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Wie es singt und lacht


Die neuen Stücke aus Europa begnügen sich nicht mehr mit Text. Musik aller Art ist zunehmend Teil ihrer Konzeption.

Kaum eine Inszenierung kommt heute noch ohne die Klangebene aus. Das ist im deutschsprachigen Raum so, und auch, wie man an der Biennale 2010 erkennt, in ganz Europa. Besonders auffällig ist dieses Jahr die Tendenz zum Strukturieren von Stücken mit Hilfe von Liedtexten. Milena Markovićs “Puppenschiff” behilft sich mit sehr kurzen, aber launigen Songs zwischen den Szenen, vielleicht, um das allzu Fragmenthafte ihrer chaotischen Geschichte zu verwischen. Bei “Rumänien! Küss mich!” von Bogdan Georgescu rhythmisiert das Orchester die gesamte Geschichte: Im Textbuch ist genau angeführt, mit welchen Gegenständen die fünf Musiker Geräusche machen sollen, und selbst die Charaktere auf der Bühne wirken wie Musikinstrumente. Auch Cezaris Graužinis gibt in „Alles oder nichts” seinen Figuren regelmäßig Zeit, in ekstatischen Ausdruckstanz mit Musik auszubrechen. Im Textbuch steht an solcher Stelle oft einfach schlicht „LIED“, während im Theater die Eingeschlafenen erwachen und die Munteren mitwippen.

Autoren denken die Musik beim Schreiben gleich mit. Die zunehmende Aufhebung der gängigen Sparten von Sprech- und Musiktheater lässt sich an der diesjährigen Biennale beispielhaft ablesen. In den “Nutten” offenbart sich das Kokettieren mit dem Musiktheater schon im Untertitel “Eine amoralische Operette”. Ebenfalls offen spartenübergreifend präsentierte sich der Eigenbeitrag des Stadttheaters Mainz: “Marine Parade” (Text: Simon Stephens, Musik: Mark Eitzel) firmierte auf den Eintrittskarten der Einfachheit halber als “Musical von Simon Stevens”, wobei nicht geklärt ist, ob die Fehlschreibung des Namens ebenso auf Platzgründen beruht wie das Auslassen des Komponisten. Auf alle Fälle lehnt sich das Autorenfestival mit seiner Eigendefinition weit aus dem Fenster: Wäre Stephens nicht schon ein großer Name als Dramatiker, hätte diese Liebesliedrevue hier wahrscheinlich nichts verloren gehabt.

Kein Wunder, dass in einigen der hier eingeladenen Stücke der Musik von der reinen Form zum Inhalt wird. Mit “Allegretto Albania” setzt Stefan Çapaliku der Materie die Meta-Haube auf: Seine Hauptfigur ist Musikkritiker, und jeder der Schauspieler repräsentiert neben der Rolle auch noch ein Musikinstrument. Pointierter die bulgarische Autorin Jana Borissowa: In “Angenehmschrecklich” stellt sie ihren Figuren und dem Zuschauer wiederholt jene schöne und einfache Frage, die sicher eine Art Ausgangspunkt für die immer vielfältigere Verwendung von Musik im Theater ist: “Was stellen Sie sich vor, wenn Sie dieses Lied hören?”

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