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Bei Mark Ravenhill im Forum junger Autoren Europas: drei Workshopszenen mit Zwischenspielen.

Im und um den Nassauischen Kunstverein. Alle Nachwuchsautoren haben sich auf Instruktion von Mark Ravenhill in Pärchen zusammengefunden und über das gesamte Geländer verteilt. In den weiten Räumen auf dem Parkettboden sitzend, am Balkon rauchend oder unterwegs auf einem kleinen Spaziergang. 
Heiđar Sumarliđason aus Island, ein sportlicher Typ mit kurzer Hose, blondem Vollbart und Kaffeebecher in der Hand, erzählt dem Wahlwiener Dominic Oley von einer traumatischen Theatererfahrung:

Die Gedanken schweifen lassen: Autoren machen es sich gemütlich.

Heiđar: Mein Stück „Pieces“ hatte also Premiere und zwei Tage vorher hat die Regisseurin entschieden, fünfzehn Minuten raus zu nehmen. Ich konnte nichts machen, Sie sagte: „Vertrau mir einfach.“ Aber die Aufführung war dann furchtbar. Meine Sätze waren da, aber die Aktionen passten nicht. Es war, als würde ich in ihrer Inszenierung etwas komplett anderes sagen, als ich eigentlich geschrieben habe.
Dominic: Und deshalb inszenierst du jetzt selbst…
Heiđar: Ich hab mich in der letzten Zeit auf Regie konzentriert, ja. Eigentlich habe ich seit drei Jahren nichts geschrieben und dafür ein englisches und ein polnisches Stück inszeniert. Jetzt habe ich mir sogar ein College Musical vorgenommen. Ich möchte mich in allen Theaterbereichen ausprobieren.
Dominic: Und wie geht sich das finanziell bei dir aus?
Heiđar: Es ist nicht leicht. Aber nachdem ich vier Jahre Zeit und Geld in eine künstlerische Ausbildung investiert habe, möchte ich keinen Brotjob machen.

Szene 2 (more…)


Martin Heckmanns und Marc Ravenhill leiten das “Forum junger Autoren Europas”. Nachwuchsdramatiker schreiben Texte, diskutieren und präsentieren sie. Von Anfang an allerdings läuft ihnen die Zeit davon.

Manuskriptanalyse: Maren Wiederhold (Praktikantin) und die Autoren Paul Riemann, Dennis Kubek, Milena Oda, Martin Heckmanns, Dominic Oley, Pavlo Arie.

Der erste Tag. 21 Autoren und zwei Leiter stehen unschlüssig vor dem Eingang des Nassauischen Kunstvereins und trauen sich nicht hinein. “Weil wir Angst haben, dass die Alarmanlage losgeht” erklärt Martin Heckmanns, derzeit Hausautor/Dramaturg am Staatsschauspiel Dresden und Leiter der deutschsprachigen Autorengruppe.

Bei der Vorstellungsrunde geht es gleich ans Eingemachte: Heckmanns möchte erfahren, wie das so war mit den Initiationserlebnissen und welche Erwartungen an das eigene Schreiben vorherrschen. Damit niemand in die Verlegenheit kommt, als Erster sprechen zu müssen, beginnt er selbst mit einer Offenbarung: “Ich bin auf dem Weg der Anpassung, deshalb würde ich mir gerne von eurer Freiheit etwas abzapfen.” Unter Freiheit versteht Heckmanns, schreiben zu können, worauf man Lust hat, ohne auf jene pragmatischen Hintergedanken Rücksicht nehmen zu müssen, mit denen er nun als Hausautor zu kämpfen hat: Wie viele Schauspieler verträgt das Budget, welche sind verfügbar, was geht in der Ausstattung? (more…)