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Finnish director Kristian Smeds has succeeded in staging an impressive production about the painter Vilho Lampi. It is surprising and provoking – and lasts nearly four hours.

Finnish artist Vilho Lampi in "God Is Beauty". Photo: Martin Kaufhold

Splinters of wood fly through the air as the painter Vilho Lampi is seized by inspiration and thrashes an ax into a piece of timber. Sweat drips relentlessly, and it seems as though this man is drawn to his artworks with urgency, as though he has been kissed by desperation instead of a muse. Kristian Smeds’ “God Is Beauty” is based on the story of Vilho Lampi’s life, as recorded by the Finnish author Paavo Rintala in 1959. However, this is not a biography, but rather “a book about beauty,” Smeds quotes the author’s words shortly before the performance begins. True to this motto, the protagonist’s excruciating search for the divine and beauty pervades throughout Smeds’ staging of the artist’s biography, which begins in Vilho Lampi’s youth.

Painting for cows

This is depicted on stage through scenes of the young Lampi whipping a rope above his head, frantically dancing to klezmer music, speaking to imaginary people in matchboxes and attempting to reinvent art with his paintings. The role of the painter is divided among Kristian Smeds’ fantastic ensemble (Katja Kukkola, Tarja Heinula, Timo Tuominen, Taisto Reimaluoto, Tuomas Rinta-Panttila); Lampi is played by three men and two women. (more…)


Der Finne Kristian Smeds schreibt, inszeniert und filmt, und das in aller Seelenruhe.

Kristian Smeds macht nichts im Eilverfahren. Allein für sein Stück “Gott ist Schönheit” hat er vier Monate mit seinen Schauspielern geprobt, damals für die Uraufführung vor zehn Jahren in Helsinki. Nachdem die Produktion im Premierenjahr dreißig Mal aufgeführt wurde, ist sie heute nur noch selten zu sehen. Einzigartig soll sie bleiben, denn Smeds liegt jede einzelne Aufführung am Herzen. Bevor der gut dreieinhalbstündige Theaterabend beginnt, der nur einmal bei der diesjährigen Biennale zu sehen war, gibt der Regisseur und Autor selbst eine kurze Einführung.

Nimmt sich Zeit für seine Schauspieler und Musiker: Kristian Smeds. Foto: Eeva Bergroth

“Ein paar einleitende Worte tun dem Verhältnis zwischen Bühne und Zuschauerraum gut”, erklärt Smeds. Lässig sitzt er nach Vorstellungsende im Foyer des Kleinen Hauses in Wiesbaden. Seine kräftige Statur und der Bart passen zu dieser sympathischen Coolness. Als Junge habe er den Roman von Paavo Rintala gelesen, auf dem Stücktext und -titel basieren, und sich sofort in den Stoff verliebt. Seitdem reifte seine Idee einer Dramatisierung. Smeds nimmt sich für das Schreiben ebenso wie für Publikum und Probenprozess ausreichend Zeit. Es sei ihm wichtig, dass alle Beteiligten in Ruhe arbeiten können. Smeds arbeitet antizyklisch und setzt auf Langfristigkeit: “Unser Ziel ist es, das Stück so lange am Leben zu halten, wie wir leben”, erklärt er. Und das meint er keinesfalls ironisch. (more…)


Dem finnischen Regisseur Kristian Smeds ist eine beeindruckende Inszenierung über den Maler Vilho Lampi gelungen. Sie überrascht, fordert heraus und dauert fast vier Stunden.

Vilho Lampi: ein Bilder schlagender Künstler in Kristian Smeds Künstlerbiographie. Foto: Martin Kaufhold

Holzsplitter fliegen durch die Luft, wenn der Maler Vilho Lampi mit einer Axt auf einen Balken eindrischt und die Inspiration ihn packt. Schweiss trieft und es scheint, als sei es Dringlichkeit, die den Mann hin zu seinen Kunstwerken treibt, als sei er weniger von der Muse und eher von Verzweiflung geküsst. Kristian Smeds’ “Gott ist Schönheit” basiert auf der Lebensgeschichte des Malers Vilho Lampi, die 1959 vom finnischen Autor Paavo Rintala schriftlich festgehalten wurde. Das sei keine Biografie, sondern “ein Buch über die Schönheit”, zitiert Smeds den Autor kurz vor Beginn der Vorstellung. Und tatsächlich zieht sich die schmerzhafte Suche des Protagonisten nach dem Göttlichen und Schönen durch Smeds Inszenierung einer Künstlerbiografie, die in der Jugend Vilho Lampis startet.

Auf die Bühne gebracht, sieht das dann so aus, dass der junge Lampi ein Seil über dem Kopf schwingt, ausgelassen zu Klezmermusik tanzt, mit imaginierten Personen in Zündholzschachteln spricht und mit seinen Gemälden die Kunst neu erfinden will. Die Rolle des Malers teilt Kristian Smeds fantastisches Ensemble (Katja Kukkola, Tarja Heinula, Timo Tuominen, Taisto Reimaluoto, Tuomas Rinta-Panttila) untereinander auf. Lampi wird von je drei Männern und zwei Frauen gespielt. Das Verlangen nach Ausdruck und Sinnlichkeit des Künstlers bekommt dadurch viele Gesichter und lässt sich nicht auf ein Geschlecht festlegen. (more…)


Joël Pommerats “Kreise/Fiktionen”, ein Spiel mit Dunkelheit.

Nebulöse Lichtexzesse. Foto: Martin Kaufhold

“Un spectacle” übersetzt man ganz neutral “Theatervorstellung” ins Französische. Doch was Joël Pommerats “Cercles/Fictions” angeht, kann man seine Vorstellung auch im Deutschen ganz beruhigt ein Spektakel nennen. Aber worum geht es überhaupt, wenn Pommerat eine Unmenge von Szenen aneinander reiht und sie in einem fast vollständig dunklen Amphitheater spielen lässt. Da wäre die Aristokratin, die nicht versteht, dass die Krankheit ihres Babys ernst ist. Das Baby stirbt. Weiter ein Aristokrat, der auf der Gleichheit zu seinen Dienern besteht, um einem von ihnen seine Liebe gestehen zu können. Und schließlich der Mann, der im Parkhaus eine Pennerin trifft, die ihm prophezeit, er werde am nächsten Tag einen Sprung auf der Karriereleiter machen.

Sie nennt ihn “Ritter”. Dann fordert das selbsternannte Dornröschen den Beischlaf, damit ihre Vorhersage eintritt. Märchenmotive dringen in die Wirklichkeit ein, Wunschdenken wird zur Kausalität. Et voilà, die Prophezeiung erfüllt sich, während ein ansonsten erfolgreicher Topmanager bei der nächtlichen Organsuche für seinen todkranken Sohn ins Reich der Penner absteigt, um dort tragischerweise zu versagen, und ein Haustürverkäufer die Bibel des Erfolgs feil bietet. Glück ist eine Ware, man kann sie kaufen, trägt man sich nur selbst zu Markte. Doch sich verkaufen macht nicht immer glücklich. (more…)