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In den Kosovo hüpfen

Festivalpate Jeton Neziraj erzählt Kindern und Jugendlichen von seiner Schulzeit im Kosovo

Priska Janssens, Jeton Neziraj und die Schüler der Wolfram-von-Eschenbach-Schule (Foto: Ste Murray).

Was kann man über den Kosovo sagen, wenn man noch nie dort war? Die ersten Assoziationen der Hauptschüler der Deutsch-Intensivklasse der Wolfram-von-Eschenbach-Schule in Wiesbaden sind: Ein Haus mit gelbem Dach, ein Berg, eine Kirche und ein Fluss. Die Schüler sind sicher, dass die Menschen dort sehr freundlich sind. Priska Janssens vom Jugendreferat des Staatstheaters hat die Kinder und Jugendlichen eingeladen, mit ihr eine phantastische Reise in das Balkan-Land zu machen. Dazu lässt sie mit einem blauen Tuch einen „Fluss“ durch das Festivalzelt fließen, über den man erst hüpfen muss, um in den Kosovo zu kommen. Sevvin aus der Türkei ist zwölf Jahre alt. Sie bewegt die Arme wie ein Vogel: „Ich würde lieber mit dem Flugzeug hin fliegen.“ Das kleine Mädchen im Karo-Hemd hat sich die Sprachen gemerkt, die im Kosovo gesprochen werden. Sie zählt auf: Albanisch, Türkisch, Serbisch. Die anderen beiden fallen ihr nicht mehr ein: Bosnisch und Romanes. An das Wort „Krieg“ denkt zunächst keiner der sechzehn Schüler. Sie basteln stattdessen eine bunte Collage aus Stoff und Pappe zum Thema Kosovo, in der Krieg und Gewalt nicht vorkommen. Was zuerst beliebig aussieht, wird von Festivalpate Jeton Neziraj später gelobt. Die Collage spiegele das bunte Nebeneinander von Kulturen und Sprachen des noch so jungen Landes wieder.

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Wiesbadener Bankräuber

Die britische Gruppe Blast Theory schickt in ihrer Performance „A Machine to See with“ Menschen per Handyanweisung durch die Stadt. Drei Eindrücke der jungen Kritiker

Katastrophenteam

Eigentlich weiß ich ja, dass alles nur ein Spiel ist, und möchte an der Outdoor-Performance „A Machine to See with“ mit der Distanz eines Warentesters für neue Formate teilnehmen. Eine Stimme am Telefon gibt mir Instruktionen, eine Bank auszurauben. Das kann doch nur heiße Luft sein. Aber dann passiert es: Der unsichtbare Mentor mit seinem erotischen britischen Akzent weiterlesen »

„Ich bin noch so dazwischen“

Ein Gespräch mit Jens Harzer, dem Ich-Erzähler in Peter Handkes „Immer noch Sturm“

Harzer zurück in Wiesbaden (Foto: Ste Murray).

Sie sind gebürtiger Wiesbadener. Hat ihre Theaterlaufbahn hier begonnen?

Ich habe hier in Wiesbaden sehr viele Aufführungen gesehen. Bei den Maifestspielen habe ich als Vierzehn-, Fünfzehnjähriger Aufführungen von den Kammerspielen München oder dem Deutschen Theater Berlin gesehen. Das sind bleibende Erlebnisse. Und mit sechzehn, siebzehn, war ich Statist am Theater hier. Das ist jetzt schon so lange her, eine schöne Erinnerung, aber nichts Besonderes. weiterlesen »

Mehr Bier als Konzept

Zwei Festivalteilnehmer und zwei junge Kritiker versuchen dem Theater zu entkommen

Wie entkommt man einer normalen Interviewsituation? Schafft man es, auf einem Theaterfestival nicht nur über Theater zu reden? Entwickeln sich die Gespräche anders, wenn man die sichere Umgebung des Festivals gegen eine Wiesbadener Kneipe tauscht? Und kommt man sich am Ende näher? Für unser Experiment suchen wir willkürlich zwei Leute aus: John Hunter, künstlerischer Assistent der britischen Performancegruppe Blast Theory und die rumänische Patin Gianina Cãrbunariu. weiterlesen »

Baumelnde Wissenschaftler

„Die Gehängten“, ein dramatisches Konzert über freies Denken

Zwei Männer und drei Frauen baumeln bereits zu Beginn tot von der Bühnendecke (Foto: Lena Obst).

Hinrichtungen sind brutal. Ruckartig bremst der Strick den fallenden Körper und bricht das Genick. So stellt man sich das vor. An diesem Abend dagegen hängen zwei Männer und drei Frauen bereits, baumeln tot von der Bühnendecke. Unter ihnen beginnt das Orcheste Royal de Chambre de Wallonie leise, melancholische Klänge zu spielen, bis ein Kindergesang immer wieder eine einzige lateinische Textzeile wiederholt: „Num verberanda sum quia cogito?“ – Werde ich geschlagen, wenn ich denke? weiterlesen »

Einsteigen und Mitfahren

Surreale Textergüsse: In Paul Wiersbinkis “Autofahrt ins All”, dem Mainzer Eigenbeitrag, phantasieren drei Antihelden ein buntes Roadmovie zusammen

„Reiseberichte sind immer einfacher zu schreiben als Nachrichten einer strukturierten Existenz“, heißt es in “Autofahrt ins All”. Vielleicht weil Reisen meist schön und bunt sind, und Wege, Umwege und Kreuzungen soviel Sehnsucht wecken und so unvorhersehbar sind. Motor an, wir fahren los. weiterlesen »

Live-Blog: Faule Kredite

Foto: Henriette Westphal

Morgen wählt Griechenland. Heute liest Petros Markaris, der griechische Pate des Festivals, aus seinem neuen Krimi “Faule Kredite”. Es geht um Morde in der Athener Finanzwelt. Ab 15 Uhr im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clemetine oder hier in unserem Live-Blog.

14.59: Der rote Saal im Literaturhaus ist schon fast voll, hinten werden noch ein paar Stühle aufgestellt. Gleich soll es losgehen…

15.02: Petros Markaris, der Autor und griechische Festivalpate, ist nur heute zu Gast in Wiesbaden. Festivalleiter Manfred Beilharz begrüßt ihn.

15.09: Peter Michalzik vertritt heute Christopher Schmidt in der Moderation: Die erste Frage stellt er schon zur Theatersituation in Griechenland. Markaris spricht von einer lebendigen Theaterlandschaft, die aus jungen, arbeitslosen Schauspielern besteht. Sie spielen überall, in leeren Fabrikhallen, sie spielen für Obdachlose. Aber es gibt keine Autoren, keine Stückeschreiber. Es gibt nur die Stücke. weiterlesen »

Scharlachrot Erbrochenes

In „Grimmless“ konfrontiert das italienische Regie-Duo ricci/forte die Grimmschen Märchen mit einer brutalen Gegenwart

Freude und Unbeschwertheit der tanzenden Darsteller im Schneesturm können den Zuschauer nicht täuschen... (Foto: Mrtin Kaufhold).

Für einen Märchenwald ist es zu hell. Von rechts sind starke Strahler direkt auf die fünf Performer gerichtet, von denen Anna an ihren langen blonden Haaren über ein Meer von über die Bühne rollenden Äpfeln gezogen wird. Sie ist Rapunzel oder Dornröschen oder keine von beiden. Ins Mikrofon spricht sie die Gedanken eines vernachlässigten Mädchens, das Trost bei Trickfiguren sucht, weil ihre Eltern sich nicht mehr kümmern. In „Grimmless“ geht es nicht ohne Grimm, aber auch nicht mit. Der vergiftete Apfels verliert sich in einer Aneinanderreihung beliebter Apfelsorten, vergiftetet sind einzig die eigenen Gedanken. Die Prinzessin wird zum Mobbingopfer, das erst auf der Bühne herumgeschubst und dann brutal misshandelt wird. In der heutigen Realität braucht man keine Angst mehr vor dunklen Wäldern, Hexen oder Schwiegermüttern zu haben, man fürchtet vielmehr die eigenen Zwänge, den Ballast von Facebook-Freundschaften oder den Leistungsdruck der Gesellschaft.

Der Märchenprinz von heute als ein Häufchen Elend

Das italienische Regieduo Stefano Ricci und Gianni Forte aus Rom haben in ihrem 2011 uraufgeführten Text auf stringente inhaltliche Zusammenhänge weiterlesen »

Am liebsten…

stelle ich Fragen, die mit warum anfangen. Warum die Piraten angeblich nicht zu stoppen sind, warum ich nicht an Gott glaube und warum Fußballer so oft auf den Boden spucken. Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm – vielleicht habe ich mir diese Sesamstraßen-Fragetechnik auch einfach nur zu eigen gemacht, weil man die Melodie so gut mitsummen konnte (Was auch gut ging: Warum bin ich so fröhlich, einst Titellied von Afred J. Kwak). weiterlesen »