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Dramaturg heute

Das FORUM DRAMATURGIE mit Prof. Dr. Kati Röttger aus Amsterdam erörterte die Rolle, die heute ein Dramaturg hat. Viele Antworten auf eine Frage…

Kritikertäschchen

Papier: Zum Mitschreiben im Dunkeln. Immer nötig. Auch wenn man das, was man fast blind irgendwo hingekritzelt hat, später ohnehin nicht mehr lesen kann.
Für Solidarisierung der Kritiker untereinander unablässig.
Eindeutigstes Erkennungsmerkmal.

Stift: Die Waffe des Kritikers. Immer im Zehnerpack dabei, damit eine Entwaffnung ausgeschlossen ist.

Büroklammer: Zur Gewährleistung der kritisch hochgezogenen Augenbraue. weiterlesen »

Zagreb Pentagramm

Paolo Magelli hat für seine fünfteilige Produktion “Zagreb Pentagramm” fünf Autoren aus Zagreb gebeten, für ihn zu schreiben. Wir haben fünf junge Kritiker gebeten, sich jeweils einen Teil vorzunehmen.

"Zagreb Pentagramm", Teil 1. Foto: Martin Kaufhold

1: Monologduett
Nataša und Goran heißen die zwei Seiten eines zwiegespaltenen Schriftsteller-Ichs. Diese beiden lässt Filip Šovagović in “Traumzone” am Schreiben und an den Menschen in selbstreflexiven Monologen verzweifeln: “Jeder Mensch ist der Autor seines Lebens, jeder Mensch ist Schauspieler und Regisseur seines Alters nur, manchen scheint, dass die Masken nie fallen werden”, sinnieren sie pirandellesk. Als irreale und unbegreifbare Traumexistenzen tragen sie in Paolo Magellis Inszenierung Masken, liefern sich spielerische Wortgefechte. Der Regisseur hat sie als Clowns verkleidet, die mit rot unterpunkteten Augen und einer skelettartig geschminkten Unterlippe aussehen, als seien sie direkt einem Albtraum entstiegen. Ihr Buchstabenfeuer findet mal einen gemeinsamen, stakkatoartigen Rhythmus, mal fallen sie sich gegenseitig ins Wort. Sie reflektieren über Erfolg und Misserfolg, Schreiben und Leersein, Leben und Sterben. Clowns sind nicht nur dazu da, Kinder zu erfreuen, sondern üben Kritik ohne Worte. Das hat uns Charlie Chaplins Tramp gelehrt. “Oh, wie schön war früher der Stummfilm”, schwärmt auch Nataša einmal. Am Ende bleibt Schweigen. (Judith Drokur) weiterlesen »

Dialektische Kritik

Die Ergebnisse unseres Übersetzungsworkshops: Kritiken auf Schwyzerdütsch, Saarländisch und zweimal auf Wienerisch. (Aufnahmeleitung: Judith Kärn)

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Falls Sie sich weiter dialektal fortbilden wollen, hätten wir hier ein paar Online-Sprachkurstipps für Schwyzerdütsch, Saarländisch und Wienerisch. Und eine Kritik zum Lesen auf Hessisch.

Ritterliche Kreise

Joël Pommerats “Kreise/Fiktionen”, ein Spiel mit Dunkelheit.

Nebulöse Lichtexzesse. Foto: Martin Kaufhold

“Un spectacle” übersetzt man ganz neutral “Theatervorstellung” ins Französische. Doch was Joël Pommerats “Cercles/Fictions” angeht, kann man seine Vorstellung auch im Deutschen ganz beruhigt ein Spektakel nennen. Aber worum geht es überhaupt, wenn Pommerat eine Unmenge von Szenen aneinander reiht und sie in einem fast vollständig dunklen Amphitheater spielen lässt. Da wäre die Aristokratin, die nicht versteht, dass die Krankheit ihres Babys ernst ist. Das Baby stirbt. Weiter ein Aristokrat, der auf der Gleichheit zu seinen Dienern besteht, um einem von ihnen seine Liebe gestehen zu können. Und schließlich der Mann, der im Parkhaus eine Pennerin trifft, die ihm prophezeit, er werde am nächsten Tag einen Sprung auf der Karriereleiter machen.

Sie nennt ihn “Ritter”. Dann fordert das selbsternannte Dornröschen den Beischlaf, damit ihre Vorhersage eintritt. Märchenmotive dringen in die Wirklichkeit ein, Wunschdenken wird zur Kausalität. Et voilà, die Prophezeiung erfüllt sich, während ein ansonsten erfolgreicher Topmanager bei der nächtlichen Organsuche für seinen todkranken Sohn ins Reich der Penner absteigt, um dort tragischerweise zu versagen, und ein Haustürverkäufer die Bibel des Erfolgs feil bietet. Glück ist eine Ware, man kann sie kaufen, trägt man sich nur selbst zu Markte. Doch sich verkaufen macht nicht immer glücklich. weiterlesen »

Sieben von Zehn

Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale

Ein Schockerlebnis war das. Furcht und Schrecken. Jammern und Schaudern. Zwei Stellen! Alle Finger! An meinem zehnten Geburtstag war mir klar: Ich war alt geworden. Mehr weiß ich allerdings nicht mehr, alles andere ist in Nebel unklarer Erinnerung getaucht, und nun, 22-jährige Greisin die ich bin, muss ich das Tor zu meiner Kindheit erst wieder aufstoßen. Doch als Konsumkind der 90er kenne ich jenen sagenhaften Ort, an dem ich mich am besten in die Seinswelt meiner Kindheit zurückversetzen kann: Die Spielwarenabteilung eines großen Kaufhauses. Schon ewig war ich nicht mehr hier und endlich treffe ich alte Bekannte wieder: Die Maus aus der Sendung mit der gleichnamigen, Pippi Langstrumpf und natürlich unentwegt plastiklächelnd: Barbie und Ken. Barbies Hüften sind ganz schön in die Breite gegangen. Meine auch. Und da fällt mir ein, dass ein wesentlicher Wunsch meines Kindseins darin bestand, niemals erwachsen zu werden. Hat allerdings nicht ganz geklappt. Erwachsen sein oder nicht sein, ist immer noch die Frage und stellt sich seit dem Scheideweg der Zehn. Eindeutig geklärt ist die Frage bis heute nicht. Ob ich jemals ganz erwachsen geworden bin, weiß ich nicht. Da ist aber etwas viel besseres: Ich habe die Lizenz, mich zu “Recherchezwecken” in die Spielwarenabteilung zu schleichen, darf überall hin, wo andere nicht hindürfen, tauche in eine Welt ein, in der der Pleitegeier der hiesigen Wirtschaftskrise nicht einmal als Plüschtier existiert, gucke mir die tolle Eisenbahn an, bis der kleine Nils neben mir am Rockzipfel seiner Mama zieht und fragt: “Mama, was macht die komische Frau da?” Ätsch – ich bin Journalistin!

Dämonische Helden

Fabrice Murgias “Der Kummer der Menschenfresser” untersucht heutige Albtraumszenarien: den Amokläufer von Emsdetten und die über Jahre eingesperrte Natascha Kampusch. Eine Audiokritik.

Offenen Auges. Foto: Lena Obst

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Lieber eine klassische Textkritik lesen? Hier lang.

Billige Tricks

Nicht nur das Theater ist für junge Kritiker ein Anziehungspunkt, auch das Casino hält einiges bereit. Wer die Spielbank drückt, bemerkt die billigen Tricks beider Spielstätten.

Tritt ein in den Spielraum. Foto: Judith Kärn

Faites vos jeux!, murmelt der Croupier mit Samtstimme. Gelassen verteilt er Jetons für das nächste Roulettespiel. Er hat Charme, Stil und seine naiv dreinschauenden Augen locken, all die guten Ratschläge der Eltern über Bord zu werfen, selbst zum infamen Spieler zu werden und in die dunkel-faszinierende Welt der Sucht tief einzutauchen. Faites vos jeux! ist auch die Devise des Theaters und wie sich das Casino eines gutaussehenden Sunnyboys bedient, biedern sich im Theater attraktive Schauspieler an, die den Traum von der anderen Welt des Glücks wahr machen wollen.

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Europa ist eine Frau

Oder etwa nicht? Europäische Dramatikerinnen über das Frauenbild heute.

Vier Frauen am Tisch, die Dramatikerinnen Ioana Crăciun, Gina Moxley und Ana Tomović mit hr2-Moderatorin Ruth Fühner. Foto: Martin Kaufhold

Zweiunddreißig Frauen und doch immerhin neun Männer versammeln sich im Studio des Staatstheaters Wiesbaden, um über das” F-Wort” zu sprechen, um das es, weiß Moderatorin Ruth Fühner vom hr2, schlecht bestellt ist: Engagierte Frauen gäbe es zu Genüge, aber kaum eine unter ihnen mag als “Feministin“ bezeichnet werden. “Frauenbilder im europäischen Kontext” heißt die Veranstaltung. Als Expertinnen sind vertreten: Ana Tomović , die serbische Regisseurin des Stückes “Das Puppenschiff”, das ein starkes Frauenbild liefert, eine Künstlerin, die auf der Suche nach sich selbst an weiblichen Projektionen (Mutter, Geliebte…) scheitert, und das dieses Jahr im Rahmen des Festivals NEUE STÜCKE AUS EUROPA seine Deutschlandpremiere feierte. Ioana Crăciun, die lange für Rumänien als Patin für das Festival agierte, und die irische Dramatikerin Gina Moxley.

Ioana Crăciun stellt gleich zu Beginn klar: Man sollte nicht zwischen der Welt des Theaters und der Wirklichkeit “parallelisieren”. Und auch Ana Tomović räumt ein, dass es bei der Identitätssuche der weiblichen Zentralfigur ihres Stücks in erster Linie um eine persönliche, “menschliche” Suche gehe, bei der der Gesellschaftsaspekt nicht zentral sei. weiterlesen »

Geburtstagsständchen

Auch wenn ein Festival ein Jubeljahr feiert, wird eine Torte kredenzt. Wer war da, als alles los ging? Wie war die Stimmung? Wurde aufgespielt? Ein atmosphärischer Mitschnitt zum Anschnitt.

Das Plakat als Torte. Foto: Judith Kärn

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