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Von einem, der auszog, das Morden zu lernen

In „Mörder“ gelingt es Alexander Moltschanow, wortkarge Szenen wortreich zu erzählen

Wenig größer als ein privates Schlafzimmer: Die Bühne von Femistokl Atmadsas (Foto: Martin Kaufhold).

Heute sitzt man unbequem im Studio Wiesbaden. Weil die Truppe vom Moskauer Theater der Jungen Generation festgestellt hat, dass der kleinste Spielort des Staatstheaters für ihr Gastspiel immer noch zu groß ist, bleiben die Sitzreihen leer. Stattdessen hat man auf der Bühne einen schmalen Kasten errichtet, dessen eine Hälfte mit ansteigenden Biergartenbänken für die Zuschauer gefüllt ist, während die andere Hälfte, wenig größer als ein privates Schlafzimmer, als Spielfläche dient. Geringe Beinfreiheit, fehlende Rückenlehen und erzwungener Körperkontakt mit dem Sitznachbarn trüben den Gesamteindruck. weiterlesen »

Live-Blog: Kunstfreiheit in den Ländern der EU

Am vorletzten Tag des Festivals gehts um Grundsätzliches: Wie frei ist die Kunst in den Ländern der europäischen Union? Mária Mayer-Szilágy und Henk Scholten, Theatermacher aus Ungarn und den Niederlanden, diskutieren mit Thomas Engel (Internationales Theater Institut) und Dr. Ruth Fühner (Hessischer Rundfunk). Bleiben sie auf dem Laufenden mit unserm Live-Blog aus dem Festivalzelt!

16.58: Nach und nach schlendern die Besucher durch den Park und sammeln sich in der freundlichen Atmosphäre des Festivalzeltes.

17.03: Noch ist die Bühne leer. Die Moderatorin Dr. Ruth Fühner wurde aber schon gesichtet.

17.09: Die Diskutanten haben die Plätze eingenommen. Ruth Fühner begrüßt die Anwesenden. weiterlesen »

Wiesbadener Bankräuber

Die britische Gruppe Blast Theory schickt in ihrer Performance „A Machine to See with“ Menschen per Handyanweisung durch die Stadt. Drei Eindrücke der jungen Kritiker

Katastrophenteam

Eigentlich weiß ich ja, dass alles nur ein Spiel ist, und möchte an der Outdoor-Performance „A Machine to See with“ mit der Distanz eines Warentesters für neue Formate teilnehmen. Eine Stimme am Telefon gibt mir Instruktionen, eine Bank auszurauben. Das kann doch nur heiße Luft sein. Aber dann passiert es: Der unsichtbare Mentor mit seinem erotischen britischen Akzent weiterlesen »

Auf der Jagd nach einem Schuss Adrenalin

Zwei Sprachliebhaber erzählen, warum Autorenschaft und Journalismus so verschieden gar nicht sind

Valerie Kattenfeld und Karl W. Flender (Foto: Ste Murray).

Sie könnten auch auf der anderen Seite sitzen Karl W. Flender und Valerie Kattenfeld waren 2010 Mitglieder des Forums Junger Theaterkritiker. In diesem Jahr nun führen sie keine Interviews, sie werden selbst interviewt. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort haben wir sie ins schummrige Foyer des Großen Hauses in Wiesbaden geführt, um mit ihnen über das Schreiben zu sprechen. Beide nehmen jetzt am Forum Junger Autoren teil: Dramatiker und Kritiker in einer Person, und das in einem Theatersystem, das zwischen künstlerischem Schaffen und Analyse fein säuberlich unterscheidet. weiterlesen »

Propellerflug ins Absurde

Bunt, wild, pompös: Das Moskauer Theater der Nationen feiert mit „Circo Ambulante“ ein zusammenhangsloses Fest der Sinne

Terroristische Teddybären? (Foto: Martin Kaufhold).

„Was ist denn das?“, fragt der schmierige kahlköpfige Oberkonduktor seinen Kommissar, als dieser ihm die abgeschnittenen Hoden eines toten Leutnants überreicht. Diese Frage stellt sich immer wieder bei „Circo Ambulante“, geschrieben und inszeniert von Andrej Mogutschij. Gleich zu Beginn rätselt man über ein Bild auf dem pergamentbraunen Vorhang: Da sieht man ein Zirkuszelt, dessen steiles Dach zugleich ein Vulkan ist, durch die kleinen verschachtelten Häuschen auf dem Berghang aber auch an Darstellungen des Turmes zu Babel erinnert. Während Zirkus und Vulkan auf die anschließend erzählte Geschichte vorausweisen, weiterlesen »

Kein Pferd mit Scheuklappen

Manfred Beilharz leitet die Theater-Biennale seit zwanzig Jahren. Ein Gespräch aus gegebenem Anlass

Herr Beilharz, die Theater-Biennale ist zwanzig Jahre alt. Was wollten Sie zu Beginn bewirken?
Anfang der Neunziger Jahre geisterte der Satz des Vaters der Europäischen Union, Jean Monnet, herum: Wir müssen beim Aufbau Europas mit der Kultur anfangen und nicht mit der Ökonomie. Das soll sagen, dass die Kultur und die Kunst der europäische Kitt ist. Aber kaum hatten wir die Theater-Biennale 1992 in Bonn gegründet, ging es in Jugoslawien los mit dem Krieg. Es war ein Krieg, bei dem gesagt wurde, ich kann mit den anderen nicht mehr zusammenleben, weil sie eine andere Kultur haben. Da erhielt unser Festival plötzlich eine andere Bedeutung. Es wurde wichtig, dass es zeigt: Es ist eben nicht alles ein europäischer Mischmasch.

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Burn-Out ist lustig

Improvisiertes Sketch-Work: Das slowakische Theater SkRAT zeigt in „Stecher und Lutscher“ kleine feine Szenen in unausgereifter Ästhetik

Wer sich von dem sexthematischen Titel hat abschrecken lassen, weiß nicht, was er versäumt hat. Wer sich gerade davon angesprochen fühlte und auf Provokation hoffte, weiß jetzt: „Stecher und Lutscher“ gehört zu den bravsten Produktionen beim diesjährigen Festival. Das müsste nicht sein, denn obwohl der reißerische Titel sich als Metapher für Machtpositionen in der Arbeitswelt entpuppt, liegt damit immer noch ein brisantes Thema vor, weiterlesen »

Diebe mit Talent

Urheberrecht: ricci/forte und Béla Pintér über die Situation in Italien und Ungarn

In Deutschland wird derzeit viel über das Urheberrecht diskutiert. Welche Rolle spielt das Urheberrecht für Theaterschaffende in Ihrem Land?
ricci/forte
: Zurzeit haben wir andere Probleme in Italien, besonders wirtschaftliche. Wenn unsere Texte von anderen verwendet werden, zahlen sie dafür. Wenn wir Musik, Text oder Film von anderen verwenden, zahlen wir.
Pintér: Unser Urheberrecht funktioniert sehr gut bei Texten. Und ich glaube, weiterlesen »

Missglückte Familienplanung

Groteskes Lehrstück: Bela Pintér erzählt in „Miststück“ von Ressentiments und politischen Bewegungen in Ungarn und schlägt dabei komödiantisch über die Stränge.

Fremdkörper wirken zerstörerisch, wenn sie auf brüchige Stellen scheinbar stabiler Gemeinschaften treffen. In Béla Pintérs „Miststück“ sind es zwei adoptierte Waisenmädchen, die das Gefüge einer ungarischen Dorfgemeinschaft sprengen. Zunächst zeigen sich die Dorfbewohner davon schockiert, dass es sich bei einem der Mädchen um eine Zigeunerin handelt. Aber als Töchter des Dorfmagnaten, der mit seiner Biobäckerei den wichtigsten wirtschaftlichen Beitrag zur Gemeinschaft leistet und mit seiner Frau auch eine kulturelle Mikroelite bilden, genießen die beiden einen gewissen Schutz: Man muss sich an sie gewöhnen, also gewöhnt man sich an sie. weiterlesen »

Am liebsten bin ich…

kurz vor dem großen Augenblick. Die entspannte Gewissheit, nichts mehr abwenden, nichts mehr verbessern, nichts mehr beeinflussen zu können, zugleich die Freiheit, nur an das unmittelbar Bevorstehende zu denken, alle Zukunftspläne zu vergessen – und die Freude daran, den großen Augenblick noch jungfräulich, unangebrochen zu wissen. weiterlesen »