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Islands

„No man is an island, entire of itself, every man is a piece of the continent“ – this quote, noted on the flyleaf of my school notebook, served as a dam against floods of loneliness for a long time. Now the image has resurfaced in the contemplation of theatrical landscapes.

Spotlights draw islands onto the boards that represent the world; illuminated bodies flood spectators sitting in the dark with their words. Are they stranded, have they found footing on these islands and do they tell of their attempts at rescue, flailing their arms and throwing message-filled bottles into space? Is the whole theatre an intoxicated ship, searching for land, while outside dark estimates are raging? weiterlesen »

Inseln

„No man is an island, entire of itself, every man is a piece of the continent“ – dieses Zitat auf der Innenseite meines Schulhefts diente mir lange als Damm gegen Einsamkeitsfluten. Es tauchte nun als Bild bei der Betrachtung mehrerer Bühnenlandschaften wieder auf.

Scheinwerfer zeichnen Inseln auf den Brettern, die die Welt bedeuten; Körper im Licht überfluten Zuschauer im Dunkeln mit ihren Wörtern. Sind es Schiffbrüchige, die auf den Inseln Halt gefunden haben und, noch mit den Armen fuchtelnd, von ihren Rettungsversuchen erzählen und Flaschenpost ins All werfen? Ist der ganze Theaterraum ein trunkenes Schiff, das Land sucht, während draußen die Dunkelziffer tobt? weiterlesen »

spicery

On the stage of the old, gold-trimmed theatre, we see a modern, steelblue kitchen and a philosophical argument between two chefs. One of them is raging on, screaming his heart out, every other word that crosses his lips is an expletive, a bombardment of curse words, son of a bitch and and his numerous relatives.

The audience is convulsing with laughter. The pleasure is palpable as the chains that bind are burst apart with each laugh. These forbidden fruits are delicious! Vulgarities are running rampant in this sacred space, the crudeness of the gutter running its big mouth in this fine salon. The fourth wall was torn down long ago, the invited dinner guests peek inside the pot and add their own two cents. There can never be too many cooks in the kitchen when it comes to theatre. They are comrades in arms, who know the weight of each word in a secret language, which is every language there is.

Translated into English by Lynnette Polcyn

Gewürze

Auf der Bühne des alten, goldverzierten Theaters ist eine moderne, stahlblaue Küche und ein philosophischer Streit zwischen zwei Köchen zu sehen. Der eine möchte sich bei der Herstellung der Gerichte stets von der unvorhersehbaren Vielfalt der Natur und ihrer Produkte überraschen lassen, der andere das ideale Gericht exakt immer wieder nachkochen können. Der Streit spitzt sich zum Konflikt zu. Natur versus Zivilisation. Der Naturkoch wütet von Anfang an, er hat das Herz auf der Zunge, jedes zweite Wort ist ein Kraftausdruck, V u l k a n a u s b r u c h e , Schimpfkanonaden vom Hurensohn und seinen zahlreichen Verwandten.

Das Publikum bebt vor Lachen bei jedem Fluch. Wie hellhörig es ist und besonders auf diese Worte reagiert, konnte ein Seismograph genau aufzeichnen und doch nicht erklären, was an diesen Worten, die im Gehirn in gesonderten Kammern wohnen sollen, so besonders ist. Diese Worte werden hier nicht, wie im Fernsehen, von einem Piepton zensiert, sondern hallen im Gewölbe, wo Götter und Grazien schweben. Sie scheinen freien Lauf zu haben, aber eigentlich springen sie aus einem Index, sie Überschreiten Grenzen, brechen Tabus, fallen mit der Tür ins Haus. Bei jedem Lachen schwingt die Freude über den aufgesprengten Riegel. Wie gut die verbotenen Fruchte schmecken! Das Profane tobt im sakralen Raum, die grobe Gosse schwingt ihre große Klappe im feinen Salon. In der stahlblauen Küche werken die Männer mit Volldampf, aber sie sind nicht unter sich. Sie haben hier nicht ihr Haus und Herd.

Die vierte Wand ist langst abgerissen, die geladenen Tafelgaste schauen in die Töpfe und geben ihren Senf dazu. Hier wird es so heiß gekocht, wie es gegessen wird. Früher wurde Kindern beim Gebrauch dieser Worte mit Pfeffer auf der Zunge als Strafe gedroht, aber jetzt sind gerade die deftigen Worte das exquisite Gewürz für das gemeinsam zubereitete Gericht. Im Raum des Theaters verderben die vielen Köche nicht den Brei. Sie stecken unter einer Decke, kennen das Gewicht jedes Wortes in der Geheimsprache, die jede Sprache ist.

Es war und ist einmal

In der langen Nacht, in der vieles verboten war, beherrschte das Vergangene die Bühne. Die glorreiche Geschichte und die alten Könige waren Mythen, um Bestehendes zu verherrlichen, aber auch Masken, um Gegenwärtiges durchscheinen zu lassen. Unter dem Gewand des Absurden wagte sich das Moderne heran, während das populäre Revuetheater vorsichtig das Blatt vom Mund nahm, um Kritisches zu äußern. Nach den Nelken in den Gewehren öffneten sich Grenzen und Schranken. Die Poesie war auf der Straße, wie es damals so schön hieß, und das Theater in Übersetzung, das in der langen Nacht erst nach langwierigen Verhandlungen manchmal erlaubt wurde, überflutete die Bühne und erregte die größte Neugier – bis heute. Das Gefühl, dass “draußen” (ein immer noch oft verwendetes Wort für das Ausland) sich das Beste und Aufregendste abspielt und die bizarren Ungereimtheiten “nur in diesem Land” am Rand von Europa stattfinden, lässt sich auch in der Zeit der weit und breit vernetzten Welt nicht so leicht austreiben. Der Stolz auf die großen Dichter und die beliebten Romanautoren verdeckt das Misstrauen gegen die vermeintliche Existenz einer portugiesischen dramatischen Ader und erklärt die Tendenz, Romane und Erzählungen für die Bühne zu bearbeiten und Collagen von Gedichten zu präsentieren. Aber die neue portugiesische Dramatik bewegt sich doch, obwohl sie meistens nur kurz und auf kleinen Bühnen für ein besonders interessiertes Theaterpublikum aufgeführt wird.

Die neuen portugiesischen Stücke, die für die vielen Wettbewerbe zur Belebung der portugiesischen Dramatik oder als Auftragswerke für die Theater geschrieben werden, unterscheiden sich in ihren Themen und Formen nicht sonderlich von anderen neuen europäischen Dramen: Familien, die auseinander brechen und aus deren Kokon oder Fängen man sich zu befreien versucht; Paare, die nicht kommunizieren können; junge Leute, die orientierungslos ihren Weg suchen; Konflikte in der multikulturellen Gesellschaft, in der Arbeit und Unterkunft nicht mehr so leicht zu finden sind; Reales, das sich in realistischer Sprache äußert und Surreales, das sich in verspielt poetischer Sprache darstellt. Eigenartig ist vielleicht der immer noch bestehende Hang zur Vergangenheit. Die alten Könige und die Geschichten aus alten Zeiten spuken auch in den neuen Dramen herum, aber ein neuer Blick ist an den Versuchen zu erkennen, die jüngste Geschichte, die noch nicht ganz verheilten Wunden des Kolonialkrieges, zu verarbeiten und im europäischen Konzert irgendetwas wie ein durch Ironie und Witz gebrochenes Vertrauen auf das Eigene und daher auch Besondere zu entwickeln.

Originalbeitrag für den Katalog der Biennale Neue Stücke aus Europa 2008.