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Ein neues Nationaltheater

Wenn man über die aktuelle Theatersituation hier in Island nachdenkt, dann ist „Risikofreude“ nicht das erste Wort, das einem einfällt. Wir fordern eine Richtlinie, die die Rolle des Nationaltheaters neu definiert.

Während der vergangenen Monate wurde viel über die Rolle des Autors im Theater diskutiert. Diese Diskussion kam auf, weil wir, die Autoren, uns vernachlässigt fühlen. Unter dem künstlerischen Personal unserer Theater sind keine Autoren. Und nur selten wird ein Autor beauftragt, ein Theaterstück zu schreiben. Bei uns sieht es so aus: wir klopfen an schwere Türen und bieten unsere Stücke zur Begutachtung an. weiterlesen »

A new national theatre

Risktaking is not the first thought that comes to mind when thinking of the current situation in our theatres here in Iceland. Authors ask for a policy that defines the role of the National Theatre in a new way.

During the past few months we have been discussing the role of the writer in the theatre. The reason for this discussion is that we, the writers, feel that we have been left out. There are no writers amongst our theatres’ permanent artistic staff. And rarely is a writer commissioned to write a play for the theatre. Our scenario is as follows: knocking on heavy doors, offering our plays for inspection. weiterlesen »

Die Unterschiede bilden die Oberfläche

Man sagt, Bühnenwerke reisen nicht gut, sie seien zu ortsgebunden. Bei einem Dramatiker aus einem kleinen Sprachgebiet treten alle Für und Wider des lokalen Dramas besonders zu Tage. Überall in Europa stellen die Dramatiker ihre unmittelbare Umgebung mittels Interpretation, Analyse, Beschreibung dar. Unsere Zuschauer sind die Menschen, die uns umgeben, die an unserem Leben teilhaben, an unserer Kultur, unserer Gesellschaft. Das Schönste daran ist, dass je lokaler etwas wird, die Wirkung desto globaler ist. Das Interesse von draußen versucht nicht das Übereinstimmende, sondern das Abweichende herauszufinden. Gleichzeitig entdecken wir immer wieder, dass unsere Unterschiede nur die Oberfläche bilden; die menschliche Natur ist die gleiche, ob in China oder in Island.

Nicht überraschend, was zu den Hauptthemen isländischer Dramatik der letzten zwei Jahre gehört: der Einfluss der globalen Medien auf unsere Gesellschaft sowie die plötzliche Zunahme ausländischer Arbeitskräfte samt der damit verbundenen komplizierten Probleme. Die Umweltprobleme gehören auch dazu. Unsere Gesellschaft wurde weitgehend unvorbereitet in eine problematische Diskussion über die interkulturelle Thematik gestoßen, die keineswegs zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hat. Inzwischen aber ist das Drama ein Mittel der Auseinandersetzung mit dem Thema geworden.

Man mag seine Zweifel daran haben, ob das Drama als Werkzeug und das Theater als Ort der gesellschaftlichen Debatte wirksam sein kann. Die Nachfrage nach Unterhaltung überragt die ernsteren Aspekte des theatralen Dialogs, und man könnte auch behaupten, dass das Publikum gut informiert sei und Vorträge im Theater weder braucht noch wünscht.

Der lokale Bezug des Dramas liegt meistens in der Sprache. Die Themen sind global. Ein “reisendes” Theaterstück verlässt sich auf die sprachliche Übersetzung. Die Bedeutung von Festivals liegt im Zusammenführen von Theatern aus allen Teilen Europas, indem es uns zeigt, dass das Drama eines der Fundamente des künstlerischen Ausdruckswillens der Menschen ist. Wenn Dramatik reisen soll, muss sie herausgehoben und ins Scheinwerferlicht gestellt werden.

Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Englischen von Robert Stokes.

Our play has become our reality.

Our play has become our reality. A true fiction. Some of us thought that we should branch out and produce our own play on the world stage. Most of us didn‘t want to take part and felt the whole idea was rather stupid. What emerged was a nationalistic, hubristic yarn, performed by a group of suitclad, sweetspoken clowns, with folds of money sticking out of every pocket. They told a simplistic metaphor of the modern viking who true to his roots was on the rampage; not by raping women and ransacking villages, but by buying everything and everyone for any amount that was asked. The higher the better. The clowns peddled our culture and wasted a hard-earned trust; a trust that had slowly accumulated over centuries and was now wasted in a moment. Left behind is a nation filled with unease, even shame, towards the rest of the world.

Translated into English by Lynnette Polcyn