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Zehn von Zehn


Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale

Die Turnschuhe kleben nass an meinen Füßen. Mit einem Kuss hat meine Mutter mich aus dem Auto geworfen, mit ihrem “Du schaffst das schon” in den Ohren bin ich direkt in die große Pfütze vor der Sporthalle getreten. Ich schlage die Augen nieder, schweige, fixiere meine Zehenspitzen, verkrampfe sie, die triefendkalten Socken machen schmatzende Geräusche. In meinem rechten Augenwinkel verschränkt die neue Lehrerin ihre Arme vor der Brust und lehnt sich an die Fensterfront, nickt mir aufmunternd zu. Meine Finger krallen sich in der Jutetragetasche fest, verhaken sich, ich raschele mit dem Inhalt wie ein nervöser Löwenbändiger, gehe mit der Tragetasche herum und werfe Süßigkeiten in die aufgerissenen Mäuler, zwischen die gefletschten Zähne. “Hallo. Ich heiße Karl – und ich habe heute Geburtstag.” Mein zehnjähriges Jubiläum fällt auf den ersten Schultag in einer neuen Stadt. Alles neu und aufreibend. Mit zehn Jahren dominiert die Schüchternheit und Angst gegenüber den vielen neuen Fremden, ich reflektiere die neue Umgebung und meine eigene Veränderung höchstens unterbewusst. Es ist mir als Zehnjährigem noch nicht klar: Das hier ist jetzt ein neuer Abschnitt, den ich wage. Eine Woche später sollte es mit der neuen Klasse dann auch noch auf Klassenfahrt gehen – das war dann allerdings etwas zuviel des Neuen. Gefahren bin ich trotzdem.

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