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“Constant strange situations”

He used his office in the ministry of culture as a writing studio: Albanian author Stefan Çapaliku speaks about his work as a playwright.

One who can explain "exterophily": Albanian playwright Stefan Çapaliku. Foto: Pesl

It was a matter of survival. You can’t make a living from being an author in Albania. Everyone in our artistic community is aware of the necessity of taking on a job in public service to make ends meet. To be honest, I mostly used my office for writing. The government did not inhibit my work. Otherwise I would have quit immediately.

Are actors able to make a living from their work?

Not freelance actors. They often go abroad and end up working in ordinary professions. They can never seem to get by as actors because there is so much competition, despite the fact that we have a good drama school. The national theatre and a few city theatres are the only ones with permanent ensembles, but I feel like they are detrimental to Albanian theatre as a whole. It doesn’t make sense for people to be paid to be on call. Young performers have no access to this self-contained system. I would rather see the market opened, the system reformed. If theatres and ensembles were separated, it would create a whole new reality. I frequently advocate this in articles and interviews.

What advantages do Albanian artists have?

Albania has been in a state of transition since the 1990s. So much is happening all at once. For an artist, such as an author, this can be very interesting. Anything is possible. Those who observe reality discover enough material for a great many dramas. Since 1992, I have spent a lot of time in western countries and have noticed that societal life is not as intense as it is in Albania. In our country, we constantly encounter strange situations, exactly the kinds of things that feed authors’ imaginations. weiterlesen »

Das Theater in 50 Jahren

Tot wird es nicht sein, das Theater. Aber möglicherweise gehe ich nicht mehr direkt hin. Als Zuschauer bin ich entweder vor Ort oder kann aus der Ferne über Live-Blog, Webcam und Gedankenübertragung, bei Schauspielstil, Regiekonzept und Stücktext zwischen je fünf Varianten zu wählen. Klassikerinszenierungen werden wieder konservativer, weil authentisch historische Kostüme nicht mehr so teuer sind. Dafür werden Kostümbildner eine Ausbildung in digitaler Medienkunst brauchen. Die neuen Stücke werden von konkreteren Dingen handeln. Da das Allgemeine alles schon erzählt ist, wird das Individuelle mehr in der Vordergrund rücken. Per illegaler Datensammlung lässt sich ja schnell ermitteln, wo das interessierte Publikum für das Leid der Pelikanhüter im Duisburger Zoo sitzt. Die Theaterkritik wird ein Konvolut aus allen geäußerten Meinungen, Gedanken und den Produktionsbedingungen sein. Es wird alles total toll sein.

Böser Wolf, schöne Marie

Tilman Gersch inszeniert die Uraufführung von Bettina Erasmys “Das wollt ihr nicht wirklich” am Staatstheater Wiesbaden.

Das Tier am Menschen. Foto: Martin Kaufhold

Schon Shakespeare schickte seine Protagonisten gerne in den Wald, um sie mit ihren seelischen Seltsamkeiten zu konfrontieren. Was im Wald passiert, bleibt im Wald, so scheint die Vereinbarung zu lauten. Bettina Erasmy präsentiert nun ihren ganz eigenen, zeitgenössischen Sommernachtstraum: In “Das wollt ihr nicht wirklich” schmeißt sie Menschen aufeinander, die in die Natur gehen, um ihre Sinnlichkeit wiederzuentdecken. Viktor will seine Ehe mit Marie wieder auf Trab bringen, Edgar steigt aus dem Beamtentrott aus, Karim versteckt sich vor der Abschiebung und Lara sucht nach einem Mann, der ihr darin zustimmt, dass Oscar Wilde recht hatte und “jeder tötet, was er liebt”.

Für die ironische Verrätselung der Geschichte sorgen neben dem Stücktitel zwei Vertreter der Fauna. Habicht und Wolf sind beide viel eleganter und intellektueller als ihre menschlichen Beobachtungsobjekte. Gleichzeitig strahlt gerade der Wolf eine animalische Erotik aus, die Marie bei ihrem Mann, dessen Namen sie nach drei Jahren schon vergessen hat, vermisst. weiterlesen »

“Wie ein Tanz, den man tanzen muss”

Sie hat gerade ein Füßchen in der Tür, er ist seit zehn Jahren im Geschäft. Er leitete bei der Biennale einen Autorenworkshop, sie zeigte ihre zweite Uraufführung. Martin Heckmanns (38) und Lisa Danulat (27) über unterschiedliche Schreibperspektiven.

Sind Sie einander schon mal dramatisch begegnet?

Ich bin auch da! Lisa Danulat und ein bisschen Heckmanns. Foto: Lisa Danulat

Danulat: Ich habe in Düsseldorf ein Stück von Dir gesehen. „Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin.“

Heckmanns: Ich habe nichts von Dir gelesen und gesehen.

Glauben Sie, dass Sie als Autorin heute schwerer in den Betrieb rein kommen als Martin Heckmanns vor zehn Jahren?

D: Im Moment habe ich ja ein Füßchen in der Tür, und ob der restliche Körper noch nachschiebt, verhandele ich gerade mit mir. Wenn ich das mit mir geklärt habe, kann ich mir auch ein Bild darüber machen, inwieweit die Tür geöffnet werden sollte. Dann muss ich den Schritt gehen, klopfen. Momentan bin ich beim Fußabtreter und schaue mir das erstmal vorsichtig an.

H: Das sind Sportreporter-Fragen. Aber nein, eigentlich nicht, die Gier nach Uraufführungen ist ja ungebrochen. Ich bin auch anders rein gekommen, habe in meiner Heimatstadt eine Uraufführung gemacht mit einem Schauspieler zusammen, das war also nicht über die üblichen Förderprogramme, sondern selbst organisiert und hat sich dann weiter ergeben. Ich finde es auch interessant, dass man hier so viel über Betrieb nachdenkt und im Verhältnis wenig über Inhalte, Geschichten, Anliegen. Der Markt hat ja etwas Objektivierendes. Da weiß man: Wer ist drin, wer ist nicht drin, wer ist unten, wer ist oben. Ich verstehe, dass es einen sportlichen Ehrgeiz erzeugt, darüber zu reden. Aber mit Theater hat das erstmal nichts zu tun. weiterlesen »

The Voice in My Ear

Simultaneous translations have been an inherent part of the Theatre-Biennale from the beginning.

Speaking behind glass: the work of the simultaneous translator. Photo: Lena Rittmeyer

They take some getting used to, those little receivers and headphones that are ultimately clipped to the audience members’ ears. But they belong to the festival’s charm just as much as the festival tent and the Babylonian jumble of languages. Those who have never seen a foreign-language guest production before are initially irritated by the German translation being muttered to them at the same time that the actors are speaking on stage, yet soon they begin to feel grateful. Experiencing an authentic performance is good, understanding it is even better.

“And it is intended to convey the literary quality,” adds Maya Schöffel, the dramaturg from NEW PLAYS FROM EUROPE responsible for the translators. “This is an authors’ festival, and so we try to do the texts as much justice as possible.” Ever since it was founded in 1992 the Theatre-Biennale has opted not to work with supertitles or interpreters, but rather with literary translators. weiterlesen »

Wie es singt und lacht

Die neuen Stücke aus Europa begnügen sich nicht mehr mit Text. Musik aller Art ist zunehmend Teil ihrer Konzeption.

Kaum eine Inszenierung kommt heute noch ohne die Klangebene aus. Das ist im deutschsprachigen Raum so, und auch, wie man an der Biennale 2010 erkennt, in ganz Europa. Besonders auffällig ist dieses Jahr die Tendenz zum Strukturieren von Stücken mit Hilfe von Liedtexten. weiterlesen »

“Die Langeweile gehört zum Theater”

Lukas Bärfuss, Schweizer Dramatiker, hat 2008 seinen ersten Roman veröffentlicht: “Hundert Tage”, die Geschichte eines Schweizer Entwicklungshelfers in Ruanda. Nach seiner Lesung im Rahmen der Biennale haben wir uns mit ihm getroffen.

Schweizer Romane, auch etwa von Markus Werner oder Urs Widmer, eint eine sprachliche Geschliffenheit im Erzählen. Gibt es so etwas wie eine Schweizer Schreibsprache?

Möglicherweise liegt das daran, dass wir in einer Disglossie leben. Ich spreche Schweizerdeutsch, schreibe aber Hochdeutsch. Ich muss also von vornherein ganz anders reflektieren, was ich niederschreiben will. Die Distanz ist von vornherein da.

Er will nicht immer wissen, wie es endet: Lukas Bärfuss, Dramatiker und Romancier. Foto: Beatrice Künzi

Das Wort “Ruanda” fällt in “Hundert Tage” nur ein einziges Mal gegen Ende. Wieso?

Ich wollte gewisse Schlüsselworte nicht benutzen, um die gedanklichen Reflexe, die diese Begriffe auslösen, beim Leser nicht zu bedienen. Aus diesem Grund habe ich auch die Begriffe “Hutu” und “Tutsi” kaum verwendet, weil ich ein eigenes Bild transportieren wollte, fern der Vorstellung, die man sich von diesem Völkermord macht.

Darf diese Sparsamkeit mit Ortsnamen auch als Ausdruck der Allgemeingültigkeit interpretiert werden?

Ja, das ist natürlich so. Man muss auch wissen, dass seit 2002 im Osten Kongos über 2 Millionen Menschen umgebracht wurden. In Darfur herrscht ein ähnliches Morden, die Mechanismen sind überall dieselben. Es ging mir also auch darum, das Modellhafte herauszuarbeiten. Das gelingt aber nur, indem man seinen Gegenstand möglichst genau betrachtet und das Spezifische herausarbeitet, um zum Allgemeingültigen zu kommen. Eine Parabel wollte ich nicht schreiben. weiterlesen »

Dialektische Kritik

Die Ergebnisse unseres Übersetzungsworkshops: Kritiken auf Schwyzerdütsch, Saarländisch und zweimal auf Wienerisch. (Aufnahmeleitung: Judith Kärn)

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Falls Sie sich weiter dialektal fortbilden wollen, hätten wir hier ein paar Online-Sprachkurstipps für Schwyzerdütsch, Saarländisch und Wienerisch. Und eine Kritik zum Lesen auf Hessisch.

„Ständig seltsame Situationen“

Er benutzte sein Büro im Kulturministerium als Schreib-Studio: Der albanische Autor Stefan Çapaliku spricht über seine Arbeit als Dramatiker.

Kann das Wort Exterophilie erklären: Stefan Çapaliku, albanischer Dramatiker. Foto: Pesl

Herr Çapaliku, Sie haben für das albanische Kulturministerium gearbeitet. Wie vertrug sich das mit Ihrer Arbeit als Autor?

Das ist eine Überlebensfrage. Vom Schreiben kann man in Albanien nicht leben. Der Künstlergemeinde ist völlig klar, dass man für das tägliche Brot bei einer staatlichen oder öffentlichen Einrichtung anheuern muss. Ehrlich gesagt habe ich mein Büro dort hauptsächlich als Studio genutzt. Ich wurde von der Regierung nicht an meiner Arbeit gehindert. Sonst hätte ich dort sofort aufgehört.

Können Schauspieler von ihrer Arbeit leben?

Freie Schauspieler nicht. Sie gehen oft ins Ausland, um in gewöhnlichen Berufen zu arbeiten. Aber als Schauspieler kommen sie dort wegen der starken Konkurrenz nicht durch. Obwohl wir eine gute Schauspielschule haben. Nur am Nationaltheater und einigen Stadttheatern gibt es feste Ensembles, aber ich finde, die schaden dem albanischen Theater. Es ist nicht sinnvoll, Leute auf Abruf zu bezahlen. Junge Schauspieler kommen in dieses geschlossene System nicht hinein. Ich sähe gerne den Markt geöffnet, das System reformiert. Wären die Theaterhäuser und die Ensembles getrennt, würde das eine völlig neue Wirklichkeit schaffen. Da engagiere ich mich auch persönlich in Artikeln und Interviews. weiterlesen »

Jenseits von Afrika

Sympathisches Boulevardstück mit Exotiktouch: “Bab und Sane” aus der französischen Schweiz gastiert nach über 120 Vorstellungen im TiC.

Der Herrscher und sein Untertan: Habib Dembélé und Hassane Kassi Kouyaté. Foto: Lena Obst

Weil seine Freunde, die Schauspieler und Komiker Habib Dembélé aus Mali und Hassane Kassi Kouyaté aus Burkina Faso, gerne mal zusammen was machen wollten, schrieb ihnen René Zahnd, Ko-Direktor des Théâtre Vidy-Lausanne, ein Dialogstück. Grundlage: ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1997 über zwei Wächter in der Schweizer Villa von Zaïres Diktator Mobutu. Sie wurden nach dessen Sturz auf dem gut behüteten Anwesen bei Lausanne in einem rechtelosen Raum zurückgelassen.

Neben den Namen Bab und Sane gab der Autor ihnen und eine klare Rollenverteilung à la “Pinkie and the Brain”: Sane (Kouyaté) ist der besonnene Vernunftmensch, Bab (Dembélé) der Scherzkeks und ausgelassene Schelm, der in seiner Naivität kluge Fragen stellt: “Ist die Verrücktheit nicht die letzte Stufe der Weisheit?” In ihrer Angst vor dem ungewissen Schicksal und “denen, die uns holen kommen”, aber auch aus Langeweile schmieden sie hybride Zukunftspläne oder verlieren sich in zwiespältigen Erinnerungen an ihren doch nicht so bewundernswerten Hausherrn. Obwohl sie sich in einer sehr konkreten Situation befinden, sind dialogische Anleihen bei Beckett nicht zu übersehen. Das Warten überspielen die Dagebliebenen mit absurder Bedeutungslosigkeit und Gelächter. weiterlesen »