Posts Tagged ‘Sehenswürdigkeit’


Das Festival beginnt heute: Was an Sehenswertem außer Bühne und Festivalzelt gibt es an den Austragungsorten Mainz und Wiesbaden? Die erste Ortsbegehung führt zu einem Beamtenwohnkomplex in Mainz.

Nicht den Dom, nicht die Christuskirche, nicht den Kirschgarten in der Altstadt, nicht die von Marc Chagall gestalteten Chorfenster in der St. Stephanskirche, kurz, nicht die allseits bekannten Touristenfallen möchte der Wahlpflichtmainzer Ihnen ans Herz legen, sondern einen Straßenstummel, der gemeinhin übersehen wird.

Es findet sich kein Rhein in der Nähe, kein schickes Café, keine exklusive Boutique, einzig der nicht sonderlich sehenswerte Mainzer Hauptbahnhof grüßt und lärmt nebenher: Die Baentschstraße bietet keine Kunstwerke und auch keine Souvenirs, dafür aber einen Eindruck. Sie ist tatsächlich nur eine Straße, kaum hundert Meter lang, einen Hügel sich hinaufschlängelnd und so eng bebaut, dass sie ein Mikrokosmos ist. Damals, 1905 wurde die Straße, genauer dieser dichte, verwinkelte Gebäudekomplex, als preiswerte Wohnanlage für Beamte errichtet, den Weltkrieg überstand sie im Gegensatz zum Großteil der Stadt unbeschadet.

Ein Blick in die Mainzer Baentschstraße - fehlende Übersicht ist gerade das, was diese Straße auszeichnet

Verwunschen bewachsen. Eine Terasse in der Mainzer Baentschstraße. Foto: Jakob C. Heller

Heute ist sie Momentum einer urbanen Baukultur, deren Selbstverständnis nicht dem Zweckbau huldigt, sondern der Verzierung, dem Ornament noch Platz einräumt. Vorsprünge, Treppen, Balkone, Erker und kleine Türmchen erzeugen das Gefühl, ein wenig zwischen den Zeiten und Räumen verloren zu sein. So sieht es aus, wenn Historismus, Jugendstil und ein radikaler Eklektizismus auf die städtische Platznot in der Hochzeit der Industrialisierung treffen.