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Wiesbadener Bankräuber

Die britische Gruppe Blast Theory schickt in ihrer Performance „A Machine to See with“ Menschen per Handyanweisung durch die Stadt. Drei Eindrücke der jungen Kritiker

Katastrophenteam

Eigentlich weiß ich ja, dass alles nur ein Spiel ist, und möchte an der Outdoor-Performance „A Machine to See with“ mit der Distanz eines Warentesters für neue Formate teilnehmen. Eine Stimme am Telefon gibt mir Instruktionen, eine Bank auszurauben. Das kann doch nur heiße Luft sein. Aber dann passiert es: Der unsichtbare Mentor mit seinem erotischen britischen Akzent weiterlesen »

Liebes Google, was ist Liebe?

Das dänische Stück BCNU [be seeing you] ist eine Parabel über das heutige Erwachsenwerden im Netz

Das Kuscheltier, das zum Flachmann werden kann... (Foto: Lena Obst).

Wenn der letzte Rest Geborgenheit mit dem gefühlsarmen Vater nur noch über den metallenen Sound der Gegensprechanlage stattfindet, wird das Internet zum Ort unerfüllter Wünsche: Sich seiner weiblichen Wirkungskraft kaum bewusst, sucht die Protagonistin von BCNU, „Das Mädchen“, in Chatforen in der Sprache des Internets nach Nähe und erhält von einem älteren männlichen User virtuelle Komplimente wie „Ich finde dich hübsch. Zwinkersmiley“ zurück.

Ihre ausweglose familiäre Situation bringt sie dazu, von zu Hause auszureißen. Den einzigen feinfühligen Kontakt knüpft sie zu einem scheuen Jungen, weiterlesen »

Kein Pferd mit Scheuklappen

Manfred Beilharz leitet die Theater-Biennale seit zwanzig Jahren. Ein Gespräch aus gegebenem Anlass

Herr Beilharz, die Theater-Biennale ist zwanzig Jahre alt. Was wollten Sie zu Beginn bewirken?
Anfang der Neunziger Jahre geisterte der Satz des Vaters der Europäischen Union, Jean Monnet, herum: Wir müssen beim Aufbau Europas mit der Kultur anfangen und nicht mit der Ökonomie. Das soll sagen, dass die Kultur und die Kunst der europäische Kitt ist. Aber kaum hatten wir die Theater-Biennale 1992 in Bonn gegründet, ging es in Jugoslawien los mit dem Krieg. Es war ein Krieg, bei dem gesagt wurde, ich kann mit den anderen nicht mehr zusammenleben, weil sie eine andere Kultur haben. Da erhielt unser Festival plötzlich eine andere Bedeutung. Es wurde wichtig, dass es zeigt: Es ist eben nicht alles ein europäischer Mischmasch.

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Pulverfass Therapie

Christopher Nielsen „Entropie“: Psychopathologie auf Norwegisch

Machtverhältnisse werden in der entropischen Therapie ganz handgreiflich geregelt (Foto: Martin Kaufhold).

Der Boden trägt Linoleum. In der Ecke steht ein Wasserspender. Und ein paar Pflanzen kontrastieren mit den roten Backsteinwänden des Raums. Hinten an der Wand hängt das Porträt des Selbsthilfe-Gurus, nach dessen hanebüchener Methode hier praktiziert werden soll. Doppelkinn und Hornbrille tragend starrt er das Publikum ausdruckslos an. In der Mitte warten die zu einem freundlichen Halbkreis angeordneten Stühle. Das Publikum schließt den Stuhlkreis und bekommt die Rolle eines schweigenden Patienten zugeteilt.

Auf der Bühne nimmt die Therapiegruppe Platz: Gruppenleiterin Liv und ihre „Schützlinge“ Heidi, Eskil und Nils. weiterlesen »

Neu? Stücke?? Europa???

Auf der Suche nach dem Sinn des Festivals

Tankred Dorst und Ursula Ehler fordern in ihrem Grußwort zur diesjährigen Theaterbiennale: „Man sollte 2012 darüber nachdenken, was das heißt: ‚Neu‘, was das heißt: ‚Stücke‘, was das heißt: ‚Europa‘“. Machen wir. Die Passanten in der Wiesbadener Fußgängerzone sind ganz im EM-Fieber: Neu? Manuel Neuer! schießt es mir entgegen. Europa? Meister! Aber wie um Himmels Willen passt da  jetzt ‚Stücke‘ hinein?! Zerstückelt, Stückchen, weiterlesen »

Verschwende deine Zeit: Die Geschichte einer freiwilligen Diktatur

Katharina Schmitt erzählt in “Sam” von einem Kunstwerk, das nicht an der Wand hängt. Und Tilman Gersch inszeniert es: Im Museum.

Heute bin ich aufgewacht und dann in den Park gegangen. Später habe ich Tee getrunken, die Zeitung gelesen und eine Tafel Schokolade verzehrt. Ich habe mit Freunden telefoniert. Ich war kurz auf Facebook. Dann habe ich meine Mails gelesen und zum Teil beantwortet. Ich bin mit dem Fahrrad zur Uni gefahren. Auf dem Nachhauseweg habe ich die Wolken beobachtet und den Straßenverkehr. Zuhause habe ich meine Wäsche gewaschen und mit meinen Mitbewohnern zu Abend gegessen, dann bin ich wieder schlafen gegangen. So oder so ähnlich könnte ein Ausschnitt meines Alltags beschrieben werden. weiterlesen »