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Kupferbergterrasse

Während der Biennale geben wir Ihnen täglich touristische Tipps. Heute ein Blick von oben.

Der Heilige Martin hoch zu Ross überblickt Mainz bei Sonnenuntergang. Foto: Martin Thomas Pesl

Mainz steht Kopf. Wegen der Biennale, klar. Aber auch sonst. Ich fahre abends, vor und nach dem Theaterbesuch, mit dem Aufzug zur Kupferbergterrasse hinauf – laut Beschilderung im Lift vom fünften in den ersten Stock! Oben dann schiere Weite. Die Magie der Aussichtsplattform, die alles verlässlich mit einem Stillstand der Zeit belegt. Hinter mir der nullte Stock, schicke Häuser im Kolonialstil. Vor mir: Mainz mit 3 Hochhäusern, einer hochgehissten Deutschlandflagge, etwa 19 Kirchtürmen und darunter einer scheinbar geometrisch exakt geplanten Meeresoberfläche bei Windstärke null, bestehend aus Flachdächern. Neben mir genießt ein zweiter Martin, der heilige, mit sanfter Gleichmut auf seinem wesentlich enthusiastischeren Gaul die Panoramasicht: Dem glaube ich sofort, dass er bereit ist, seinen Mantel für dich zu zerschneiden. Sonst: zwei brave Kinder, die Einrad fahren üben; ein junger Surfer oben ohne auf der Terrasse gegenüber, wohl von der Freundin, oder eher der Mutter , oder noch eher den Schwiegereltern zum Rauchen vor die Tür geschickt; ein alter Türke, der mühsam den Kästrich plus 83 Stufen erklommen hat, um in Ruhe auf der Parkbank einen Roman lesen zu können. Ein anderer Mann im nullten Stock hinter mir schaut einfach zwischen zwei Säulen hervor. Aber auch schon seit einer halben Stunde. Vögel suchen die drohende Nacht durch beharrliches Zwitschern zu verdrängen. Und das alles im Ablauf von zwei Stunden. Der Schwiegersohn am Balkon hat sich ein T-Shirt angezogen, es ist ja doch schon kühler. Hier stehend freilich fühlt man sich sicher, dass einen die Nacht niemals einholen wird. Der Sonnenuntergang als eingefrorener Dauerszustand. Bis es dann halt irgendwann doch dunkel ist.

Mehr Besichtigungen? Hier lang.

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