Archive for January, 2012


Berlin’s de-constructivists, Hamlet and the post-dramatic null space in Copenhagen

It is the basic task of contemporary playwriting to understand and challenge modern directors‘ theatre. There is, however, a growing alienation between the two, which leads to an equally great rift between traditional and progressive theatre. If directors’ theatre is deadlocked into interpretations of the classics or into a post-dramatic null space, this impedes the development of the theatre (more…)


Berliner Dekonstruktivisten, Hamlet und der postdramatische Nullraum in Kopenhagen

Zeitgenössische Dramatik hat die grundlegende Aufgabe, das moderne Regietheater zu verstehen und herauszufordern. Doch entfremden sich die beiden voneinander, was ebenso einen tiefen Graben zwischen traditionellem und progressivem Theater gräbt. Das Festgefahrensein des Regietheaters in der Interpretation von Klassikern oder im postdramatischen Nullraum verhindert die weitere Entwicklung des Theaters (more…)


Det er og bliver førstekravet til dramatikeren at skrive den moderne klassiker på linje med Schiller, Brecht eller Marlowe.

I mine øjne er dramatikkens grundlæggende udfordring til stadighed at forstå og udfordre det moderne iscenesætterteater, ligesåvel som det er det moderne iscenesætterteaters fremmedliggørelse overfor den nye dramatik der graver den afgrundsdybe grav mellem det traditionelle og det progressive teater. (more…)


when you talk about you know what …“

So heißt es in dem Lied. Und das passt zu diesem ganz bestimmten Bild, das wir Iren von uns haben, vom Dienern und Buckeln vor der Obrigkeit. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Sag nichts, zu keinem. Pass auf, wer hinter dir steht.

Angesichts der Ermittlungen von Kindesmissbrauch und der Untersuchungen darüber, wie Kirche und Staat die Anschuldigungen gegen Geistliche handhabten, ist es oft schwer zu sagen, wer was genau wusste. (more…)


…when you talk about you know what …”

So the song goes. And it fits a certain forelock tugging, fawning to authority picture we Irish have of ourselves. Mind your own business. Say nothing to no one. Mind your back.

As inquiries into child abuse and investigative reports into Church and State handling of sex abuse allegations against clerics are published, it’s difficult to ascertain just who knew what. (more…)


Das Publikum benimmt sich im allgemeinen wie Gäste in einem Restaurant, die auf ihr Essen warten. Sie wissen alles, sie kennen alles. Ihre Geschmacksnerven sind außerordentlich sensibel. Sie sind wählerisch und anspruchsvoll.

Ich habe fast mein ganzes Leben im Theater verbracht. Als ich fünf war, sah ich, wie meine Mutter auf der Bühne ermordet wurde – am Ende eines Melodramas, in dem sie die romantische Heldin spielte. Sie täuschte vor, zu sterben, sie imitierte den Tod; sie beschrieb ihn weder, noch sprach sie darüber, sie zeigte ihn. (more…)


All audiences are like guests in a restaurant, waiting to be served. They know everything, they’ve seen it all. Their taste buds are finely tuned. They are picky and demanding.

I have spent most of my life in the theatre. When I was five, I watched my mother being killed on the stage at the end of a melodrama in which she was the romantic heroine. She simulated death, she imitated it, she didn’t describe it or talk about it, she showed it. (more…)


Am 18. Januar 2012 ab 11.00 Uhr ist es soweit: Auf der ersten Pressekonferenz von NEUE STÜCKE AUS EUROPA werden bereits zehn eingeladene Stücke bekannt gegeben.

Wer wird im Juni die noch sehr einsame Gesellschaft erweitern? Foto: Katrin Schmitz

Wer selbst nicht im Staatstheater Mainz dabei sein kann, der kann zeitgleich hier beim live-Blog im Minutentakt mitlesen wer im Juni kommt, wo sie vorher losfahren und was sie im Gepäck mitbringen. Außerdem wird zu lesen sein, wo Tankred Dorst gleich nach der Pressekonferenz hinreist und warum.

10.19: Damit das Warten nicht so langatmig wird, kann man jetzt schon im Foyer auf der Großleinwand den neuen Trailer sehen: What’s your favourite European word?

10.55: Langsam füllt sich das Foyer. Die ersten Fotos werden gemacht. Der Trailer läuft immer noch und ich weiß jetzt schon, welchen Ohrwurm ich heute Abend habe (übrigens zum Thema “favourite European word”: Die Engländer haben des deutsche Wort Ohrwurm zu earworm eingeenglischt).

10.58: Die erste Kamera wird aufgebaut…

11.00: Eigentlich müsste es gleich losgehen. Die ersten Journalisten setzen sich, die meisten stehen aber noch am Kaffee-Buffet. Matthias Fontheim trifft im kleinen Haus ein. Blitzlichtgewitter. Wirklich. (more…)


(A small essay on writing and silence)

The artist disappears behind his work. That’s what they say. We keep reading this sentence: The artist disappears behind his work. So the author disappears behind his text. Off he goes.

He no longer exists; only the text is left, standing on the page: (more…)


Kleiner Versuch über das Schreiben und das Schweigen

1. Der Künstler verschwindet hinter seinem Werk. Sagt man so. Liest man immer wieder diesen Satz: Der Künstler verschwindet hinter seinem Werk. Also verschwindet der Autor hinter seinem Text.

(:-0

Weg ist er. (more…)


… whose system is increasingly endangered by economic forces

Theatre in Italy is a travelling theatre: Plays are shown in Rome or Milan for no more than a month, then they tour the cities and villages, for one or two nights each.  This fantastic system dates back to a remote past and makes it possible for provincial theatres to present grand shows with famous actors and important directors. (more…)


… dessen System zunehmend von ökonomischen Fakoren gefährdet wird

Das italienische Theater ist bekanntlich ein Wandertheater: Die Stücke stehen nicht länger als einen Monat in Rom oder Mailand auf dem Spielplan und ziehen dann durch die Städte und Dörfer, wo sie jeweils für einen oder zwei Tage gespielt werden. Dieses fantastische System stammt aus alten Zeiten und ermöglicht es auch den Bühnen in der Provinz, großes Theater mit berühmten Schauspielern und von bedeutenden Regisseuren zu zeigen. (more…)


… il quale sistema viene sempre di piu minacciato da fattori economici

Forse saprete che il teatro italiano è un teatro itinerante. Qui il sistema funziona in questo modo: gli spettacoli stanno in cartellone non più di un mese a Roma o a Milano, poi vanno in giro per le città e le cittadine, standoci un giorno o due per poi ripartire per una nuova piazza. E’ un sistema fantastico, perché arriva dal passato remoto, e permette anche ai teatri di provincia di avere grandi spettacoli con grandi attori e registi importanti. (more…)


Das neue estnische Theater und seine Sprachlosigkeit

Vor einigen Jahren kam in Estland das Autorentheater in Mode. Was wohl daran lag, dass seit der singenden Revolution beziehungsweise dem Entkommen Estlands aus dem Sowjet-Bund etliche Jährchen ins Land gegangen waren, sich in unserem Theater dagegen gar nichts verändert hatte. Regisseure machten Regie, Schauspieler machten ihr Spiel, und der Staat trug – soweit möglich – mit klingender Münze dazu bei. (more…)


Mõni aasta tagasi läks Eestis moodi autoriteater. Asi oli selles, et kuigi „laulvast revolutsioonist“ ehk Eesti pääsemisest Nõukogude Liidust oli möödas juba mitukümmend aastat, ei muutunud meie teatris suurt midagi. Lavastajad lavastasid, näitlejad mängisid ja riik maksis selle nii hästi kui suutis kinni. Ka publiku jaoks jäi kõik samaks. (more…)


There are many languages in the theatre of Luxembourg – except Luxembourgish.

This year’s repertory of the Théâtres de la Ville de Luxembourg includes, plays not only in German, French and English, but also productions in Polish and Dutch – which begs the question why there isn’t a single play in the Luxembourgish language. This is all the more puzzling since there has been a great variety and growing importance of the Luxembourgish literature in recent decades. (more…)


Es gibt viele Sprachen im luxemburgischen Theater – nur kein Luxemburgisch.

Die Théâtres de la Ville de Luxembourg haben in dieser Saison nebst Stücken in deutscher, französischer und englischer Sprache auch Produktionen auf Polnisch und Niederländisch auf ihrem Spielplan und es drängt sich die Frage auf, wieso es diesmal kein einziges Stück auf Luxemburgisch gibt. Umso rätselhafter erscheint diese Tatsache, sieht man sich die Vielfalt und wachsende Bedeutung der Luxemburger Literatur in den letzten Jahrzehnten an. (more…)


Between exclusive entertainment and scandal.

At the end of the Soviet reign, Lithuanian theatre had become a powerful force that blew up our squalid society and the system we lived in from the inside. Twenty years ago, this system collapsed, society liberated itself. From then on, the theatre had an increasingly “exclusive”, entertaining function. (more…)


Zwischen „elitärem“ Unterhaltungstheater und Skandal

Am Ende der Sowjetzeit war das litauische Theater zu einer mächtigen Kraft geworden, die unsere verkommene Gesellschaft und das System, in dem wir lebten, von Innen gesprengt hat. Vor zwanzig Jahren brach dieses System zusammen, die Gesellschaft hat sich befreit, und das Theater hatte seither eine zunehmend „elitäre“, unterhaltende Funktion inne. Die Zuschauer sind auch weiterhin ins Theater gegangen, sie haben sich an den stärksten Arbeiten unserer Regisseure und ihrer hohen Wertschätzung im Ausland erfreut. Aber das Theater hat keine wirklich ernstzunehmende Rolle mehr im Leben unseres Landes und unserer Gesellschaft gespielt. (more…)


Sovietmečio pabaigoje Lietuvos teatras buvo tapęs galinga jėga, sprogdinančia iš vidaus pūvančią mūsų visuomenę ir sistemą, kurioje gyvenome. Prieš dvidešimt metų sistema griuvo, visuomenė išsilaisvino ir teatras įgavo labiau „elitiškai“ pramoginę funkciją. Žiūrovas nenustojo į jį vaikščioti, buvo džiaugiamasi stipriausių mūsų režisierių darbais ir jų aukščiausiu įvertinimu užsienyje, bet rimto vaidmens šalies ir jos visuomenės gyvenime teatras nebevaidino. (more…)


There are few performances of modern plays in Russia. But the situation is beginning to change. We are ready to speak about ourselves.

Unfortunately, the situation with modern drama in Russia is very clear. I write “unfortunately” because till now there are only very few performances of modern plays in Russia, and we know each one of them. In Moscow, which is a center of new dramatic art, performances of modern plays comprise less than ten percent of the repertoire of Moscow theaters. (more…)


Zeitgenössische Theaterstücke finden mittlerweile Eingang in alle Theaterinstitutionen und das bedeutet, dass wir allmählich bereit sind, über uns selbst zu sprechen.

Die Situation des Modernen Dramas in Russland ist leider eindeutig. Ich schreibe „leider“, weil bis jetzt nur sehr wenige moderne Stücke in Russland aufgeführt wurden und wir jedes einzelne kennen. In Moskau, einem Zentrum der jungen Dramatik, machen Aufführungen von zeitgenössischen Theaterstücken weniger als 10 Prozent des in allen Moskauer Theatern gespielten Repertoires aus. Allerdings war die Situation vor zehn Jahren, als ich anfing zu schreiben, noch schlimmer. (more…)