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A complex world

The classical structure of a play, „beginning, middle, end“ is no longer credible if you want to talk about current reality. Today, when the world has become so much more complex, it would be downright obscene to use traditional structures, since they tend to simplify everything. Just imagine talking of Palestine in a traditional structure; weiterlesen »

Komplexe Welt

Der klassische Stückaufbau „Anfang, Mitte, Ende“ ist nicht mehr glaubwürdig, wenn man damit von der aktuellen Realität sprechen möchte. Heutzutage, da die Welt viel komplexer geworden ist, ist es geradezu obszön, die traditionellen Strukturen zu verwenden, denn sie simplifizieren alles. Stellen Sie sich vor, man würde über Palästina weiterlesen »

Monde complexe

Le modèle classique « début, milieu, fin » est un système qui n’est plus crédible pour parler de la réalité actuelle. La réalité actuelle est beaucoup plus complexe. Elle est aussi virtuelle… Il y a plein de différentes approches de cette réalité. Aujourd’hui, comme le monde est devenu plus complexe, weiterlesen »

Die nomadische Dramaturgie

Mir gefällt es, eine Muttersprache wie eine Fremdsprache zu sehen, eine Sprache, die man besucht, nicht als Tourist, sondern als Reisender. Ein Reisender ist immer schwach, da er von außen kommt, gleichzeitig ist er aber auch stark, da er unvorhersehbar sein kann: liebenswürdig oder unangenehm. Er ist frei und nicht verpflichtet, sich an die Konventionen und Codes zu halten. Und wenn er sie anwendet, dann nicht aus Verpflichtung, sondern, weil er Freude daran hat oder sie respektiert. Er kann diese “Fremdsprache” so interessiert wie auch unhöflich, brutal oder gewissenhaft besuchen. Er kann ihr ein anderes Ziel geben, sie verformen, sie verdunkeln, sie entgleisen lassen. Er kann sie ebenso ungeschickt wiedergeben, sie schreien lassen, delirieren oder Unsinn reden lassen. Durch diese Behandlung erhält die Sprache einen Status, eine Art, in Erscheinung zu treten, etwas Organisches, das dann letztendlich einen exotischen Geschmack bekommt.

Bleiben wir bei der Reise. In einer “globalisierten” Welt schreiben, ist so, als würde man in einem riesigen Netz mit Millionen von Knotenpunkten zum Reisenden werden, ein Netz, das sich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausdehnt, eine Welt, in der die Realität schwer zu entziffern ist. Die Reise an sich wird das Ereignis und nicht der Zielort, denn es gibt keine Ziele mehr. Eine neue Dramaturgie der Reise entsteht: der Reisende wird zum Nomaden, er ist immer unterwegs. Seine Reise erhält nur durch das, was er entdeckt, einen Sinn, was er hier und da erntet, was er bewusst behält oder nicht. Der Text und seine Bedeutung bauen sich Schritt für Schritt nicht durch Zufall, sondern durch die Gleichzeitigkeit von gegenübergestellten Elementen auf. Es handelt sich also nicht mehr um eine Geschichte, sondern um den Bericht über eine endlose Strecke. Diese nomadische Dramaturgie wird vorgestellt und nicht dargestellt, wird mehr zum Prozess als zum Ergebnis.

Die nomadische Dramaturgie könnte als ein Versuch wahrgenommen werden, sich einen Weg durch die Komplexität der heutigen Welt zu bahnen, eine Komplexität, die oft eine Rechtfertigung dafür ist, nicht mehr zu verstehen, egal, was es ist, die Unfähigkeit scheint eine Mode zu sein. Es handelt sich weder darum, “seinen Weg zu finden”, noch eine Route zu planen, der man folgt, um eine weitere Bedeutung zu finden, vielmehr darum, Bedeutungen zu schaffen, die vollständig vom Ort abhängen, an dem man sich ab und an befindet.

Der Nomade/Schriftsteller kann verschiedene Haltungen beim Durchreisen dieses “globalisierten” Netzes haben. Er kann Asylbewerber sein, ohne Papiere, jemand, der mittellos und marginalisiert ist. Er kann genauso vorgeben, eine Wirklichkeit zu jagen. Es geht also nicht mehr darum, die Schönheit einer Wirklichkeit zu beschreiben, oder zu versuchen, die eine oder andere Wahrheit zu finden; Schreiben wird nur die Beziehung zu einer Wirklichkeit ausdrücken, eine ungreifbare Wirklichkeit, doppeldeutig, schwierig zu benennen und zu dekodieren.

Die Sprache wird Schritt für Schritt zu einer Art Erscheinung, eine naive und verletzliche Einheit, ein unvollständiges Duplikat einer “globalisierten” Welt, die vielleicht nicht einmal existiert. Die nomadische Dramaturgie scheint die Dramaturgie des Verschwindens zu sein. Die Struktur und die Personen scheinen in diesem Netz zu ertrinken, sie wehren sich aber gegen ihr Verschwinden.

Es hält sich eine fast rührende Lust am Leben – sie gibt den Texten melancholische und nostalgische Akzente.

Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008. Aus dem Französischen von Sabine Hartmann.

reality, and the author‘s perception of it

The Aristotelian approach consists of deriving a general model from a stage play in order to be able to analyze it and codify the dramaturgical system contain therein – a kind of template, which an author may use for future texts. Yet there are also other ways to devise a dramaturgical system that are not based on analysis of texts and their functionality, but rather on analysis of the author‘s surroundings: of reality, and the author‘s perception of it. In the 21st century, our perception of reality has been strongly influenced by the increasing significance of mass media, the internet and its impact on us. This medial reality virtually outwits our previous reality, which had become more and more incoherent ever since the invention of the quantum theory.

Translated into English by Lynnette Polcyn