Die ehemaligen Künstler des kommunistischen Regimes, die in der Gegenwart weiter tätig sind, bemühen sich vergebens, ihre Musen in neue Farben einzukleiden. Geflissentlich berufen sie sich auf die kulturelle und nationale Identität. Sie bedienen sich jener kollektiven Empfindlichkeiten, (more…)
Posts Tagged ‘Albanien’
Darauf haben alle gewartet: Das FORUM JUNGER THEATERKRITIKER hat sich entschieden. In einem komplexen Punktesystem und geheimer Abstimmung wurden von insgesamt 12 kritischen Köpfen aus 24 eingeladenen Biennale-Produktionen die Favoriten auserkoren. Der eindeutige Gewinner des leider gar nicht dotierten, aber höchst prestigeträchtigen Kritikerpreises kommt aus Albanien. Deutschland, als Gastgeber fix im Rennen, ging auch diesmal wieder leer aus. (more…)
„Allegretto Albania“ verwandelt das brisante Thema Blutrache in ein komisch-absurdes Kammerstück.

Das Lob des Computers: die Moderatorin preist ihre Geschenke an. Foto: Lena Obst
Eine vierköpfige Familie ist in ihrem Haus gefangen. Bei verbarrikadierten Fenster und Türen halten die Söhne mit dem Fernglas Ausschau und polieren Schusswaffen, der Vater jammert, die Mutter brutzelt Kartoffeln. Der entfernte Verwandte Satedin hat einen jungen Mann umgebracht und dessen Clan sinnt jetzt auf Blutrache am Familienoberhaupt. Den einzigen Kontakt zur Außenwelt bilden eine tussige TV-Sprecherin und ein Lehrer, beide von einer Hilfsorganisation beschäftigt.
Autor Stefan Çapaliku und Regisseur Altin Basha vemeiden in „Allegretto Albania“ geschickt die Moralpredigt und finden stattdessen einen angenehm leichten und unterhaltsamen Zugriff auf dieses hochpolitische Thema. Die Inszenierungsideen dienen immer dem Text und bauen effektvoll eine Drohkulisse auf. (more…)
Wie das Festival uns Europa näher und manchmal auch zu nahe bringt.
Der Euro wackelt, die Wirtschaft klagt und die Wiege der Demokratie droht im Staatsbankrott zu verenden. Um Europa steht es schlecht, wenn man der Medienberichterstattung vom Spiegel (Euro-Lüge) über die ZEIT (Die neue Hartleibigkeit) bis zur taz (Tragödie) glauben mag. Krisenzeiten sind immer Fragenzeiten: Was ist es, das Europa im Innersten zusammenhält? Ein Festival, das sich auf die Suche nach der, wie der Dramatiker Tankred Dorst emphatisch in unserem Interview betonte, “Wahrheit” der europäischen Länder begibt, kann sich dieser Frage nur schlecht entziehen.
Schauen wir in die Statistik: 265 Produktionen zeigte NEUE STÜCKE AUS EUROPA in 18 Jahren, dieses Jahr sind 21 Länder auf dem Festival vertreten. Das ist Europa, oder zumindest ein repräsentativer Ausschnitt, und Wiesbaden wird zu einem Zentrum, von dem aus wir notgedrungen den Kontinent betrachten. (more…)
Mit der Umwälzung der politischen Situation Albaniens hat sich auch sein Theater verändert. Nun ist das Land zum ersten Mal bei der Biennale vertreten.
Moral, Tradition, Utopie. Bis zu den 1990er Jahren spielten albanische Bühnen nur, was das kommunistische Regime sehen wollte: Dramen voll sozialrealistischem Pathos. Diese Dramen reflektierten natürlich nicht die Realität, sondern propagierten eine kommunistische Utopie, während auf der anderen Seite kleinste Einsprengsel von Liberalität, Kritik oder Kontroverse in den Stücken albanischer Autoren zensiert wurden. Josif Papagjoni, Dramatiker, Theaterwissenschaftler und Pate für Albanien bei der diesjährigen Biennale neuer europäischer Stücke meint dazu, aus den dogmatischen Einschränkungen der kommunistischen Ära seien im Theater die immer gleichen Schemata und Voreingenommenheiten hervor gegangen. “Aber spätestens seit den 1990ern bewegt man sich weg von diesen alten Richtlinien.” (more…)

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