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Dramaturg heute

Das FORUM DRAMATURGIE mit Prof. Dr. Kati Röttger aus Amsterdam erörterte die Rolle, die heute ein Dramaturg hat. Viele Antworten auf eine Frage…

Quick, Quick, Quick

Visiting Mark Ravenhill at the Forum of Young European Playwrights

Some writers' legs... while writing. Foto: Valerie Kattenfeld

In and around the art club Nassauischer Kunstverein. Mark Ravenhill has instructed the emerging authors gathered here to pair off and spread out across the entire premises. Some sit on the hardwood floors of the building’s vast halls, some smoke on the balcony and some take a little walk.
 Heiđar Sumarliđason from Iceland, an athletic guy in shorts and with a full blond beard and a cup of coffee in his hand, tells the Vienna resident Dominic Oley of a traumatic theatre experience:

Heiđar: So it was two days before the premiere of my play, “Pieces,” and the director decided to cut fifteen minutes of it. There was nothing I could do. She said: “Just trust me.” But the performance was horrible. My words were there, but they no longer fit to what was happening. It was like I was trying to say something completely different than what I’d intended when I wrote it.

Dominic: And that’s why you stage your own plays now…

Heiđar: I have been focusing on directing recently, yes. I actually haven’t written anything in three years, but I’ve directed English and Polish plays. I’m even planning a college musical. I’d like to try my hand at all theatrical areas.

Dominic: How do you make it work financially?

Heiđar: It’s not easy. But after investing four years of my time and money in an artistic education, I wouldn’t want to work at any old day job.

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Zagreb Pentagramm

Paolo Magelli hat für seine fünfteilige Produktion “Zagreb Pentagramm” fünf Autoren aus Zagreb gebeten, für ihn zu schreiben. Wir haben fünf junge Kritiker gebeten, sich jeweils einen Teil vorzunehmen.

"Zagreb Pentagramm", Teil 1. Foto: Martin Kaufhold

1: Monologduett
Nataša und Goran heißen die zwei Seiten eines zwiegespaltenen Schriftsteller-Ichs. Diese beiden lässt Filip Šovagović in “Traumzone” am Schreiben und an den Menschen in selbstreflexiven Monologen verzweifeln: “Jeder Mensch ist der Autor seines Lebens, jeder Mensch ist Schauspieler und Regisseur seines Alters nur, manchen scheint, dass die Masken nie fallen werden”, sinnieren sie pirandellesk. Als irreale und unbegreifbare Traumexistenzen tragen sie in Paolo Magellis Inszenierung Masken, liefern sich spielerische Wortgefechte. Der Regisseur hat sie als Clowns verkleidet, die mit rot unterpunkteten Augen und einer skelettartig geschminkten Unterlippe aussehen, als seien sie direkt einem Albtraum entstiegen. Ihr Buchstabenfeuer findet mal einen gemeinsamen, stakkatoartigen Rhythmus, mal fallen sie sich gegenseitig ins Wort. Sie reflektieren über Erfolg und Misserfolg, Schreiben und Leersein, Leben und Sterben. Clowns sind nicht nur dazu da, Kinder zu erfreuen, sondern üben Kritik ohne Worte. Das hat uns Charlie Chaplins Tramp gelehrt. “Oh, wie schön war früher der Stummfilm”, schwärmt auch Nataša einmal. Am Ende bleibt Schweigen. (Judith Drokur) weiterlesen »

Dialektische Kritik

Die Ergebnisse unseres Übersetzungsworkshops: Kritiken auf Schwyzerdütsch, Saarländisch und zweimal auf Wienerisch. (Aufnahmeleitung: Judith Kärn)

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Falls Sie sich weiter dialektal fortbilden wollen, hätten wir hier ein paar Online-Sprachkurstipps für Schwyzerdütsch, Saarländisch und Wienerisch. Und eine Kritik zum Lesen auf Hessisch.

Zu Mittag ein Stück Food-Drama

Bei Mark Ravenhill im Forum junger Autoren Europas: drei Workshopszenen mit Zwischenspielen.

Im und um den Nassauischen Kunstverein. Alle Nachwuchsautoren haben sich auf Instruktion von Mark Ravenhill in Pärchen zusammengefunden und über das gesamte Geländer verteilt. In den weiten Räumen auf dem Parkettboden sitzend, am Balkon rauchend oder unterwegs auf einem kleinen Spaziergang. 
Heiđar Sumarliđason aus Island, ein sportlicher Typ mit kurzer Hose, blondem Vollbart und Kaffeebecher in der Hand, erzählt dem Wahlwiener Dominic Oley von einer traumatischen Theatererfahrung:

Die Gedanken schweifen lassen: Autoren machen es sich gemütlich.

Heiđar: Mein Stück „Pieces“ hatte also Premiere und zwei Tage vorher hat die Regisseurin entschieden, fünfzehn Minuten raus zu nehmen. Ich konnte nichts machen, Sie sagte: „Vertrau mir einfach.“ Aber die Aufführung war dann furchtbar. Meine Sätze waren da, aber die Aktionen passten nicht. Es war, als würde ich in ihrer Inszenierung etwas komplett anderes sagen, als ich eigentlich geschrieben habe.
Dominic: Und deshalb inszenierst du jetzt selbst…
Heiđar: Ich hab mich in der letzten Zeit auf Regie konzentriert, ja. Eigentlich habe ich seit drei Jahren nichts geschrieben und dafür ein englisches und ein polnisches Stück inszeniert. Jetzt habe ich mir sogar ein College Musical vorgenommen. Ich möchte mich in allen Theaterbereichen ausprobieren.
Dominic: Und wie geht sich das finanziell bei dir aus?
Heiđar: Es ist nicht leicht. Aber nachdem ich vier Jahre Zeit und Geld in eine künstlerische Ausbildung investiert habe, möchte ich keinen Brotjob machen.

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Neun von Zehn

Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale

Mit zehn Jahren wollte ich unbedingt cool sein. Die Bedingungen dafür waren nicht optimal: verwöhntes Einzelkind, noch von Mama angezogen, Pferdenärrin und kurz vor dem Eintritt in ein Privatgymnasium mit Klosterschwestern. Aber genau dort lag meine große Chance: Am ersten Schultag wollte ich es allen zeigen. Zum großen Leid meiner Mutter war ich neben allen anderen schick angezogenen und frisierten Schulanfängern das einzige Kind in Jeans, rosa T-Shirt und bunter Moosgummikette. Bewundernde und neidvolle Blicke flogen mir zu, während meine Mutter im Stillen dafür betete, dass mein erster Eindruck bei den anderen Eltern kein bleibender sein würde. Der Plan ging voll auf: Die ersten drei Tage war ich von allen umringt und wurde sogar als Klassensprecherin vorgeschlagen. Das Problem dabei: Länger als drei Tage hielt meine neue Coolness nicht an. Leider waren die Jeans und das rosa Shirt nämlich die einzigen coolen Klamotten, die ich im Repertoire hatte, und ich musste wieder auf Pferdepullover & Co. zurückgreifen.

Ich bin eigentlich kein Frühstücker

Russische Winter und Sonnenuntergänge im französischen Avignon: Yvonne Büdenhölzer, eine Reisende in Theaterwelten.

Weißrussische winterliche Weiten. Valery Anisenko, Yvonne Büdenhölzer und Andrej Kurejtschik. Foto: privat

Sieben Minuten vor dem Gesprächstermin. Wo liegt eigentlich Yvonne Büdenhölzers Wiesbadener Apartment? Plötzlich flitzt die 33-jährige Festivalmanagerin auf ihrem Fahrrad vorbei. Die kurzen blonden Haare wehen im Fahrtwind, dann biegt sie rechts ab. Oben dann in der Wohnung, die den spartanischen Charme einer Übergangslösung ausstrahlt: „Ich geh immer zu spät los, auf den letzten Drücker. Und ich habe diese schlechte Angewohnheit, es auch noch gut zu finden, wenn ich mit der Rolltreppe am Gleis ankomme und der Zug gerade einfährt.“ Aber auf ihren Reisen habe sie trotzdem noch nie ein Flugzeug verpasst, fügt sie ein bisschen stolz hinzu. Nicht allein ihr Verdienst. Denn Maya Schöffel, die organisatorische Leiterin von NEUE STÜCKE AUS EUROPA, kümmert sich neben der Stückrecherche auch um die Planung der Auslandsaufenthalte. Zug- und Busfahrpläne, wichtige Telefonnummern, Übersetzer, alles perfekt vorbereitet.
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Flüchtige Senioren

Ganz schön peppig: Lisa Danulats „Uns kriegt ihr nicht“ in Mainz.

Beim Abtanzen v.l.n.r.: Leonard Hohm, Victoria Schmidt, Stefan Graf, Jan-Philip Frank, Verena Bukal. Foto: Bettina Müller

Bei diesen 71- bis 122-jährigen Figuren ist ganz schön was los. Zwei Frauen und zwei Männer unternehmen eine Fahrt mit einem Panzer durch ihre Kriegsvergangenheit. Mit von der Partie: die schnell entschlossene Altersheimpraktikantin Zelda, “moralisch flexibel, wenn das Projekt sexy ist”. Sexy und spritzig ist auch Danulats Sprache, bei der ein Witz den anderen hetzt. Das passt zwar gut zu den jugendlichen Darstellern; aber wie das wäre, wenn die Senioren tatsächlich von Senioren gespielt würden, ist fraglich. Peppig sind auch die Regieideen von Hannes Rudolph: Sangriaschlürfen mit Strohhalm aus rosa Plastikeimern, Sternenregen und Mini-Musicalchoreografien. Dazwischen Erinnerungsfragmente von erfrorenen Säuglingen im Schnee und Weihnachten im Krieg. Im schnellen Wechsel dieser ganz unterschiedlichen Themen und Bilder kommt es allerdings nicht zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der individuellen und kollektiven Vergangenheit, auch wenn dieses geschnitzte Holzfohlen mit Namen “Schuld” auf der Bühne steht und ein buntes T-Shirt mit dem Buchstabensalat “Heimat” im Gedächtnis haften bleibt.

Duftarena mit Sogwirkung

Was bewegt den Theaterzuschauer bei einem Stück wie “Cercles/Fictions” von Joël Pommerat? Wer traut sich als erstes, was zu sagen? Beeindruckt das riesenhafte Bühnenbild? Und wer bleibt überhaupt da zum Publikumsgespräch? Ein Live-Blog aus dem Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters.

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22:04: Die Aufführung ist zu Ende, die Zuschauer wollen gar nicht mehr aufhören, zu klatschen. Als aber das Licht dann an bleibt, gehen ziemlich viele raus – wir sind gespannt auf das scheinbar intim werdende Publikumsgespräch.

Valerie hat im Foyer gerade etwas aufgeschnappt: “Das ist die Art von Theater, bei der man mit offenem Mund da sitzt und staunt.” (Auch wir beide sind immer noch ganz verzaubert.)

22:07: Juhu, ein paar Leute kommen wieder zurück!

22:08: Judith bleibt ständig mit ihrer Weste an der Holzlehne hängen. “Krrrk”, wenn sie sich von der Lehne löst.

22:09: Noch passiert nicht viel. Es duftet nach Bienenwachskerzen und auf der Bühne ist das Licht gedimmt.

22:10: Jetzt geht es Schlag auf Schlag, der Saal füllt sich … okay, ein bisschen. Drei Stühle stehen bereit, wer wird gleich darauf sitzen? (kurze Uneinigkeit über die deutsche Sprache in Österreich und Deutschland: Sind das nun Sessel oder Stühle? Egal, man kann drauf sitzen.)

22:12: Yvonne Büdenhölzer bittet alle, sich vor Regisseur und Autor Joël Pommerat und Übersetzerin Francesca Spinazzi zu platzieren. “Das Publikumsgespräch funktioniert leider nicht so schön im Kreis wie die Vorstellung.”
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Nahkampf am Text

Martin Heckmanns und Marc Ravenhill leiten das “Forum junger Autoren Europas”. Nachwuchsdramatiker schreiben Texte, diskutieren und präsentieren sie. Von Anfang an allerdings läuft ihnen die Zeit davon.

Manuskriptanalyse: Maren Wiederhold (Praktikantin) und die Autoren Paul Riemann, Dennis Kubek, Milena Oda, Martin Heckmanns, Dominic Oley, Pavlo Arie.

Der erste Tag. 21 Autoren und zwei Leiter stehen unschlüssig vor dem Eingang des Nassauischen Kunstvereins und trauen sich nicht hinein. “Weil wir Angst haben, dass die Alarmanlage losgeht” erklärt Martin Heckmanns, derzeit Hausautor/Dramaturg am Staatsschauspiel Dresden und Leiter der deutschsprachigen Autorengruppe.

Bei der Vorstellungsrunde geht es gleich ans Eingemachte: Heckmanns möchte erfahren, wie das so war mit den Initiationserlebnissen und welche Erwartungen an das eigene Schreiben vorherrschen. Damit niemand in die Verlegenheit kommt, als Erster sprechen zu müssen, beginnt er selbst mit einer Offenbarung: “Ich bin auf dem Weg der Anpassung, deshalb würde ich mir gerne von eurer Freiheit etwas abzapfen.” Unter Freiheit versteht Heckmanns, schreiben zu können, worauf man Lust hat, ohne auf jene pragmatischen Hintergedanken Rücksicht nehmen zu müssen, mit denen er nun als Hausautor zu kämpfen hat: Wie viele Schauspieler verträgt das Budget, welche sind verfügbar, was geht in der Ausstattung? weiterlesen »