Posts Tagged ‘Theater’


Tankred Dorst und Ursula Ehler im Gespräch über Brecht, das Internet und die Theaterkritik

Ursula Ehler und Tankred Dorst bei der diesjährigen Festivaleröffnung (Foto: Lena Obst).

Sind Sie zufrieden mit dem Festivalverlauf?
Tankret Dorst:
Ja, ich bin bisher sehr zufrieden. Die Produktionen sind unterschiedlich, und das war auch unsere Absicht. Der Ansatz ist nicht, in all diese Länder zu fahren und zu sagen, das Theater soll so und so sein, sondern wir gehen hin und wissen nicht, wie das Theater sein soll. Wir gehen hin und sehen, dass es in verschiedenen Ländern verschieden ist. Und Verschiedenheit ist ja eine Tugend.
Ursula Ehler: In der Kunst schon.

War der neue Europabegriff, mit dem man seit den 1990er Jahren zu tun hat, ein Grund das Festival zu initiieren?
Dorst:
Ein Grund war es nicht.
Ehler: Aber dadurch hat das Festival andere Voraussetzungen und Impulse bekommen.
Dorst: Wir sind erst mal aus Neugier gereist.
Ehler: Als wir angefangen haben, wussten die interessierten Leute, was in Westeuropa passiert, in Avignon, Holland, Italien oder Spanien. Aber wir wussten überhaupt nichts von der anderen, (more…)


Die letzten Korrekturen sind gemacht, das print2blog befindet sich in der Druckerei. Ab Morgen ist es in den Theatern, Geschäften und Fußgängerzonen in Wiesbaden und Mainz zu haben (Foto: Katrin Schmitz).


Als im Jahre 509 die Demokratie in Athen wieder eingeführt wurde, stellte sich heraus, dass die Polis für zwei Institutionen größere Räume brauchen würde: für die Volksversammlung und für das Theater! Ich betone dieses historische Detail nicht, um damit die Rolle des Theaters in der Geschichte unserer Zivilisation hervorzuheben (more…)


Die Theater machen genau das, was das Land schon vom Anfang der Krise hätte machen sollen. Sie sparen.

Seit dem Beginn der Krise ist der Umsatz in der Buchbranche um etwa 40% gefallen. Die Kinos haben 25% ihres Publikums eingebüßt. Die meisten Restaurants sind in den Wochentagen leer. (more…)


Die überwiegende Mehrheit der Theaterhäuser in Ungarn ist öffentlich subventioniert, hauptsächlich von regionalen Selbstverwaltungen, aber auch Stadttheater sind recht häufig. Diese Theater haben es alle schwer, muss ich sagen. Beim einen oder anderen führenden Politiker scheint sich (more…)


Ich gehe ins Theater. Was soll ich sonst tun? „Iokaste mit vierzig Jahren“ oder so heißt das Stück. Es wird irgendein modernes, experimentelles Stück sein, eins von denen, die angeblich Mythen richtig stellen. Haben die noch nicht genug von Ödipus und Iokaste und ihren Faseleien? (more…)


Manchmal ist es schwer, Norweger zu sein. Dabei ist Norwegen wahrscheinlich das einzige Land in Europa, das zurzeit keine Schuldenprobleme hat, dessen Geldproblem im Gegenteil einzig darin besteht, zu viel davon zu haben und keinen politischen Schneid, es vernünftig einzusetzen, aber… Ich sage aber. Es gibt immer ein Aber. Und das Aber hat oft etwas mit Identität zu tun. (more…)


Ratlose Städte lassen ihre Kulturetats im Internet diskutieren

Der Deutsche Bühnenverein hat jüngst gefordert, die derzeitigen Steuermehreinnahmen für eine „Initiative der Bundesregierung zugunsten von Bildung und Kultur“ zu nutzen. Das hört sich vernünftig an und würde bedeuten, dass der Bund etwas von dem an die Kommunen zurückgibt, was er ihnen in den letzten Jahren unter anderem durch die Senkung der Gewerbesteuer weggenommen hat. Besonders nötig wäre das im Moment in Schwerin. (more…)


Eine kleine Theatertierkunde.

Plustert sich gerne auf: Der Intendant. Hat zuletzt Henry IV inszeniert. Im Hintergrund der Oberspielleiter, inszeniert gerade Henry VI.

Das alte Ehepaar. Halten sich die Augen zu, weil sich gerade auf der Bühne wieder soviele nackte Männer mit Kartoffelbrei beschmieren.

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Tot wird es nicht sein, das Theater. Aber möglicherweise gehe ich nicht mehr direkt hin. Als Zuschauer bin ich entweder vor Ort oder kann aus der Ferne über Live-Blog, Webcam und Gedankenübertragung, bei Schauspielstil, Regiekonzept und Stücktext zwischen je fünf Varianten zu wählen. Klassikerinszenierungen werden wieder konservativer, weil authentisch historische Kostüme nicht mehr so teuer sind. Dafür werden Kostümbildner eine Ausbildung in digitaler Medienkunst brauchen. Die neuen Stücke werden von konkreteren Dingen handeln. Da das Allgemeine alles schon erzählt ist, wird das Individuelle mehr in der Vordergrund rücken. Per illegaler Datensammlung lässt sich ja schnell ermitteln, wo das interessierte Publikum für das Leid der Pelikanhüter im Duisburger Zoo sitzt. Die Theaterkritik wird ein Konvolut aus allen geäußerten Meinungen, Gedanken und den Produktionsbedingungen sein. Es wird alles total toll sein.


Jogi Löws Gazellenensemble spielt in der Wiesbadener Goldgasse: eine Fußballkritik.

In ihren schwarzen Kostümen und im Kontrast zu den gegnerischen Akteuren in den blendendweißen Leibchen wirken die Akteure wie eine moderne Version von Shakespeares Capulets und Montagues. Die Gang-Performance ist alles andere als statisch. Der Auftritt des staatlichen Tourneetheaters Deutschland auf der größten Freiluftbühne Afrikas erfordert Nerven wie Drahtseile. Es ist eine doppelte Premiere: Regisseur Jogi Löw debütiert mit seinem staksigen Gazellenensemble bei den Weltfestspielen und die wiederum finden zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent statt. Deutschland gegen Ghana im „Theatre-Slam“. Sein oder Nicht-Sein. Es gibt keinen Stücktext, keine Handlung, wer improvisierend überzeugt, gewinnt das Performance-Battle. (more…)


Nicht nur das Theater ist für junge Kritiker ein Anziehungspunkt, auch das Casino hält einiges bereit. Wer die Spielbank drückt, bemerkt die billigen Tricks beider Spielstätten.

Tritt ein in den Spielraum. Foto: Judith Kärn

Faites vos jeux!, murmelt der Croupier mit Samtstimme. Gelassen verteilt er Jetons für das nächste Roulettespiel. Er hat Charme, Stil und seine naiv dreinschauenden Augen locken, all die guten Ratschläge der Eltern über Bord zu werfen, selbst zum infamen Spieler zu werden und in die dunkel-faszinierende Welt der Sucht tief einzutauchen. Faites vos jeux! ist auch die Devise des Theaters und wie sich das Casino eines gutaussehenden Sunnyboys bedient, biedern sich im Theater attraktive Schauspieler an, die den Traum von der anderen Welt des Glücks wahr machen wollen.

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Mein Zehnter zum Zehnten der Biennale

Ich feierte mein 10-jähriges Jubiläum 1993, dem Jahr, in dem Clinton Bush Senior als Präsident ablöste und es den ersten Sprengstoff-Anschlag auf das World Trade Center in New York gab. In Maastricht wurde der Vertrag unterzeichnet, der die Europäische Union begründet und den Grundstein für eine gemeinsame Währungs- und Wirtschaftsunion gelegt hat. In Russland fanden die ersten freien Wahlen statt. Während dieser großen Ereignisse in Übersee und in Europa war ich aber hauptsächlich damit beschäftigt, mich aufs Gymnasium zu freuen. Bei meinen Eltern nachgefragt, beschreiben sie mich 10-jährig einhellig (und das ist selten!) als “überaus selbstbewusstes Mädchen”. Montags gab’s Ballettunterricht und danach Spritzkuchen beim Heberer-Bäcker, donnerstags Theater spielen bei Sibylle Sohl. Das Schönste daran: nach meinem eigenen Kurs noch den Großen beim Spielen zugucken. Ein weiterer Grund zur Freude: Die Dramatische Bühne engagierte ein anderes Mädchen aus meiner Gruppe und mich für Thomas Manns “Wehklag Dr. Fausti”. Aufgeführt wurde die Inszenierung im Metropolis-Gebäude am Eschersheimer Turm, das damals noch Volksbildungsheim hieß. Die Gespräche mit dem anderen Mädchen auf den kalten Treppenstufen des Theaters in den Spielpausen waren der Beginn einer bis heute anhaltenden Freundschaft.


Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

neulich stand ich auf einer Premierenparty bei einem Glas Sekt zufällig am Stehtisch neben Henry Miller und Roberto Ciulli. Meine Salzstangen waren mir gerade ausgegangen, und ich stellte mich möglichst unauffällig zu ihnen, griff nach dem Snackbehälter und lauschte andächtig: Auf keinen Fall wollte ich ihre Diskussion stören. Nein, eher war es ein Diskurs über zeitgeistige Themen: über Empfindungen, Identität und Kommunikation, diese großen Worte eben.

Ciulli strich sich aufgeregt durch das lange Haar, fuchtelte mit den Armen, und rief immer wieder, (more…)


Zwischen der Theaterbiennale von 2008 und der diesjährigen liegt eine Finanzkrise, die nicht nur das Leben der Europäer, sondern auch die Fundamente des globalisierten Finanzsystems erschüttert hat. Die Regierungen konnten die Krise nur dadurch bremsen, dass sie Milliardenbeträge aus den Geldern der Steuerzahler in die Kassen der Banken fließen ließen. Es ist, als ob man den Leuten sagte: „Ihr müsst euren Arbeitgebern finanziell unter die Arme greifen, wenn ihr nicht auf der Straße landen wollt.“ Unter normalen Umständen wäre das Erpressung. Aber die Krise ist ja kein normaler Zustand.

Manche sagen, dass wir die Krise überstanden haben, andere, dass sie noch nicht vorbei ist. Egal, ob man jetzt das Glas halb voll oder halb leer sieht, sicher ist, dass diese Krise Arbeitsplätze gekostet, die Staaten in die Verschuldung gestürzt und die Bürger ärmer gemacht hat.

In den letzten anderthalb Jahren suche ich auf den griechischen Bühnen ein Stück, das sich mit der Krise auseinandersetzt. Bis jetzt habe ich kein einziges gefunden. Die Theater bangen wegen der Krise um ihre Subventionen, nicht aber um deren Folgen für die Gesellschaft. Dabei fällt die Krise in Griechenland aus internen politischen Gründen viel schärfer aus als in vielen anderen Ländern der EU.

Ich bin kein Nostalgiker der 70er Jahre. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt heutzutage, trotz Irak, Guantanamo oder Afghanistan, besser dasteht als vor 40 Jahren. Also fehlt mir auch das politische Theater von damals nicht besonders.

Was ich aber in den letzten Jahren vermisse, ist die „Barometer-Funktion“ des Theaters. Früher galt das Theater als eine Art Barometer. Es fing die Vibrationen der Gesellschaft auf und brachte sie auf die Bühne. Heute ist das Theater viel mehr auf sich selbst bezogen. Der „Spiegel der Gesellschaft“ wird zunehmend zu einem Schminktisch.

Hoffentlich werden die Stücke der Theaterbiennale 2010 beweisen, dass ich falsch liege.


Ich sehe einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen den berüchtigten Mohammed-Zeichnungen aus meinem Land und der europäischen Krise in der Behandlung des Politischen in der Kunst – auch im Theater.

Lassen Sie mich es kurz vertiefen: Die schrecklichen Mohammed-Zeichnungen decken den Selbstbetrug einer Reihe von Gesellschaften auf, die die Fähigkeit zum politischen Denken und Handeln einer heißblütigen, aber erfolglosen Debatte über kulturelle Freiheit UND kulturelle Identität opfern, – und der Skandal passt genau in die implizite und potentiell kriminelle Absprache zwischen Kunst und Staat seit dem 2. Weltkrieg: Die Überführung des Politischen und Staatlichen in den kulturellen Bereich, wo alle Leute verstehen und am Diskurs teilnehmen können, aber wo niemand Recht hat, weil emotionale und kulturelle Werte auf dem Spiel stehen und nicht politische, auf Vernunft basierte Handlungen und Ideen.

Das ist eine Strategie, die jede eigentliche Kritik z. B. an der dänischen Regierung auf Abstand hält, während die Debatte über das Recht auf freie Meinungsäußerung tobt, leider in einem Raum, in dem es nichts Politisches gibt und in dem die Regierung keine Verpflichtung hat.

Das Problem ist hier ja, dass die kulturelle Macht die zentrale Macht in der modernen westlichen Gesellschaft ist, hierzu zählen Kunst, Sport, ja Werte und kulturelle Identität. Aber eins ist sehr schwierig in diesem Machtgefüge zu diskutieren, und das ist das Politische, weil Kunst und Politik Gegensätze sind, Kinder des Religiösen bzw. des Philosophischen.

Hier kommen wir an den Kern der Sache: Der Grund dafür, dass die Sache mit den Mohammed-Zeichnungen unmöglich zu lösen ist und nur noch mehr Zerstörung vor sich hat, ist die Tatsache, dass die Zeichnungen eine politische Antwort auf eine (abgestumpfte) künstlerische Aussage fordern, und eine solche Antwort lässt sich nicht geben. Aber nochmal, wir haben uns daran gewöhnt, vergebens zu warten, denn wir haben uns daran gewöhnt, künstlerische Aussagen über etwas zu hören, was eigentlich eine politische Depression ist, und diese Antwort kommt auch nie. Das heißt, sie kommt unaufhörlich und ununterbrochen von Millionen europäischer Künstler, aber die Antwort hat nichts mit dem eigentlichen Leiden zu tun: Dass die westliche historische Entwicklung stehen geblieben ist und wie in einem Isolationsgefängnis die Zukunft der Gegenwart gleicht: die erste Ursache für Wahnsinn.

Die Sache mit diesen hässlichen und diffamierenden Zeichnungen zeigt mir, dass der moderne Künstler, hoch oder niedrig, vor einem unlösbaren Paradox steht. Er hat über das Politische gesiegt, aber seine Macht lähmt sein Tun. Er hat zwei Wahlmöglichkeiten: Er kann sich der Staatsmacht anschließen und Oden an die jeweilige Regierung verfassen. Er kann sich der Staatsmacht auf einer geheimen Lohnliste anschließen und eine hohle und künstliche Dissidentenkunst vorbringen.

Oder er kann die Augen zumachen und so tun, als sei alles wie immer: Der Staat und die Macht sind nach wie vor eine autonome Größe, in der eine kafkaeske Machtfülle herrscht. Die Bevölkerung hat keinen Einfluss, Kunst und Kultur sind ein Volkshochschulprojekt, das absehbar eine bessere und gesündere Demokratie schafft.

Aber nichts ist, wie es mal war. Alles hat sich geändert. Die handlungsgelähmte, auf Werte basierte Gesellschaft, vom modernen Künstler geboren, ist auf dem Weg in den Abgrund. Wie können wir nun unsere eigene destruktive politische Allmacht als Theaterkünstler abbauen?

Die Antwort ist kurz: Stellen wir das Ästhetische wieder her, wählen wir das Ethische ab. Kunst und Theater haben keine Verpflichtungen was Werte, Gesellschaft, Staat oder Religion betrifft. Theater hat nur eine Verpflichtung: Theater.

Aus dem Dänischen von Bitten J. Stuhlmann-Laeisz


Das Theater hält den Spiegel, sagt Hamlet. Einen machtvollen Spiegel, der in die Vergangenheit sieht und die Zukunft träumt. Einen Spiegel, der sich einbildet, niemals zu lügen, niemals zu trügen, und der, wenn er trügt, die Wahrheit sagen will. Und während wir seit Jahrhunderten der Welt den Spiegel vors Gesicht halten, wir, die wir ihn halten und uns zugleich in ihm besehen, und ihr, die ihr euch nur beseht, wir fragen uns oft nach dem Sinn dieses Besehens.

Als was treten wir vor den Spiegel und als was wenden wir uns wieder zurück? Was suchen wir mit dem Spiegel, heute, was haben wir gestern gefunden? Gibt es etwas Neues auf dieser Welt, damit wir den Spiegel dieser Herrlichkeit oder diesem Grauen oder einer Sache zukehren, die weder das eine noch das andere ist, sondern einfach ungesehen?

Denn seit Tausenden von Jahren gehen dieselben Gesichter an diesem Spiegel vorüber; aufgebläht vor Größe, bereit zu Mord, zu Märtyrertod, zu ganz gewöhnlichem Tod, aber doch exklusiv in gleich welchem Sinne, Gott als Opfer dargebracht, einer Idee, einer Liebe oder dem Alltag, und wir können uns ihrer hartnäckigen Unveränderlichkeit nicht satt wundern.

Wir besehen sie von allen Seiten, wir zertrümmern das Glas und werfen es ihnen vor die Füße, sie springen aus der Rüstung in den Anzug, aus der Kutsche ins Automobil, statt mit Schwertern fuchteln sie mit Handys, und bleiben in ihrem Wesen dieselben. Sie können sich dem Spiegel nicht stellen. Sie können aus der Begegnung mit dem Spiegel nichts lernen. Und wenn sie sich wiedererkennen, erinnern sie sich, dass unser Spiegel Lüge ist, ihnen ist alles Hekuba, an Traumgesichte vergossene Tränen.

Manchmal erscheinen mir die Gestalten des Theaters, unser Hamlet, unsere Medea, unser Agamemnon, wirklicher als wirkliche Menschen. Jedenfalls sind sie für mich glaubhafter. Ich verstehe ihre Ursprünge des Guten und des Bösen. Das wirkliche Böse ist für mich unwirklich, unbegreiflich. Vor ihm zerspringt der Spiegel. Warum ihn dann weiter in der Hand halten? Die Finsternis erkennt sich im Spiegel nicht. Sollen wir den Spiegel nur dem Guten vorhalten? Auch das Gute kann besser sein.

Gibt es einen Menschen, ob gut oder böse, oder weder gut noch böse, sondern ein Mensch, der vor diesen Spiegel tritt und sich, gereinigt und geläutert in der Begegnung mit sich selbst, wieder der Welt zukehrt? Ich weiß es nicht, aber in einer Welt, die kopflos davonstürmt, ist das Theater Teil jener Kraft, die stets das Gute schafft. Es ruft auf zur Toleranz, bietet den Blick auf den anderen, zu einem anderen, ruft auf zum Atemholen im allgemeinen Davonstürmen. Es fordert auf, in den Spiegel zu schauen. Und deshalb muss jemand diesen Spiegel halten. Denn in seiner Selbstliebe ist der Mensch bereit, alles zu zerstören.

Um seines Dünkels willen ist er bereit, ein Loch in die Kugel zu bohren, auf der wir uns drehen. Und deshalb muss jemand ständig mit diesem Spiegel winken. Mit dem Spiegel rufen, fluchen, singen, weinen, lachen, mit dem Spiegel. Vielleicht wird, vor dem Spiegel, auch die Finsternis, für einen Augenblick, erzittern.


Le théâtre est une deuxième chance donnée à l’écriture. La première chance est le livre, la deuxième est le plateau de théâtre. Je pense toujours en ces termes. L’écriture destinée au théâtre a sa part littéraire et sa part physique. Cette dernière peut être absente d’une écriture uniquement destinée au livre, mais jamais d’une écriture pour la scène. Et l’inverse pour moi doit être tout aussi exigible. Cette perspective complexe ne cesse de me remuer, et pour moi l’acte poétique tient dans cette traversée des deux mondes. Je n’ai pas besoin de m’exiler du théâtre pour penser roman, poésie ou cinéma : je me le permets dans cette écriture pensée, façonnée, tout autant  pour les yeux que pour des  corps, pour des espaces et des temps  qui sont assez souvent, d’ailleurs, sur la scène irréconciliables.

L’écriture destinée au théâtre doit se libérer des frontières de « son genre ». Il faut la perturber de tentations diverses, la traîner hors de son territoire, tout est bon roman, poésie, cinéma , art visuel, travail de l’image. La question de l’espace m’a amenée par exemple  à travailler la page ( ou l’écran) comme un espace plastique. Dans certains de mes  textes j’utilise des signes qui ont à voir avec l’image, des pictogrammes qui expulsent, en réalité, le mot, donc, le son qu’il a, et créent un rapport ambigu à la parole, au geste. Et l’ordinateur a ici une importance capitale. J’aimerais un jour arriver à mettre l’écriture en mouvement, comme la camera a mis l’image en mouvement.. L’ordinateur est-il l’outil permettant d’y parvenir : faire vivre et bouger l’écriture, faire voyager une phrase d’un endroit à un autre, la faire sortir du cadre ou la faire se promener, courir sur l’écran, tout à fait, de manière analogique, comme un corps se déplace sur un plateau ?

Nous sommes limités dans nos outils, l’ordinateur est en train de nous en donner de nouveaux. Il faut se servir de ces possibilités pour explorer la page, pour animer le cadre avec des mots qui sont des sons, avec des images qui sont des mots.

La didascalie est ainsi pour moi , auteur scénique, une question récurrente et passionnante. Elle est la part romanesque cachée du théâtre, sa part amputée. C’est l’instrument majeur et pourtant sacrifié de tout ce qui met en place l’image, le mouvement, l’espace dans l’écriture théâtrale. Comment fait-on pour faire bouger les choses si on rejette le principe de cette didascalie ? Je la travaille tout à fait autrement,  soit en parsemant la parole d’informations climatiques, temporelles, géographiques. Tout est contenu dans la parole. Soit je débarrasse la parole de toute indication scénique  et tente de trouver une autre manière de rendre lisibles ces informations. La page blanche est à elle seule une grande didascalie, si on confond la page avec la scène théâtrale future. Et la typographie devient alors l’un des moyens possibles pour signaler le mouvement, l’écart, la fuite.

extract of an interview by Yoann Barbereau


An Jubiläen wird gerne zurück geschaut. Aber der Blick geht immer auch nach vorne. Auch die nächste Biennale Neue Stücke aus Europa, die im Juni 2010 ihren zehnten Geburtstag feiert, geht voran auf neuen Wegen – im Internet.

Auf der neuen Online-Plattform newplays-Blog schreiben die “Paten” des Festivals, Theaterautoren aus 41 europäischen Ländern, die der Stückeauswahl des Festival beratend zur Seite stehen, und über europäische Kulturszenen berichten. Sie debattieren über europäische Theatertendenzen, reflektieren den eigenen Standpunkt und das eigenen Schaffen und überlegen miteinander, wie sich das zeitgenössische Drama in Europa versteht und entwickelt. Bisher fanden diese Diskussionen vor allem während des Festivals statt, nun gibt es mehr Platz und mehr Zeit dafür, etwa sechs Monate.

Das Spannende ist: Alle Theaterinteressierten können sich an dieser Diskussion beteiligen und die Gedanken der Paten kommentieren, ergänzen, weiterführen, verlinken. Also lesen, schreiben und machen Sie mit! Und kommen Sie im Juni an das Staatstheater Wiesbaden und das Staatstheater Mainz, um die ausgewählten Stücke zu sehen und das europäische Theater und die schreibenden Paten live zu erleben.