Posts Tagged ‘hässliches entlein’


Eine kleine Theatertierkunde.

Plustert sich gerne auf: Der Intendant. Hat zuletzt Henry IV inszeniert. Im Hintergrund der Oberspielleiter, inszeniert gerade Henry VI.

Das alte Ehepaar. Halten sich die Augen zu, weil sich gerade auf der Bühne wieder soviele nackte Männer mit Kartoffelbrei beschmieren.

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Ein unheilvoller Kinderreim: Die Protagonistinnen in “Hässliches Menschlein” sind familiär und gesellschaftlich ausgegrenzt. (Hier unsere Kritik auf Hessisch).

Pfui! Hässlich! Elif Ürse, Yelda Baskın und Gülce Uğurlu. Foto: Martin Kaufhold.

Auf die Rückwand der Bühne sind Körperumrisse gemalt, als habe die Polizei nach einem Unfall mit Kreide markiert. In der Gemeinschaftsproduktion der türkischen Off-Theatergruppe oyun deposu stehen die Umrisse an der Wand aber symbolisch für das Wunschformat dreier ziemlich lebendiger Frauen in der Türkei, die nicht so sind, wie die anderen sie gern hätten. Und das, obwohl sie doch alle gleichermaßen jung sind und schön und auf der Straße eigentlich nur deshalb auffallen sollten. Anfangs versuchen sie keuchend angestrengt, in das aufgemalte Wunschformat zu passen, verbiegen und strecken sich, und kapitulieren am Ende.

Jede hat ihre eigene, fragmentarische Geschichte. Die Erzählstränge kreuzen sich zwar nie, weisen aber Parallelen auf. Es entstehen Situationen auf der Bühne, die bei den drei Frauen ähnlich verlaufen. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind ein Störfaktor in der türkischen Gesellschaft, hängen irgendwo im Nirgendwo zwischen Tradition und Moderne und werden ausgegrenzt. A (Elif Ürse) verbirgt ihr Haar unter einem Kopftuch, denn sie möchte das Erbe ihrer Mutter sichtbar tragen. Gebete auswendig zu lernen, das war als Kind wie ein Spiel für sie. Dann wurde in der Schule plötzlich das Kopftuch verboten: Muslima oder Atheistin, inzwischen weiß sie nicht mehr, was sie glauben soll. (more…)