Man sagt, Bühnenwerke reisen nicht gut, sie seien zu ortsgebunden. Bei einem Dramatiker aus einem kleinen Sprachgebiet treten alle Für und Wider des lokalen Dramas besonders zu Tage. Überall in Europa stellen die Dramatiker ihre unmittelbare Umgebung mittels Interpretation, Analyse, Beschreibung dar. Unsere Zuschauer sind die Menschen, die uns umgeben, die an unserem Leben teilhaben, an unserer Kultur, unserer Gesellschaft. Das Schönste daran ist, dass je lokaler etwas wird, die Wirkung desto globaler ist. Das Interesse von draußen versucht nicht das Übereinstimmende, sondern das Abweichende herauszufinden. Gleichzeitig entdecken wir immer wieder, dass unsere Unterschiede nur die Oberfläche bilden; die menschliche Natur ist die gleiche, ob in China oder in Island.
Nicht überraschend, was zu den Hauptthemen isländischer Dramatik der letzten zwei Jahre gehört: der Einfluss der globalen Medien auf unsere Gesellschaft sowie die plötzliche Zunahme ausländischer Arbeitskräfte samt der damit verbundenen komplizierten Probleme. Die Umweltprobleme gehören auch dazu. Unsere Gesellschaft wurde weitgehend unvorbereitet in eine problematische Diskussion über die interkulturelle Thematik gestoßen, die keineswegs zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hat. Inzwischen aber ist das Drama ein Mittel der Auseinandersetzung mit dem Thema geworden.
Man mag seine Zweifel daran haben, ob das Drama als Werkzeug und das Theater als Ort der gesellschaftlichen Debatte wirksam sein kann. Die Nachfrage nach Unterhaltung überragt die ernsteren Aspekte des theatralen Dialogs, und man könnte auch behaupten, dass das Publikum gut informiert sei und Vorträge im Theater weder braucht noch wünscht.
Der lokale Bezug des Dramas liegt meistens in der Sprache. Die Themen sind global. Ein “reisendes” Theaterstück verlässt sich auf die sprachliche Übersetzung. Die Bedeutung von Festivals liegt im Zusammenführen von Theatern aus allen Teilen Europas, indem es uns zeigt, dass das Drama eines der Fundamente des künstlerischen Ausdruckswillens der Menschen ist. Wenn Dramatik reisen soll, muss sie herausgehoben und ins Scheinwerferlicht gestellt werden.
Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Englischen von Robert Stokes.