In dem Moment in dem ich eine Inszenierung entwickele, der mein Text zugrunde liegt, bin ich weder Dramatikerin noch Regisseurin. Ich habe zwar die Struktur des Stückes schon im Kopf, wenn ich ein Stück schreibe, doch für mich ist der Theatertext erst am Tag der Premiere fertig: in den letzten hundert Metern schreibe ich einige Szenen um, streiche Textpassagen und schreibe sogar neue Szenen hinzu. Manchmal habe ich den Text auch lange nach der Premiere noch verändert. Mir gefällt die Freiheit in das Stück einzugreifen, die ich als Autor habe.
Ich denke dass alle Dramatiker aktiv an der Stückentwicklung beteiligt sein sollten, und nicht von der Bühne isoliert sein sollten. Diese Idee hatte ich vor acht Jahren, als ich als Regiestudentin im zweiten Jahr an der Universität in Bukarest mit vier Studienkollegen das Projekt „DramAcum” gegründet habe. (Wir stellten die Frage: wie kann man heute etwas Neues und Persönliches schreiben) Vor acht Jahren wurden die Theatertexte vorwiegend von Autoren geschrieben, die auch vor 1989 schrieben.
Diese Texte zeichnete aus, dass sie eine zweideutige Sprache hatten und eine von der damaligen Wirklichkeit überholte Ästhetik beibehalten. Durch den Wettberwerb für rumänische zeitgenössische Theatertexte „DramAcum” versuchten wir junge Menschen, die interessiert daran waren Theatertexte zu schreiben, zu entdecken. (Die Altersgrenze für die Teilnahme betrug deswegen 26 Jahre.) Danach versuchten wir, die Stücke dieser jungen Autoren auf die Bühne zu bringen, in dem wir das Prinzip von „DramAcum” verfolgten: das Team von Regisseur, Autor und Schauspieler zu stärken (und natürlich Bühnenbildner, Choreographen und Musiker).
Als eine Regisseurin von „DramAcum” arbeite ich mit jungen Dramatikern an der Ausarbeitung ihrer Szenen auf der Bühne. Was mich an einem Theatertext am meisten interessiert (sowohl wenn ich ihn selbst schreibe als auch wenn es ein Text eines Dramatikers ist) ist die Spannung zwischen Realität und Fiktion und die verschiedenen Sichtweisen der Realität (und Realitäten). Die Diskussion über das Theatermedium hinaus, das Verlassen der Bühne als einziger dem Theater gewidmeter Raum und das Finden alternativer Theaterräume ist für mich enorm wichtig.
Aus dem Rumänischen von Luisa Brandsdörfer