Morgen wählt Griechenland. Heute liest Petros Markaris, der griechische Pate des Festivals, aus seinem neuen Krimi “Faule Kredite”. Es geht um Morde in der Athener Finanzwelt. Ab 15 Uhr im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clemetine oder hier in unserem Live-Blog.
14.59: Der rote Saal im Literaturhaus ist schon fast voll, hinten werden noch ein paar Stühle aufgestellt. Gleich soll es losgehen…
15.02: Petros Markaris, der Autor und griechische Festivalpate, ist nur heute zu Gast in Wiesbaden. Festivalleiter Manfred Beilharz begrüßt ihn.
15.09: Peter Michalzik vertritt heute Christopher Schmidt in der Moderation: Die erste Frage stellt er schon zur Theatersituation in Griechenland. Markaris spricht von einer lebendigen Theaterlandschaft, die aus jungen, arbeitslosen Schauspielern besteht. Sie spielen überall, in leeren Fabrikhallen, sie spielen für Obdachlose. Aber es gibt keine Autoren, keine Stückeschreiber. Es gibt nur die Stücke.
15.13: Markaris erzählt, dass er nie Volkswirtschaft studieren wollte, das sei der Wunsch seines Vaters gewesen. Er selbst wollte sich immer mit Literatur beschäftigen, wie er sagt. Das Diplom machte er nie: 39-Jährig kehrte er der Volkswirtschaft den Rücken. “Ich vermisse sie nicht.”
15.15: Thema: Der Grieche in Stuttgart. 1964 studierte Markaris in Deutschland. Damals reisten die jungen Leute nicht so viel wie heute, viele waren noch nie in Griechenland gewesen. Viele Freunde hatte er damals nicht.
15.24: Kostas Charitos, der Held seiner Kriminalromane, ist Kleinbürger. Warum? Früher schrieb er über 70 Drehbücher über solche Kleinbürgerfamilien…eigentlich sollte danach Schluss sein. Doch der kleine Mann verfolgte ihn in seinen Gedanken. Irgendwann war klar, dass er ein Polizist ist. Und auch Polizisten haben Familien. “Wir haben einen ähnlichen Blick auf die griechischen Verhältnisse.”
15.26: Wie kam es zu “Faule Kredite”? “Anfang 2010, als die Krise da war, wusste ich, dass sie gekommen ist um zu bleiben”, sagt Markaris.
15.29: Petros Markaris liest jetzt das erste Kapitel von “Faule Kredite”…
15.36: …und sorgt für Lacher beim Lesungs-Publikum. Kostas Charitos Tochter heiratet: die witzige Passage erinnert ein wenig an die Komödie “My Big Fat Greek Wedding”.
15.46: In “Faule Kredite” zeiht die Krise in die Familie von Kostas Charitos ein. Nach der Hochzeit wird die Tochter arbeitslos, weil sie einen Doktortitel macht. Kleinbürger Charitos ist der Meinung: Studiert man, zahlt man drauf.
15.51: Zurück zur morgigen Wahl: Markaris fliegt heute noch zurück nach Athen. Und übt Kritik an der Politik: “Wir reden so viel über Zahlen, wir sehen die Menschen nicht mehr. Das stört mich. Man kümmert sich nicht mehr um die Menschen.”
16.00: Griechenland ist ein armes Land, hatte aber immer ein hohes kulturelles Niveau. “Jetzt haben wir diese Werte verloren”, sagt Markaris. Der Autor kritisiert die rechtsextreme Partei Chrysi Avgi: „Sie sind schlimmer als Neonazis.“
16.05: Die Lesung ist noch nicht vorbei, aber so ist das bei einem Festival: Tankred Dorst und Ursula Ehler, die im Publikum saßen, verabschieden sich herzlich von Petros Markaris. Sie müssen schnell zur norwegischen Produktion…
16.07: Markaris spricht über die Lage in Griechenland, erzählt von einem krisengeschüttelten Athen. „Es ist ein Moloch. Wenn alles zusammenbricht, bricht auch die Stadt zusammen.“ Nichts funtioniere in dem Staat. “Die letzte Regierung hat alles verkehrt gemacht. Die Reformen hatten wir schon nötig, bevor wir in die Eurozone eingestiegen sind.”
16.15: Was wird übermorgen für ein Griechenland sein? “Das Land ist Verpflichtungen eingegangen, wir können nicht zurück in die Drachme. Es gibt keine Wunder mehr in Griechenland.” Damit ist Markaris ganz klar gegen die Kommunistische Partei Griechenlands.
16.18: Markaris kündigt an: Nach der Wahl morgen wird er vorerst keine Interviews geben und sich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Vom Wahlergebnis hängt auch das Thema seines neuen Romans ab. Und wie geht es morgen aus? “Die meisten wissen noch nicht, was sie morgen wählen werden. Ich auch nicht.”
16.21: „Am meisten vernachlässigt worden sind die kulturellen Werte“, sagt der Autor zum Abschluss. Sie seien in Europa überall unterschiedlich. Die Theaterbienale sei eins der wenigen Ereignisse, die die Kulturen Europas zusammenhielten.
16.25: Die Lesung ist zu Ende. Ein sehr politischer Nachmittag. Auf die Ergebnisse der morgigen Wahl kann man gespannt sein.


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