Archive for the ‘German’ Category


Die ehemaligen Künstler des kommunistischen Regimes, die in der Gegenwart weiter tätig sind, bemühen sich vergebens, ihre Musen in neue Farben einzukleiden. Geflissentlich berufen sie sich auf die kulturelle und nationale Identität. Sie bedienen sich jener kollektiven Empfindlichkeiten, (more…)


Als im Jahre 509 die Demokratie in Athen wieder eingeführt wurde, stellte sich heraus, dass die Polis für zwei Institutionen größere Räume brauchen würde: für die Volksversammlung und für das Theater! Ich betone dieses historische Detail nicht, um damit die Rolle des Theaters in der Geschichte unserer Zivilisation hervorzuheben (more…)


Die Theater machen genau das, was das Land schon vom Anfang der Krise hätte machen sollen. Sie sparen.

Seit dem Beginn der Krise ist der Umsatz in der Buchbranche um etwa 40% gefallen. Die Kinos haben 25% ihres Publikums eingebüßt. Die meisten Restaurants sind in den Wochentagen leer. (more…)


Die überwiegende Mehrheit der Theaterhäuser in Ungarn ist öffentlich subventioniert, hauptsächlich von regionalen Selbstverwaltungen, aber auch Stadttheater sind recht häufig. Diese Theater haben es alle schwer, muss ich sagen. Beim einen oder anderen führenden Politiker scheint sich (more…)


Der klassische Stückaufbau „Anfang, Mitte, Ende“ ist nicht mehr glaubwürdig, wenn man damit von der aktuellen Realität sprechen möchte. Heutzutage, da die Welt viel komplexer geworden ist, ist es geradezu obszön, die traditionellen Strukturen zu verwenden, denn sie simplifizieren alles. Stellen Sie sich vor, man würde über Palästina (more…)


stelle ich Fragen, die mit warum anfangen. Warum die Piraten angeblich nicht zu stoppen sind, warum ich nicht an Gott glaube und warum Fußballer so oft auf den Boden spucken. Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm – vielleicht habe ich mir diese Sesamstraßen-Fragetechnik auch einfach nur zu eigen gemacht, weil man die Melodie so gut mitsummen konnte (Was auch gut ging: Warum bin ich so fröhlich, einst Titellied von Afred J. Kwak). (more…)


Ich gehe ins Theater. Was soll ich sonst tun? „Iokaste mit vierzig Jahren“ oder so heißt das Stück. Es wird irgendein modernes, experimentelles Stück sein, eins von denen, die angeblich Mythen richtig stellen. Haben die noch nicht genug von Ödipus und Iokaste und ihren Faseleien? (more…)


ohne Grenzen. Ich wünsche mir, dass meinen Zielen keine Grenzen gesetzt sind. Ohne Grenzen bedeutet für mich nicht, ohne Ziele zu sein, sondern dorthin zu gehen, wohin ich will – und immer geradeaus.

Frankreich (Paris) (more…)

Manchmal ist es schwer, Norweger zu sein. Dabei ist Norwegen wahrscheinlich das einzige Land in Europa, das zurzeit keine Schuldenprobleme hat, dessen Geldproblem im Gegenteil einzig darin besteht, zu viel davon zu haben und keinen politischen Schneid, es vernünftig einzusetzen, aber… Ich sage aber. Es gibt immer ein Aber. Und das Aber hat oft etwas mit Identität zu tun. (more…)


in Gedanken ganz woanders. Mich zu konzentrieren, fällt mir schwer. Ich halte oft weniger als fünf Minuten still, und wenn meine Aufmerksamkeit dann auch noch auf nur einer Sache ruhen soll, bin ich maßlos überfordert. Die Konsequenz: Ich schiebe auf, vergesse und verdränge. Selbst dieser Text entsteht mal wieder viel später als er sollte. Und dann auch noch nachts. Das ist nämlich die zweite Konsequenz: (more…)


diese drei hängen, wenn auch nicht gerade drohend, dann doch ziemlich fordernd über diesem Text und summen in meinen Ohren zusammen mit den Wortbrocken LIEBSTEN. BIN. ICH. ein Lied der Brüchigkeit von Ichsen. Nichtsdestotrotz schwinge ich mich auf, und lasse mich ins Vorläufige und Unvollständige plumpsen: (more…)


Die Theater, in denen fein herausgeputzte Zuschauer von nichts berührt werden wollen, sind nicht die Häuser, in denen neue Ideen entstehen.

Der Regisseur ist als Hauptgestalter der theatralen Form auch ihr Autor. Durch seine künstlerische Sprache formuliert er eine eigene Aussage, seinen Blickwinkel auf gewisse Prozesse, Beziehungen und auf die ihn umgebende Welt. Dadurch gewinnt er immer mehr die Bedeutung eines eigenständigen Künstlers. Das wird oft kritisiert, (more…)


Winter 2012. Ich arbeite wieder einmal am Theater. Mein neuestes Stück „Zwanzigtausend Seiten“ wird am Schauspielhaus Zürich geprobt. Regie führt Lars-Ole Walburg. Wir reden über Szenen, Kürzungen, Umstellungen, über zuviel und über zuwenig Dramaturgie, Rhythmus, Psychologie und über die nötige Distanz zwischen Schauspieler und Text. Wir spielen wie verrückt, während draußen die Welt verrückt spielt. (more…)


kurz vor dem großen Augenblick. Die entspannte Gewissheit, nichts mehr abwenden, nichts mehr verbessern, nichts mehr beeinflussen zu können, zugleich die Freiheit, nur an das unmittelbar Bevorstehende zu denken, alle Zukunftspläne zu vergessen – und die Freude daran, den großen Augenblick noch jungfräulich, unangebrochen zu wissen. (more…)


oder Die inexistente Ästhetik des Strebens nach Natürlichkeit auf engem Raum.

Die Eröffnung von neuen, kleinen Theatern/Aufführungsräumen mit 40-80 Zuschauerplätzen hat die Theaterszene in der Türkei in den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts spürbar belebt. Die unabhängigen Gruppen, die es vorziehen, sich in solchen beengten Räumen auszudrücken, bemühen sich, räumliche Nachteile wie „beschränkte Tiefe, geringe Raumhöhe und Enge“ mit einer atmosphärischen Interpretation des Schauspiels aufzufangen. (more…)


Es gibt eine große Welle des Feminismus auf den Bühnen, die sowohl von männlichen als auch von weiblichen Feministen vertreten wird.

Die Inszenierung von Geschlechterrollen war jahrelang auf den schwedischen Bühnen und in neuen Stücken das meistdiskutierte und populärste Thema. Die Diskussion beschäftigte sich sowohl mit Gleichberechtigung an sich als auch mit den Möglichkeiten der Darstellung auf der Bühne. Zumindest in den Großstädten. (more…)


Andrić, Kazantzakis, Kadare und Kusturica hatten Erfolg – weil sie wussten, wer sie sind!

100 Jahre lang waren wir Feinde auf dem Balkan, obwohl sich unsere Völker nahe stehen. Wir waren mit Jugoslawien, mit der Türkei, mit Griechenland sowie mit den Revisionisten Ceauşescu und Enver Hoxha verfeindet. Ergebnis dieser Isolation ist, dass wir heutzutage die amerikanische Kultur besser kennen als die des Balkans, die uns doch im Blute liegt. (more…)


Die erste Amtshandlung des 2010 ans Haus gekommenen Intendanten Mika Myllyaho, selbst ein hervorragender Dramatiker, war es fünf Hausautoren (Juha Jokela, Heini Junkkaala, Sofi Oksanen, Laura Ruohonen, Paavo Westerberg) anzustellen und ihr Auftragshonorar zu verdoppeln. Die Botschaft an die Szene war klar.

Ich behaupte: Das Interessanteste, was sich im Moment im finnischen Theater tut, ereignet sich in der Dramatik.
Worauf bezieht sich meine waghalsige Behauptung? Was genau soll mit den Dramatikern geschehen sein? (more…)


Bevor eine Person mit ihrem Wortgepäck auf die Bühne tritt, muss der Autor das Wort ergreifen. Der Autor ergreift das Wort, wann er will und  erteilt es wem er will. Aber ist das denn so sicher?

Dass der Autor das Wort „erteilt“. Ich persönlich würde eher sagen, ich zwinge das Wort auf und entziehe es wieder. Die Figur existiert nur als sprachliche Identität und kann nicht alleine sprechen. Sie hat keine eigene Stimme. Sie hat nichts zu sagen. (more…)


… dann startet NEUE STÜCKE AUS EUROPA mit seinem Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen. Noch einmal schlafen, dann kann hier in einem Live-Blog von der zweiten Pressekonferenz nachgelesen werden, welche Stücke sich zu den ersten zehn Einladungen gesellen dürfen.

10.43: Seit einer halben Stunde suche ich im großen Foyer in Wiesbaden den Internetzugang. Das Laptop fühlt sich wohl, wo es so hübsch durch die Gegend getragen wird. (more…)


„No man is an island, entire of itself, every man is a piece of the continent“ – dieses Zitat auf der Innenseite meines Schulhefts diente mir lange als Damm gegen Einsamkeitsfluten. Es tauchte nun als Bild bei der Betrachtung mehrerer Bühnenlandschaften wieder auf.

Scheinwerfer zeichnen Inseln auf den Brettern, die die Welt bedeuten; Körper im Licht überfluten Zuschauer im Dunkeln mit ihren Wörtern. Sind es Schiffbrüchige, die auf den Inseln Halt gefunden haben und, noch mit den Armen fuchtelnd, von ihren Rettungsversuchen erzählen und Flaschenpost ins All werfen? Ist der ganze Theaterraum ein trunkenes Schiff, das Land sucht, während draußen die Dunkelziffer tobt? (more…)


Die meiste Zeit wird an kunstferne Bürokratie verschwendet. Aber wenn das Theater etwas Lebendiges ist, dann sollte es jedes Mal gleich lebendig sein. Die Lebendigkeit einer Aufführung kann nicht daran gemessen werden, ob ein Schauspieler in verschiedenen Vorstellungen an unterschiedlichen Orten hustet…

Dieses alte Sprichwort verwende ich oft. Oder vielmehr mache ich daraus ein Motto für meine Theaterrecherche und -arbeit. Die Art von Theater, bei der endlose Probenarbeit nichts anderes als die Vorbereitung auf eine endgültige Aufführung ist, interessiert mich nicht mehr. Genau das stört mich daran: dass Theaterprozess und Proben sich ausschließlich auf ein Produkt hin orientieren (more…)


Als ich vor zwei Jahren beim „Journal TV” die politische Satiresendung „Die Stunde des Lachens” begann, hielt ich es für selbstverständlich, den Hanswurst zu spielen.

Schon immer hatte ich diese Neigung in mir, die mir gefällt und wegen der ich mich gleichzeitig schäme. Nur als Student gab ich dieser Neigung freien Lauf, und oft begreife ich nicht, dass mich nicht viele Menschen so kennen. Das heutige Publikum kennt mich durch das Prisma der seriösen Sachen, die ich in den letzten zwanzig Jahren gemacht habe. Das heißt Prosa, Theaterstücke, Journalistisches. (more…)


Mich als Dramatikerin beschäftigt momentan eine Schaffenskrise. Ich weiß, dass etwas zu Ende gegangen ist. Eine bestimmte Schreibweise – eine Art, mich schreibend auszudrücken -  erscheint mir verbraucht.

Ich frage mich ständig, wonach suche ich jetzt? Woran glaube ich? Wer bin ich? Ich bin nicht mehr ganz so jung. Die Begeisterung und das Glücksgefühl, die mich zu Beginn meines Schreibens (und meiner Karriere) begleiteten, sind verschwunden. (more…)


Aber nicht als ein Hofnarr, der dem König seine schlechten Taten und Schwächen frech und unverschämt unter die Nase reibt, sondern als ein unterwürfiger Hofnarr.

Während einer Schreibresidenz in der „Maison d’Europe et d’Orient“ im November und Dezember 2011 in Paris arbeitete ich an einer Komödie über die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vor drei Jahren. So wie nach vielen Filmen die witzigen Outtakes der Dreharbeiten gezeigt werden, wollte ich dieses zweifelsfrei große historische Ereignis – die Geburt des jüngsten Staates Europas – ebenfalls aus einer anderen Perspektive zeigen. (more…)


Besonders wurde die Dramatik seit Beginn des 21. Jahrhunderts belebt: so wurde z.B. 2003 ein Dramatikerverband gegründet.

Als ich Mitte der 1990er Jahre begann, Stücke zu schreiben, durchlebte die Ukraine eine wirtschaftlich und gesellschaftlich schwierige Zeit des Umbruchs. Nur wenige der früher führenden Autoren konnten sich in die neue Zeit retten. Eine Theaterreform gab es nicht und neue ukrainische Stücke wurden kaum noch aufgeführt, da ihre staatliche Unterstützung abgeschafft worden war. So wurde die Dramatik zu einer freien Kunst, (more…)


Berliner Dekonstruktivisten, Hamlet und der postdramatische Nullraum in Kopenhagen

Zeitgenössische Dramatik hat die grundlegende Aufgabe, das moderne Regietheater zu verstehen und herauszufordern. Doch entfremden sich die beiden voneinander, was ebenso einen tiefen Graben zwischen traditionellem und progressivem Theater gräbt. Das Festgefahrensein des Regietheaters in der Interpretation von Klassikern oder im postdramatischen Nullraum verhindert die weitere Entwicklung des Theaters (more…)


Das Publikum benimmt sich im allgemeinen wie Gäste in einem Restaurant, die auf ihr Essen warten. Sie wissen alles, sie kennen alles. Ihre Geschmacksnerven sind außerordentlich sensibel. Sie sind wählerisch und anspruchsvoll.

Ich habe fast mein ganzes Leben im Theater verbracht. Als ich fünf war, sah ich, wie meine Mutter auf der Bühne ermordet wurde – am Ende eines Melodramas, in dem sie die romantische Heldin spielte. Sie täuschte vor, zu sterben, sie imitierte den Tod; sie beschrieb ihn weder, noch sprach sie darüber, sie zeigte ihn. (more…)


Am 18. Januar 2012 ab 11.00 Uhr ist es soweit: Auf der ersten Pressekonferenz von NEUE STÜCKE AUS EUROPA werden bereits zehn eingeladene Stücke bekannt gegeben.

Wer wird im Juni die noch sehr einsame Gesellschaft erweitern? Foto: Katrin Schmitz

Wer selbst nicht im Staatstheater Mainz dabei sein kann, der kann zeitgleich hier beim live-Blog im Minutentakt mitlesen wer im Juni kommt, wo sie vorher losfahren und was sie im Gepäck mitbringen. Außerdem wird zu lesen sein, wo Tankred Dorst gleich nach der Pressekonferenz hinreist und warum.

10.19: Damit das Warten nicht so langatmig wird, kann man jetzt schon im Foyer auf der Großleinwand den neuen Trailer sehen: What’s your favourite European word?

10.55: Langsam füllt sich das Foyer. Die ersten Fotos werden gemacht. Der Trailer läuft immer noch und ich weiß jetzt schon, welchen Ohrwurm ich heute Abend habe (übrigens zum Thema “favourite European word”: Die Engländer haben des deutsche Wort Ohrwurm zu earworm eingeenglischt).

10.58: Die erste Kamera wird aufgebaut…

11.00: Eigentlich müsste es gleich losgehen. Die ersten Journalisten setzen sich, die meisten stehen aber noch am Kaffee-Buffet. Matthias Fontheim trifft im kleinen Haus ein. Blitzlichtgewitter. Wirklich. (more…)


… dessen System zunehmend von ökonomischen Fakoren gefährdet wird

Das italienische Theater ist bekanntlich ein Wandertheater: Die Stücke stehen nicht länger als einen Monat in Rom oder Mailand auf dem Spielplan und ziehen dann durch die Städte und Dörfer, wo sie jeweils für einen oder zwei Tage gespielt werden. Dieses fantastische System stammt aus alten Zeiten und ermöglicht es auch den Bühnen in der Provinz, großes Theater mit berühmten Schauspielern und von bedeutenden Regisseuren zu zeigen. (more…)