Posts Tagged ‘Wiesbaden’


Die letzten Korrekturen sind gemacht, das print2blog befindet sich in der Druckerei. Ab Morgen ist es in den Theatern, Geschäften und Fußgängerzonen in Wiesbaden und Mainz zu haben (Foto: Katrin Schmitz).


… dann startet NEUE STÜCKE AUS EUROPA mit seinem Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen. Noch einmal schlafen, dann kann hier in einem Live-Blog von der zweiten Pressekonferenz nachgelesen werden, welche Stücke sich zu den ersten zehn Einladungen gesellen dürfen.

10.43: Seit einer halben Stunde suche ich im großen Foyer in Wiesbaden den Internetzugang. Das Laptop fühlt sich wohl, wo es so hübsch durch die Gegend getragen wird. (more…)


Eine kleine Theatertierkunde.

Plustert sich gerne auf: Der Intendant. Hat zuletzt Henry IV inszeniert. Im Hintergrund der Oberspielleiter, inszeniert gerade Henry VI.

Das alte Ehepaar. Halten sich die Augen zu, weil sich gerade auf der Bühne wieder soviele nackte Männer mit Kartoffelbrei beschmieren.

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Wollen Sie sich vom Festivalstress erholen und dabei noch etwas sehen? Zehn Minuten Busfahrt nördlich vom Staatstheater liegt der Wiesbadener Stadtteil Eigenheim. In ruhiger Atmosphäre lassen sich hier ganz andere Formen der Inszenierung betrachten. Einer unserer Ausflugstipps.

Versteckte Villen: Wiesbaden-Eigenheim. Foto: Lea Gerschwitz

Mit dem Bus zum “Eigenheim”. So heißt die Endstation der Linie 8. Bitte alle aussteigen. Wer hier, im so nüchtern klingenden Stadtteil im Wiesbadener Nord-Osten ein Haus sein eigen nennen kann, hat es wohl geschafft. Jedes Haus ist eine Anlage: Gründerzeitvillen mit Stuck und halbrunden Erkern stehen neben großzügigen Fachwerkhäusern, Backsteinbauten mit unendlichen Doppelfensterreihen und schlossähnlichen Türmchen. Wie sich in diesem Wohngebiet Architekten in großen Formaten ausgetobt haben, ist selbst für Wiesbadener Verhältnisse beeindruckend. Schlichtere Mehrfamilienhäuser tauchen zwar auch vereinzelt auf, wollen aber nicht so recht nach WI-Eigenheim passen. Wer ein paar Straßen entlangläuft, bemerkt, wie die Vorgärten immer parkähnlicher werden, wie die Gebäude immer weiter von den Gehwegen wegrücken, bis schließlich nur noch verschnörkelte Eisentore und entfernt Terrassen und Ziergiebel zu erkennen sind. Privatsphäre und Sicherheit sind garantiert. Die Szenerie verändert sich schlagartig, als ein grau-brauner Baukoloss in Sichtweite kommt. Umringt von Stacheldrahtzaun und Kameras sieht er aus wie ein Hochsicherheitsgefängnis. Hier sitzt das Bundeskriminalamt, sicherer geht es nicht. Aber schöner? Dann doch lieber zurück ins Eigenheim.


Heiđar Sumarliđason als Bunny-boy. Foto: Lena Rittmeyer

Abschluss des Forums junger Autoren Europas mit szenischen Kurzlesungen im Park. Auch wir fassen uns kurz in unseren Kritiken mit maximal 160 Zeichen.

1. “It’s okay to eat fish cause they don’t have any feelings” – Kindheitserinnerungen durch Nirvana-Zitat geadelt. Etwas zu gehaucht gelesen, mehr Power! Trotzdem: Danke für den Fisch.

2. Londonerin, Ankunft in Wiesbaden, im Hotelzimmer der Schock: Gekreuzigter Mann philosophiert übers Leben und blutet den Holzboden voll. Real, irreal, ganz egal, phänomenal.

3. Wow. Raben, Regen, Shakespeare & eine kleine Romanze unter Säulen. Süß vorgetragen. War schon ziemlich LOL.

4. D.Krieg in seinemLand katapultiert einenAutor nach oben.Sarkastisch-spacig bringt derMonolog+Drive dieAbsurdität d.kreativenVerwertg.v.Kriegstraumata aufnPunkt. (more…)


Die Schokoladenmanufaktur Kunder in Wiesbaden ist besonders für eine Süßigkeit berühmt. Wir haben probiert.

Mag alle Pralinen: Verkäuferin Lena Betz. Foto: Judith Drokur

“Stammhaus der Wiesbadener Ananastörtchen” ist auf einem Schild an der Chocolateria Kunder in der Wilhelmstraße zu lesen, an dem ich jeden Tag auf dem Weg zu unseren Redaktionsräumen vorbeilaufe. Seitdem gehen mir diese Ananastörtchen nicht mehr aus dem Kopf. Ich muss sie endlich probieren und betrete den Laden. Seit 1898, als die Chocolateria im Familienbetrieb gegründet wurde und Wiesbaden noch Kurhauptstadt war, sind die Kunders berühmt für ihre Ananastörtchen. “Die Kurgäste brauchten schließlich was Süßes zum Mitnehmen und waren begeistert von der exotischen Frucht”, erzählt Geschäftsführerin Charlotte Brand. Die Confiserie hat viele Stammkunden, die ein bis drei Mal pro Woche ihre Ration abholen, meistens prall gefüllte Pralinentüten. Schokolade hilft schließlich beim Entspannen.

Die berühmten Ananastörtchen. Foto: Judith Drokur

Ich habe auch langsam einen Kurzurlaub nötig. Also nehme ich am Fenster der Schokoladenmanufaktur Platz und betrachte die mondänen Prachtbauten Wiesbadens, die heute bestimmt nicht weniger eindrucksvoll sind als vor 100 Jahren. Die Kurgäste staunten da wohl auch nicht schlecht. Das Zellophanpapier knistert, als ich mein kleines rundes Törtchen erwartungsvoll auspacke… und wirklich, zu köstlich, diese Komposition aus feinem Marzipan, dunkler Schokolade, halbknackiger Waffel und frischer Ananas! Hat etwas von der Dekadenz des Fin de siècle. Fährt da nicht gerade eine Pferdekutsche vorbei? Und wo ist eigentlich mein Sommerpelz? Ich trinke noch einen Schluck Kaffee aus der weißen Porzellantasse und fühle mich ein bisschen wie eine feine Dame der Jahrhundertwende.

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Bei einem Kurzeinsatz als Zeitungsmädchen stelle ich fest: Nur weil etwas gratis ist, geht es noch lange nicht weg wie warme Semmeln.

Die Autorin als motiviertes Zeitungsmädchen. Foto: Karl Wolfgang Flender

Heute bin ich für eine Viertelstunde ein Zeitungsmädchen. Es ist sechs Uhr abends, kurz nach Feierabend, in der lebhaften Kirchgasse in Wiesbaden. 50 Exemplare des “print|blog” sollen unter die Leute gebracht werden. Meine Arbeitskollegen sind schon da, zwei Statisten des Hessischen Staatstheaters. Sie überreichen mir eine Stofftasche mit Zeitungen, gefühlte fünf Kilo. Ich bin dran. Zum Glück bleiben sie nicht in meiner Nähe, gegenseitige Konkurrenz können wir jetzt gar nicht gebrauchen.

Die Leute auf der Straße sehen alle sehr beschäftigt aus. Mir fallen verschiedene Geschäftigkeitsgrade aus: schlendernd, bepackt und gestresst. Um aufzufallen, verlangsame ich mein Schritttempo und bleibe schließlich stehen. Exakt in der Straßenmitte. Für die maximale Aufmerksamkeit in der hektischen Einkaufsmeile. Mit ein paar Exemplaren lässig über den Arm gehängt, scheinen mir die Passanten schon von Weitem meine Absicht anzusehen. Sie winken argwöhnisch ab, bevor ich überhaupt dazu komme, meinen Verkäuferinnencharme unter Beweis zu stellen.

Gerade will ich aufgeben, da geht mein Plan auf. Einige gehen langsam auf mich zu, werfen aus der Nähe einen Blick auf das Titelblatt und nehmen mir mehr beiläufig als wirklich enthusiastisch eine Zeitung ab. Juchuh, Erfolgserlebnis! Aber warum so desinteressiert? Ich will euch doch nichts, möchte ich hinterherrufen, ich will euch beschenken. Alles gratis! Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Das nächste Mal, wenn ich mich als Zeitungsmädchen mit Schweizerischem Charme versuche, wende ich marktschreierische Methoden an und rufe: “Extrablatt! Extrablatt!” Mit Höflichkeit kommt man heutzutage nämlich nicht mehr weit.

Verpassen Sie morgen nicht unsere nächste print|blog-Verteilung in Wiesbaden und Mainz! Darin: eine kleine Theatergänger-Tierkunde, ein Interview mit Martin Heckmanns und Lisa Danulat, die WM und natürlich viele Kritiken.


Nicht nur das Theater ist für junge Kritiker ein Anziehungspunkt, auch das Casino hält einiges bereit. Wer die Spielbank drückt, bemerkt die billigen Tricks beider Spielstätten.

Tritt ein in den Spielraum. Foto: Judith Kärn

Faites vos jeux!, murmelt der Croupier mit Samtstimme. Gelassen verteilt er Jetons für das nächste Roulettespiel. Er hat Charme, Stil und seine naiv dreinschauenden Augen locken, all die guten Ratschläge der Eltern über Bord zu werfen, selbst zum infamen Spieler zu werden und in die dunkel-faszinierende Welt der Sucht tief einzutauchen. Faites vos jeux! ist auch die Devise des Theaters und wie sich das Casino eines gutaussehenden Sunnyboys bedient, biedern sich im Theater attraktive Schauspieler an, die den Traum von der anderen Welt des Glücks wahr machen wollen.

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Wenn Sie wissen wollen, wo wir newplays-Journalisten arbeiten: im Wiesbadener Presseclub. Hier entsteht auch gerade unsere erste “Printblog”-Ausgabe, die alle Mainzer und Wiesbadener morgen in den Händen halten können.

Der Flipchart liefert die Bildunterschrift zur Ahnengalerie. Foto: Karl W. Flender

Ich betrete den Presseclub und mir schlägt Rotary-Club-Feeling entgegen. Dunkle Holztische und mit grünem Leder bezogene Stühle, eine reichhaltige Bar, der goldene Kronleuchter. Ehrfürchtig betrachte ich die Ahnengalerie an den Wänden, unglaublich, wer schon in diesen heiligen Hallen weilte! Steinbrück, Wowi, Möllemann. Ich muss etwas über ein Portrait schmunzeln, zu dem wohl die örtliche BILD-Redakteurin die Bildunterschrift verfasst hat: “AIDS-Pfarrer Stefan Hippler besucht den Presseclub!”

Und wie sie alle gestikulieren! Entweder diese Trappatoni-Geste, bei der die vier Finger zum Daumen geführt werden, oder der ausgestreckte, der erhobene Zeigefinger. Oder die Mr. Spock Fingerartistik, bei der zwischen Mittel- und Ringfinger eine Lücke besteht, dann das rechtwinklig abgeknickte Handgelenk, oder die zur Decke geöffneten Hände, als würde das Gewicht zweier Weinflaschen miteinander verglichen. Bei uns in der Redaktionssitzung dagegen: Gestik-Lethargie. Wir müssen wohl noch auf die Weide.

Aus jedem zweiten Ahnenportrait spricht außerdem ein rotweinseliger Blick. Es werden mitunter absurde Diskussionsvorwände gefunden, um die Bar zu plündern (drei offene Weine), zum Beispiel: “Wie der Wein zum Fußball passt” oder “Wie sich der deutsche Wein in der Welt behaupten will”.

Am letzten Redaktionstag werde ich heimlich ein Foto austauschen. Dann blicke ich auf ewig bei einem Glas Rotwein von der Wand – wahrscheinlich wird dafür ein Bild von Kristina Köhler daran glauben müssen.


Es sprudelt. Fotos: Lena Rittmeyer

Wir zeigen Ihnen schöne Dinge, in Mainz und Wiesbaden. Heute: ein gesundes Wässerchen.

Spaziere ich in Wiesbaden am Hessischen Staatstheater vorbei Richtung Casino, biege dann aber auf gleicher Höhe links ab, sichte ich bereits weiße Nebelschwaden, die aus den Gullideckeln neben einem Spielplatz aufsteigen. Im kleinen Pavillon, wo sich im Gegensatz zum auffälligeren UFO-förmigen ‘Kochbrunnenspringer‘ das Quellwasser abfüllen lässt, fanden sich im 19. Jahrhundert die Wiesbadener zu ihren Trinkkuren ein.

Maßvoll tut gut.

Hier lässt sich auch heute noch bequem ein mitgebrachter Behälter unter das fließende Wasser halten, was ich auch gleich voller Durst und Neugier tue. Das Wasser des Kochbrunnens enthält Mineralstoffe, ist 66,1° Celsius warm, etwas trüb und schmeckt leicht salzig. Beim Trinken umschwebt mich außerdem ein Hauch ‘faule Eier’, was ich später als Schwefelwasserstoff identifiziere. Dieser kann übrigens auch bei Flatulenzen entstehen und als Körpergas den Darm verlassen.

Die Trinkende.

Um die farblichen Veränderungen des Kochbrunnenwassers in den weiteren Stunden zu beobachten, trage ich ein volles Champagnerglas durch die Straßen Wiesbadens, wobei ich lerne, dass sich nicht nur Natrium, ein im Quellwasser ebenfalls enthaltenes Alkalimetall, durch Reaktionsfreudigkeit auszeichnet. Das wird immer trüber. Inzwischen bin ich auf Höhe des Staatstheaters, wo gerade die letzten Vorbereitungen für die feierliche Eröffnung der Biennale laufen. Catering mit Schnitten, Sekt und so. Einer sieht mein Champagnerglas  und ruft mir freudig zu: “Na sowas! Bisschen früh, ne?”


Your selfless dedication to our festival has continued to astound me for 18 years. I look forward to seeing you in June 2010 in Wiesbaden and Mainz – and to hearing the polyphony of European voices and exciting debates! Yours, Manfred Beilharz

Cela fait maintenant 18 ans que j’admire votre travail tant altruiste pour notre festival. Je me réjouis de vous retrouver tous en juin 2010 à Wiesbaden et à Mayence – et de retrouver aussi l’ensemble de voix européennes et des discussions passionnantes! A très bientôt, Manfred Beilharz

Seit 18 Jahren stehe ich staunend vor euerer selbstlosen Mitarbeit an unserem Festival. Ich freue mich auf Euch im Juni 2010 in Wiesbaden und Mainz – und auf das europäische Stimmengewirr und spannende Debatten! Euer Manfred Beilharz


At anniversaries we tend to look back. But we also try to cast a view into the future. This is why the next theatre biennial New Plays from Europe, which will celebrate its 10th anniversary in June 2010, is moving along new paths – on the web.

On the new online platform newplays-blog the festival’s patrons – playwrights from 41 European countries, who advise the festival team on their selection of invited plays – will write about the cultural scenes in their countries. They debate about tendencies in European theatre, reflect their own perspectives, experiences and works, and figure out how contemporary drama in Europe is developing. Until now, these discussions have been taking place during the festival, now there will be more space and more time for new thinking: This blog will be running for about six months.

And there’s more exciting news: Every theatre enthusiast can join in into the discussions, comment the posts and link to the patron’s thoughts. So come on and read, write and enter! And visit the Staatstheater Wiesbaden and the Staatstheater Mainz in June 2010 for watching the selected productions at the most important festival for contemporary playwriting world-wide.

Until then, you can experience European theatre and engage with the patrons.


An Jubiläen wird gerne zurück geschaut. Aber der Blick geht immer auch nach vorne. Auch die nächste Biennale Neue Stücke aus Europa, die im Juni 2010 ihren zehnten Geburtstag feiert, geht voran auf neuen Wegen – im Internet.

Auf der neuen Online-Plattform newplays-Blog schreiben die “Paten” des Festivals, Theaterautoren aus 41 europäischen Ländern, die der Stückeauswahl des Festival beratend zur Seite stehen, und über europäische Kulturszenen berichten. Sie debattieren über europäische Theatertendenzen, reflektieren den eigenen Standpunkt und das eigenen Schaffen und überlegen miteinander, wie sich das zeitgenössische Drama in Europa versteht und entwickelt. Bisher fanden diese Diskussionen vor allem während des Festivals statt, nun gibt es mehr Platz und mehr Zeit dafür, etwa sechs Monate.

Das Spannende ist: Alle Theaterinteressierten können sich an dieser Diskussion beteiligen und die Gedanken der Paten kommentieren, ergänzen, weiterführen, verlinken. Also lesen, schreiben und machen Sie mit! Und kommen Sie im Juni an das Staatstheater Wiesbaden und das Staatstheater Mainz, um die ausgewählten Stücke zu sehen und das europäische Theater und die schreibenden Paten live zu erleben.