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Ein Rückblick auf zwei Wochen FORUM JUNGER THEATERKRITIKER, den Workshop für junge Kulturjournalisten während der Biennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA 2010. Stückchenweise persönliche Statements.

Die Redaktion am Festivalzelt-Biertisch: Grete Götze, Lena Rittmeyer, Valerie Kattenfeld, Karl Wolfgang Flender (untere Reihe, v.l.n.r.), Jakob C. Heller, Lea Gerschwitz, Judith Drokur, Martin Thomas Pesl, Katrin Schmitz (obere Reihe, v.l.n.r.). Judith Kärn war schon abgereist.

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Darauf haben alle gewartet: Das FORUM JUNGER THEATERKRITIKER hat sich entschieden. In einem komplexen Punktesystem und geheimer Abstimmung wurden von insgesamt 12 kritischen Köpfen aus 24 eingeladenen Biennale-Produktionen die Favoriten auserkoren. Der eindeutige Gewinner des leider gar nicht dotierten, aber höchst prestigeträchtigen Kritikerpreises kommt aus Albanien. Deutschland, als Gastgeber fix im Rennen, ging auch diesmal wieder leer aus. (more…)


Das FORUM DRAMATURGIE mit Prof. Dr. Kati Röttger aus Amsterdam erörterte die Rolle, die heute ein Dramaturg hat. Viele Antworten auf eine Frage…


Papier: Zum Mitschreiben im Dunkeln. Immer nötig. Auch wenn man das, was man fast blind irgendwo hingekritzelt hat, später ohnehin nicht mehr lesen kann.
Für Solidarisierung der Kritiker untereinander unablässig.
Eindeutigstes Erkennungsmerkmal.

Stift: Die Waffe des Kritikers. Immer im Zehnerpack dabei, damit eine Entwaffnung ausgeschlossen ist.

Büroklammer: Zur Gewährleistung der kritisch hochgezogenen Augenbraue. (more…)


Sie hat gerade ein Füßchen in der Tür, er ist seit zehn Jahren im Geschäft. Er leitete bei der Biennale einen Autorenworkshop, sie zeigte ihre zweite Uraufführung. Martin Heckmanns (38) und Lisa Danulat (27) über unterschiedliche Schreibperspektiven.

Sind Sie einander schon mal dramatisch begegnet?

Ich bin auch da! Lisa Danulat und ein bisschen Heckmanns. Foto: Lisa Danulat

Danulat: Ich habe in Düsseldorf ein Stück von Dir gesehen. „Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin.“

Heckmanns: Ich habe nichts von Dir gelesen und gesehen.

Glauben Sie, dass Sie als Autorin heute schwerer in den Betrieb rein kommen als Martin Heckmanns vor zehn Jahren?

D: Im Moment habe ich ja ein Füßchen in der Tür, und ob der restliche Körper noch nachschiebt, verhandele ich gerade mit mir. Wenn ich das mit mir geklärt habe, kann ich mir auch ein Bild darüber machen, inwieweit die Tür geöffnet werden sollte. Dann muss ich den Schritt gehen, klopfen. Momentan bin ich beim Fußabtreter und schaue mir das erstmal vorsichtig an.

H: Das sind Sportreporter-Fragen. Aber nein, eigentlich nicht, die Gier nach Uraufführungen ist ja ungebrochen. Ich bin auch anders rein gekommen, habe in meiner Heimatstadt eine Uraufführung gemacht mit einem Schauspieler zusammen, das war also nicht über die üblichen Förderprogramme, sondern selbst organisiert und hat sich dann weiter ergeben. Ich finde es auch interessant, dass man hier so viel über Betrieb nachdenkt und im Verhältnis wenig über Inhalte, Geschichten, Anliegen. Der Markt hat ja etwas Objektivierendes. Da weiß man: Wer ist drin, wer ist nicht drin, wer ist unten, wer ist oben. Ich verstehe, dass es einen sportlichen Ehrgeiz erzeugt, darüber zu reden. Aber mit Theater hat das erstmal nichts zu tun. (more…)


Heiđar Sumarliđason als Bunny-boy. Foto: Lena Rittmeyer

Abschluss des Forums junger Autoren Europas mit szenischen Kurzlesungen im Park. Auch wir fassen uns kurz in unseren Kritiken mit maximal 160 Zeichen.

1. “It’s okay to eat fish cause they don’t have any feelings” – Kindheitserinnerungen durch Nirvana-Zitat geadelt. Etwas zu gehaucht gelesen, mehr Power! Trotzdem: Danke für den Fisch.

2. Londonerin, Ankunft in Wiesbaden, im Hotelzimmer der Schock: Gekreuzigter Mann philosophiert übers Leben und blutet den Holzboden voll. Real, irreal, ganz egal, phänomenal.

3. Wow. Raben, Regen, Shakespeare & eine kleine Romanze unter Säulen. Süß vorgetragen. War schon ziemlich LOL.

4. D.Krieg in seinemLand katapultiert einenAutor nach oben.Sarkastisch-spacig bringt derMonolog+Drive dieAbsurdität d.kreativenVerwertg.v.Kriegstraumata aufnPunkt. (more…)


Die Ergebnisse unseres Übersetzungsworkshops: Kritiken auf Schwyzerdütsch, Saarländisch und zweimal auf Wienerisch. (Aufnahmeleitung: Judith Kärn)

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Falls Sie sich weiter dialektal fortbilden wollen, hätten wir hier ein paar Online-Sprachkurstipps für Schwyzerdütsch, Saarländisch und Wienerisch. Und eine Kritik zum Lesen auf Hessisch.


Bei Mark Ravenhill im Forum junger Autoren Europas: drei Workshopszenen mit Zwischenspielen.

Im und um den Nassauischen Kunstverein. Alle Nachwuchsautoren haben sich auf Instruktion von Mark Ravenhill in Pärchen zusammengefunden und über das gesamte Geländer verteilt. In den weiten Räumen auf dem Parkettboden sitzend, am Balkon rauchend oder unterwegs auf einem kleinen Spaziergang. 
Heiđar Sumarliđason aus Island, ein sportlicher Typ mit kurzer Hose, blondem Vollbart und Kaffeebecher in der Hand, erzählt dem Wahlwiener Dominic Oley von einer traumatischen Theatererfahrung:

Die Gedanken schweifen lassen: Autoren machen es sich gemütlich.

Heiđar: Mein Stück „Pieces“ hatte also Premiere und zwei Tage vorher hat die Regisseurin entschieden, fünfzehn Minuten raus zu nehmen. Ich konnte nichts machen, Sie sagte: „Vertrau mir einfach.“ Aber die Aufführung war dann furchtbar. Meine Sätze waren da, aber die Aktionen passten nicht. Es war, als würde ich in ihrer Inszenierung etwas komplett anderes sagen, als ich eigentlich geschrieben habe.
Dominic: Und deshalb inszenierst du jetzt selbst…
Heiđar: Ich hab mich in der letzten Zeit auf Regie konzentriert, ja. Eigentlich habe ich seit drei Jahren nichts geschrieben und dafür ein englisches und ein polnisches Stück inszeniert. Jetzt habe ich mir sogar ein College Musical vorgenommen. Ich möchte mich in allen Theaterbereichen ausprobieren.
Dominic: Und wie geht sich das finanziell bei dir aus?
Heiđar: Es ist nicht leicht. Aber nachdem ich vier Jahre Zeit und Geld in eine künstlerische Ausbildung investiert habe, möchte ich keinen Brotjob machen.

Szene 2 (more…)


Ein Glossar

Anwälte: Übersetzer verstehen sich als Anwälte der Originalautoren, als kreative Zweitautoren und als Vermittler zwischen Text und Inszenierung.

Autoren: Sprechen mit den Übersetzern über ihre Texte. Nicht immer die besten Auskunftgeber über ihre Texte, da vieles intuitiv entstanden ist.

Diskussionsstoff: Textstellen, über die die Übersetzer ewig diskutieren, werden oft bei der Inszenierungsarbeit gar nicht bemerkt. Für Übersetzer unauffällige Sätze bewirken Regieeinfälle.

Endgültigkeit: Übersetzen ist ein Prozess, bei dem kein Anspruch auf Endgültigkeit erhoben wird. Das Ziel ist der bestmöglichste Text.

Fragen, richtige: Ein guter Übersetzer stellt viele richtige Fragen. (more…)


Und einmal mehr ist es Zeit für einen Live-Blog: Das FORUM JUNGER THEATERKRITIKER trifft in den intimen, warmen Räumlichkeiten des Presseclubs einige der Teilnehmer des FORUMs JUNGER AUTOREN EUROPAS unter Leitung von Martin Heckmanns. Warum? Weil die Kritiker die Autoren brauchen, die Autoren die Kritiker, und beide dennoch gewisse Abneigungen gegeneinander haben – könnte man zumindest meinen. Im Zentrum der kommenden Stunde also die Frage: Was erwarten Kritiker von ihren Autoren, was Autoren von ihren Kritikern? Eines auf jeden Fall: Nicht aus dem Kontext herausgelöst zitiert zu werden. Da freut sich der Live-Blogger. (more…)


Martin Heckmanns und Marc Ravenhill leiten das “Forum junger Autoren Europas”. Nachwuchsdramatiker schreiben Texte, diskutieren und präsentieren sie. Von Anfang an allerdings läuft ihnen die Zeit davon.

Manuskriptanalyse: Maren Wiederhold (Praktikantin) und die Autoren Paul Riemann, Dennis Kubek, Milena Oda, Martin Heckmanns, Dominic Oley, Pavlo Arie.

Der erste Tag. 21 Autoren und zwei Leiter stehen unschlüssig vor dem Eingang des Nassauischen Kunstvereins und trauen sich nicht hinein. “Weil wir Angst haben, dass die Alarmanlage losgeht” erklärt Martin Heckmanns, derzeit Hausautor/Dramaturg am Staatsschauspiel Dresden und Leiter der deutschsprachigen Autorengruppe.

Bei der Vorstellungsrunde geht es gleich ans Eingemachte: Heckmanns möchte erfahren, wie das so war mit den Initiationserlebnissen und welche Erwartungen an das eigene Schreiben vorherrschen. Damit niemand in die Verlegenheit kommt, als Erster sprechen zu müssen, beginnt er selbst mit einer Offenbarung: “Ich bin auf dem Weg der Anpassung, deshalb würde ich mir gerne von eurer Freiheit etwas abzapfen.” Unter Freiheit versteht Heckmanns, schreiben zu können, worauf man Lust hat, ohne auf jene pragmatischen Hintergedanken Rücksicht nehmen zu müssen, mit denen er nun als Hausautor zu kämpfen hat: Wie viele Schauspieler verträgt das Budget, welche sind verfügbar, was geht in der Ausstattung? (more…)