Nach dem größtmöglichen Umweg komme ich mit dem Bus an der Haltestelle “Volkspark” in der Mainzer Oberstadt an und irre etwas orientierungslos umher. Eine Hinweistafel sagt “links abbiegen”, und ich tauche ein ins Grün riesenhafter Bäume, ins Glitzern der Sonnenlichtspiele im Parkbrunnen. Plötzlich vernehme ich aus einem unscheinbaren kleinen Gebäude quäkende Rufe und leises Zwitschern. Es handelt sich um das Vogelhaus des Stadtparks. Großes Flattern, als ich hereinkomme. Die Attraktion, die beiden bunt leuchtenden Aras, verstecken sich allerdings schnell unter einem hohlen Baumstumpf. Also sehe ich mir die anderen Vögel an, die durch ihre Voliere staken und piepsen und sich bestimmt furchtbar langweilen, so eingesperrt. Kaum drehe ich den Papageien aber den Rücken zu, wagt sich zumindest einer aus dem Baum. Er beobachtet mich, sitzt steif auf einem Blumentopf und krächzt ganz leise. Ich interpretiere seine Wortmeldung als Ärger angesichts des zudringlichen Besuchers, respektiere die Privatsphäre der Familie Ara und verlasse das Vogelhaus.
Wieder draußen bemerke ich blaues Wasserglitzern und sehe den Rhein, in der Ferne verschwimmt eine Brücke über dem Fluss. Märchenhaft, das will ich mir genauer ansehen. Geht aber nicht, denn Bahngleise trennen mich vom Rheinufer. Und da rauscht auch schon ein Zug vorbei. Ich lasse mich weiter treiben, bis mir ein Duft in die Nase steigt. Im Rosengarten blüht es weiß, rosa und rot. “Gehen sie da bitte mal weg?“, verscheucht mich ein Hochzeitsfotograf genervt. Die Rosen sind für alle da, könnte ich ihm entgegnen. Aber ich bin schon so naherholt, dass ich friedlich lächle und verschwinde.


RSS Feed
Facebook
Na, jetzt kann ich ja auch mal den Bruno machen: sehr cool. Und die Buz mal wieder!