(Auszug, S. 52/53)
(Frau 4 stürzt sich auf Frau 3 und beginnt, sie zu schlagen. Nach und nach kommen auch die anderen Frauen dazu und prügeln sich Hals über Kopf. Frau 1 schlägt sogar eine der Puppen und Frau 5 fuchtelt mit einem Stock um sich – die Schauspielerin kann zwei Gehstöcke haben, auf die sie sich vorher stützt. Der Kampf ist leicht stilisiert, wie eine Schlägerei in einem Stummfilm. Wieder tritt die Puppe auf. Als die Frauen sie sehen, halten sie abrupt inne. Musik erklingt, die Puppe singt und tanzt, dazu klagen die Frauen im Rhythmus, seufzen und ächzen, ein wenig wie in einem Traum.)
die Puppe
Weit von hier, am Meeresstrand,
liegt ein menschenleeres Land.
Wer es sucht, vorüberzieht,
weil er dieses Land nicht sieht.
Dort leben wir, allein, und mucken
von allen ganz verlassene Puppen.
Man hat uns überall gesammelt,
hat unsere Körper weich gebettet,
in Kinderwagen rumkutschiert
und dann in dieses Land entführt.
Die schönen Kleider, die wir tragen,
die bunten Schleier, die wir haben,
die Schuhe auch, aus weichem Leder,
bewundernd anschauen soll uns jeder.
So wurden wir zu Tisch geleitet,
wo Essen und Trinken vorbereitet.
Alles hier ist echt und prächtig,
für uns Puppen, neu und mächtig,
golden glänzt das Puppenreich,
wer dafür zahlt, ist uns ganz gleich.
Unsere Haut ist fein und weich,
unsere Körper engelsgleich,
um uns herum schäumt Meeresflut,
es geht uns gut, es geht uns gut.
Wer müde ist, legt sich zur Ruh,
andere schauen Tieren zu,
andere Puppen kämmen sich,
und ihr Haar, das glänzt im Licht,
und ein sanftes Windlein weht,
wir sind Damen, weil es geht.
Nachts da ruhen wir uns aus,
tagsüber da tanzen wir,
unser Leben vergeht im Schein,
eine Puppe muss man sein.
Eine Puppe muss man sein,
Gefühle scheuen, Gefühle scheuen.
(Die Musik spielt weiter, sie wird nach und nach lauter, die Frauen rappeln sich langsam wieder auf, recken und strecken sich, als hätten sie geschlafen.)
Aus dem Tschechischen von Katharina Schmitt