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„Wir haben kein Recht dazu, es satt zu haben“

Giorgos Neophytou, Autor von „DNA“ und der Zypern-Pate Antonis Georgiou in einem Gespräch über die Folgen des Krieges in ihrer Heimat

Wie beeinflusst die politische Situation in Zypern das Theater?
Giorgos Neophytou:
Jede politische Situation, in jedem Land muss auch die Kultur beeinflussen. Direkt nach dem Krieg 1974 war das ein Tabu, jetzt fangen wir an darüber zu schreiben.

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Bildung schadet nur

Martin Heckmanns „Vater Mutter Geisterbahn“: was Eltern falsch machen, wenn sie alles richtig machen wollen

Otto soll Künstler werden. Oder Entwicklungshelfer (Foto: Lena Obst).

Otto fragt: „Weißt Du, wie schwierig das ist? Rausgehen, ohne zu wissen woher und wohin. Was soll ich da machen?“ Die Antwort des Vaters: „Das liegt an Dir.“ Doch damit scheint Otto erst recht nicht geholfen zu sein. Auch nicht mit dem Erziehungsratgeber, den die Mutter gerne zitiert: „Lächeln Sie ihr Kind immer an“. Und schon gar nicht mit den Gute-Nacht-Geschichten des Vaters, bewusst überfordernden Auszügen aus philosophischen Texten. Otto soll ein Künstler werden. Entwicklungshelfer wäre besser, meint die Mutter.

Die Eltern in Martin Heckmanns „Vater Mutter Geisterbahn“ erwarten viel von ihrem Kind. weiterlesen »

Der Krieg und das Warten danach

Die Vermissten des Zypernkonflikts: Despina Bebedeli inszeniert Giorgios Neophytous „DNA“

Mutter und Sohn (Foto: Martin Kaufhold).

Die DNA hat die Gestalt einer Doppelhelix, die aus zwei sich umeinander windenden Strängen besteht. Sie hat die Form einer Wendeltreppe aus Eisen, auf der eine Frau ihren Mann kennenlernte, als er ihr einen Haarkamm aufhob. „Und er fiel dir wieder runter. Mach die Augen nicht auf. Auf jeder Stufe meine Liebe. Siehst du sie? Wegen meiner Liebe ist diese Wendeltreppe nicht so wie alle anderen.“, erinnert die Frau sich an die erste Begegnung mit ihrem Mann, den sie liebte, seinen Körper, seine Stimme, seine Umarmung. Doch das alles kommt nicht zurück. Es kommt nur die DNA zurück. weiterlesen »

Eine Stadt auf der Bühne

Yiğit Sertedemirs feiert mit „Sȗrname 2010. Ein Fest für Sühendan“ die türkische Kultur

Eine Tanzvorstellung übertrifft die nächste (Foto: Lena Obst).

Fünf Meter große Puppen mit Turban und Pumphosen schlagen ein Rad, an Stäben geführt von sieben Schauspielern. Davor Tänzer mit hoch aufgetürmten Puppenköpfen, ein Chor mit Handpuppen, grinsenden Masken und Tänzer mit liebevoll verzierten Papppferdchen am Bauch. Eine Szene übertrifft die nächste mit eindrucksvollen Bildern und aufwendigen Kostümen, angekündigt von zwei Handpuppen namens Schwätzer und Schwätzerin.

„Sȗrname 2010. Ein Fest für Sühendan“ heißt das Stück von Autor und Regisseur Yiğit Sertdemir. Es hat nichts Geringeres als eine ganze Stadt zum Thema: Istanbul. weiterlesen »

Brücke zwischen Menschen und Kulturen

Zwei Theaterstücke aus der Türkei verraten viel über die Atmosphäre ihrer Herkunftsstadt

Menschen ereifern sich über Zeitungen. Ein Paar findet seine Wohnung abends verwüstet vor. Jemand rennt fluchend dem Bus hinterher. Ein junger Mann wird auf der Straße vom Bruder seiner Freundin erschossen. Alle vier sind Szenen aus Istanbuler Theaterstücken. „Sȗrname 2010. Ein Fest für Sühendan“ und „Schöne Dinge sind auf unserer Seite“ spielen beide in Istanbul, sie wurden dort geschrieben, ihre Autoren Yiğit Sertdemir und Berkun Oya wohnen beide dort. Doch was erzählen die beiden Stücke über die türkische Metropole? weiterlesen »

Besessen von Geschichte

Die kroatische Patin Tena Štivičić  über den Mythos Kroatien, Kriegsverbrechen und das Theater als Wahrheitsdetektor

Schuld ist ein ständiges Thema, sagt Štivičić (Foto: Ste Murray).

Wie gehen die Menschen in Kroatien mit der jüngsten Vergangenheit um?
Sie ist Teil der alltäglichen Konversation, aber nicht überall gleich. In den großen Städten setzen sich die Leute verstärkt damit auseinander. Wenn du in ländliche Gebiete gehst, fällt dir auf, dass die Menschen sich dort nicht in dieser Art und Weise um die Probleme kümmern. Sie sprechen nicht über die kontroversen Elemente der jüngsten Geschichte.

Also spürt man die Geschichte sehr stark in den ehemaligen jugoslawischen Ländern?
Wir sind besessen von unserer Geschichte. Und zwar nicht nur von der jüngsten. Es gibt die Tendenz sich lieber mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, als von der Gegenwart auszugehen und in die Zukunft zu schauen. Schuld und Vorwürfe sind ein ständiges Thema. weiterlesen »

Schmerzhafter Heilungsprozess

Selma Spahić über mediale Manipulation in Bosnien, die Aufarbeitung von Srebrenica und wirkungsvolles Theater

Wie gehen die Menschen in Bosnien mit der jüngsten Vergangenheit um?

Spahić befürchtet keinen neuen Krieg (Foto: Ste Murray).

Es ist ein konfliktträchtiges Thema, aber die Leute konfrontieren sich damit. Nicht, dass das nicht schon vorher geschehen ist, doch heute gibt es eine Welle von Theatern und Filmen, die sich damit auseinandersetzen. Wir sind bereit, die Geschichten der anderen zu hören. Das ist der Beginn eines Heilungsprozess und natürlich immer eine schmerzhafte Angelegenheit.

Wird die Auseinandersetzung auch in den Medien geführt?
Oft wird aus nationalistischer Perspektive berichtet. Medien und Politiker drängen zu diesen Extremen. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich dieselben Rhetoriken höre, wie damals, als der Krieg begann. Irgendwann bist du aber am Punkt, wo du das als Manipulation und Machtmissbrauch erkennst: So versuchen Politiker die Massen mitzureißen. Ich denke aber nicht, dass ein neuer Krieg vor uns liegt. weiterlesen »

Diebe mit Talent

Urheberrecht: ricci/forte und Béla Pintér über die Situation in Italien und Ungarn

In Deutschland wird derzeit viel über das Urheberrecht diskutiert. Welche Rolle spielt das Urheberrecht für Theaterschaffende in Ihrem Land?
ricci/forte
: Zurzeit haben wir andere Probleme in Italien, besonders wirtschaftliche. Wenn unsere Texte von anderen verwendet werden, zahlen sie dafür. Wenn wir Musik, Text oder Film von anderen verwenden, zahlen wir.
Pintér: Unser Urheberrecht funktioniert sehr gut bei Texten. Und ich glaube, weiterlesen »

Der Nachbar aus der anderen Welt

Tradition trifft Moderne: Berkun Oya zeigt in „Schöne Dinge sind auf unserer Seite“ Sollbruchstellen der türkischen Gesellschaft

„Ali (20) wurde gestern am frühen Abend in einem Wohnviertel erschossen. Der junge Mann soll zuvor mit seiner Freundin eine Wohnung aufgebrochen haben. Es wurde nichts gestohlen. Das Paar befand sich vermutlich auf der Flucht vor der Familie. Die Polizei geht von einem Ehrenmord aus“. Vielleicht liest man diese Nachricht am Frühstückstisch. Man trinkt Kaffee, weiterlesen »

Das Unglück der anderen

Oliver Frljić spielt in „Ich hasse die Wahrheit“ mit flüchtigen Familienerinnerungen

Soweit die Wahrheit? Erinnerung ist trügerisch und nicht alles, was die Eltern erzählten, ist auch so geschehen. (Foto: Martin Kaufhold)

Zum Sonntagsessen gab es bei der Familie Frljić immer Suppe mit Nockerln, Wiener Schnitzel und grünen Salat. Zu viert sitzen sie am Tisch in ihrem Wohnzimmer. Dazu eine Diskussion wie sie in jeder Familie vorkommt: „Wann bist du nach Hause gekommen?“. Dann in gereizter Stimmung: „Würdest du aufhören zu sägen?“ – „Das Fleisch ist eben zäh“. Von gereizt zu aufgeregt, bis zu wütend und zum Ende unkontrollierte Gewalt. Das Geschirr fliegt durch die Gegend, Sohn Oliver kriegt eine Ohrfeige, Türen schlagen. Dragan fragt den Sohn: „Bist du zufrieden mit der Szene, Gewalt in der Familie und so weiter?“. Das Besondere an diesem Abend kroatischen Theaterabend einer außergewöhnlichen Familienforschung: weiterlesen »

Am liebsten bin ich…

ohne Grenzen. Ich wünsche mir, dass meinen Zielen keine Grenzen gesetzt sind. Ohne Grenzen bedeutet für mich nicht, ohne Ziele zu sein, sondern dorthin zu gehen, wohin ich will – und immer geradeaus.

Frankreich (Paris) weiterlesen »