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Mal wieder was Selbstgekochtes essen

Festivalleiterin Maya Schöffel im Gespräch über Kinder, Theater und Knochenarbeit

Kommt an einem gewissen "Entweder Oder" nicht vorbei - Maya Schöffel (Foto: Ste Murray).

Wir treffen uns um drei. Die Mittagszeit ist ein bisschen schwer planbar, weil man nicht genau weiß, wann das Baby essen will. Es ist noch ganz klein, aber wie eine strapazierte junge Mutter sieht Maya Schöffel, Festivalmanagerin und Künstlerische Leiterin der Theater-Biennale, nun wirklich nicht aus. In der Kantine holt sie Kaffee, bespricht noch ein bisschen nach links, noch ein bisschen nach rechts, und sitzt dann sehr gelassen und freundlich an einem der kleinen Tische. Sie sieht entspannt aus. „Ja“, sagt sie, lacht, und sieht noch entspannter aus. Das liege daran, dass ihre Vertretung Christine Bocksch die „Knochenarbeit“ übernommen habe, ab dem Zeitpunk als sie in den Mutterschutz ging. Jetzt sei das Schlimmste ja schon gelaufen und sie von der strapaziösen Phase ausgenommen. Das sagt sie fast, als wäre ein Kind zu bekommen so was wie Urlaub.

Es ist gut, beim Thema Baby zu bleiben, beziehungsweise bei all den Fragen, die sich anschließen, wenn man als Frau beides möchte: arbeiten und Kinder haben. Jeder weiß, dass das Theater kein besonders familienkompatibler Arbeitsplatz ist, allein weiterlesen »

Hinter der Wand

Berkun Oyas „Schöne Dinge sind auf unserer Seite“: Istanbuler Spielarten der Fremdheit 

Heile Welt mit skandinavischen Möbeln, Schallplatten, Büchern... (Foto: Martin Kaufhold)

„Wie kannst du so eiskalt sein, wie eine Fremde“ sagt der Mann zu der Frau. Die Fremde ist seine langjährige Freundin. Fällt dieser Satz in Berkun Oyas Kammerspiel, ist die Beziehung schon kaputt. In die Welt des aufgeklärten Paares, angesiedelt im großstädtischen Intellektuellenmilieu, dringt etwas Fremdes ein. Das eigene System kollabiert. Ein junges Pärchen vom Land ist vor der Familie des Mädchens geflohen und bricht, etwas hilflos, in die Wohnung des Paares ein. Es kommt zum Konflikt, ein Messer ist im Spiel, ein banaler Fotoapparat wird zum Zankapfel, das Pärchen auf der Flucht flieht auch aus dem Großstadt-Apartment. weiterlesen »

Zusammen auf Gedeih und Verderb

„Unsere Klasse“ bringt ein schwierigen Stück polnischer Geschichte auf die Bühne

Foto: Martin Kaufhold.

Die Bühne ist holzig und karg. Nur an der hinteren Wand, über einer großen, zentrierten Pforte, ändern sich die Zeichen der Zeit: vom Kreuz über Hammer und Sichel zum Hakenkreuz, wieder Hammer und Sichel und wieder das Kreuz. In Tadeusz Słobodzianeks  Stück „Unsere Klasse“ unter der Regie von Ondrej Spišák wird nichts Geringeres als das 20. Jahrhundert erzählt – und doch nur die Geschichte eines kleinen ostpolnischen Ortes namens Jedwabne. Das heißt zu deutsch Seide und ist in der polnischen Gesellschaft ein äußerst rotes Tuch. weiterlesen »

Die Poetik der Alltagsorte

Wie das Theater den öffentlichen Raum erobert und ganz nebenbei Blicke und Blickrichtungen verändert 

Ein Handy, ein Anruf. Eine computergenerierte Stimme gibt Instruktionen und schon ist man Akteur in einem Plot, der dem Zuschauer keine Außenperspektive erlaubt, der ihn durch die Stadt jagt und die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität verschwimmen lässt. Klar ist nur: es gibt eine Bank, und die muss überfallen werden. weiterlesen »

Kindheit im Krieg

„Hypermnesie“ erzählt vielstimmig von der jüngsten Geschichte Ex-Jugoslawiens

Meine Mama, mein Papa, mein Papa, meine Mama. Acht SchauspielerInnen erinnern sich an ihre Kindheit. Sie heißen Damir Kustura, Milica Stefanović, Jelena Ćuruvija-Đurica, Ermin Bravo, Tamara Krcunović, Alban Ukaj, Maja Izetbegović und Sanin Milavić. In ihren Geschichten geht es um erste Schultage, Ausflüge, Zwiegespräche, um herausstechende und kleine Details, die sich im Gedächtnis festgesetzt haben. weiterlesen »

Am liebsten bin ich …

an Bahnhöfen, am liebsten morgens. Der Zug, aus dem ich steige, sollte mindestens eine Grenze überquert haben, und es wäre nicht schlecht, wenn die Schrift, die ich als erstes sehe, nicht die lateinische wäre, oder zumindest ein paar ungewöhnliche Häkchen und Striche aufwiese. Wenn dem so ist, stehen die Chancen gut auf einen besonderen Geruch. In den universellen Basisduft aus Eisen und Maschinenöl mischen sich dann eigenwillige Kopf- und Herznoten. weiterlesen »