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Manfred Beilharz leitet die Theater-Biennale seit zwanzig Jahren. Ein Gespräch aus gegebenem Anlass

Herr Beilharz, die Theater-Biennale ist zwanzig Jahre alt. Was wollten Sie zu Beginn bewirken?
Anfang der Neunziger Jahre geisterte der Satz des Vaters der Europäischen Union, Jean Monnet, herum: Wir müssen beim Aufbau Europas mit der Kultur anfangen und nicht mit der Ökonomie. Das soll sagen, dass die Kultur und die Kunst der europäische Kitt ist. Aber kaum hatten wir die Theater-Biennale 1992 in Bonn gegründet, ging es in Jugoslawien los mit dem Krieg. Es war ein Krieg, bei dem gesagt wurde, ich kann mit den anderen nicht mehr zusammenleben, weil sie eine andere Kultur haben. Da erhielt unser Festival plötzlich eine andere Bedeutung. Es wurde wichtig, dass es zeigt: Es ist eben nicht alles ein europäischer Mischmasch.

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Die erste Amtshandlung des 2010 ans Haus gekommenen Intendanten Mika Myllyaho, selbst ein hervorragender Dramatiker, war es fünf Hausautoren (Juha Jokela, Heini Junkkaala, Sofi Oksanen, Laura Ruohonen, Paavo Westerberg) anzustellen und ihr Auftragshonorar zu verdoppeln. Die Botschaft an die Szene war klar.

Ich behaupte: Das Interessanteste, was sich im Moment im finnischen Theater tut, ereignet sich in der Dramatik.
Worauf bezieht sich meine waghalsige Behauptung? Was genau soll mit den Dramatikern geschehen sein? (more…)


Ich weiß nicht, welcher Tag heute ist. Das verschwimmt alles, wenn man jeden Tag zeitloses Theater sieht. Ich stehe also im Zelt und habe nach zwei Vorstellungen hintereinander unglaublichen Hunger, verheißungsvoll leuchtet das Buffet vor mir auf. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Oh nein, heute ist der lindgrüne Tag! Ich wühle nervös in meinen Hosentaschen, hoffentlich habe ich sie dabei, bitte mach, dass ich sie nicht in der Redaktion oder im Hotel vergessen habe!, ah, da ist er: der lindgrüne Essenscoupon für heute!

Ansichten aus einem Kellerloch: Tackern Praktikanten hier um ihr Leben?

Dazu kommen noch zwei Getränkecoupons, alle liebevoll von Praktikantenhänden zusammengetackert. Während ich also noch dastehe und auf das Essen warte, rechne ich mir aus, wieviele Coupons es gibt, wieviele Tackernadeln, wieviele Stunden hier fleißige Praktikanten in irgendeinem Praktikantenraum getackert haben. Die durchschnittliche Verweildauer der Produktionen ist vier Tage, jede Produktion ungefähr 15 Theaterleute, es gibt 20 Produktionen (exklusive der Eigenbeiträge): macht 3.600. Ungefähr 20 Paten, ca. 10 Tage anwesend, 600. Praktikanten, Forumsteilnehmer, Organisatoren, 2.100. Insgesamt 6.300 Coupons, macht 2.100 Dreierpäckchen. Puh, da bluten ja die Finger. Während ich überlege, wieviele Sekunden ich für ein Dreierpäckchen veranschlagen kann, reicht mir der nette junge Mann hinter der Theke einen Teller. (more…)


Your selfless dedication to our festival has continued to astound me for 18 years. I look forward to seeing you in June 2010 in Wiesbaden and Mainz – and to hearing the polyphony of European voices and exciting debates! Yours, Manfred Beilharz

Cela fait maintenant 18 ans que j’admire votre travail tant altruiste pour notre festival. Je me réjouis de vous retrouver tous en juin 2010 à Wiesbaden et à Mayence – et de retrouver aussi l’ensemble de voix européennes et des discussions passionnantes! A très bientôt, Manfred Beilharz

Seit 18 Jahren stehe ich staunend vor euerer selbstlosen Mitarbeit an unserem Festival. Ich freue mich auf Euch im Juni 2010 in Wiesbaden und Mainz – und auf das europäische Stimmengewirr und spannende Debatten! Euer Manfred Beilharz


At anniversaries we tend to look back. But we also try to cast a view into the future. This is why the next theatre biennial New Plays from Europe, which will celebrate its 10th anniversary in June 2010, is moving along new paths – on the web.

On the new online platform newplays-blog the festival’s patrons – playwrights from 41 European countries, who advise the festival team on their selection of invited plays – will write about the cultural scenes in their countries. They debate about tendencies in European theatre, reflect their own perspectives, experiences and works, and figure out how contemporary drama in Europe is developing. Until now, these discussions have been taking place during the festival, now there will be more space and more time for new thinking: This blog will be running for about six months.

And there’s more exciting news: Every theatre enthusiast can join in into the discussions, comment the posts and link to the patron’s thoughts. So come on and read, write and enter! And visit the Staatstheater Wiesbaden and the Staatstheater Mainz in June 2010 for watching the selected productions at the most important festival for contemporary playwriting world-wide.

Until then, you can experience European theatre and engage with the patrons.


An Jubiläen wird gerne zurück geschaut. Aber der Blick geht immer auch nach vorne. Auch die nächste Biennale Neue Stücke aus Europa, die im Juni 2010 ihren zehnten Geburtstag feiert, geht voran auf neuen Wegen – im Internet.

Auf der neuen Online-Plattform newplays-Blog schreiben die “Paten” des Festivals, Theaterautoren aus 41 europäischen Ländern, die der Stückeauswahl des Festival beratend zur Seite stehen, und über europäische Kulturszenen berichten. Sie debattieren über europäische Theatertendenzen, reflektieren den eigenen Standpunkt und das eigenen Schaffen und überlegen miteinander, wie sich das zeitgenössische Drama in Europa versteht und entwickelt. Bisher fanden diese Diskussionen vor allem während des Festivals statt, nun gibt es mehr Platz und mehr Zeit dafür, etwa sechs Monate.

Das Spannende ist: Alle Theaterinteressierten können sich an dieser Diskussion beteiligen und die Gedanken der Paten kommentieren, ergänzen, weiterführen, verlinken. Also lesen, schreiben und machen Sie mit! Und kommen Sie im Juni an das Staatstheater Wiesbaden und das Staatstheater Mainz, um die ausgewählten Stücke zu sehen und das europäische Theater und die schreibenden Paten live zu erleben.