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Theatre today

When, in 509 AD, democracy was reintroduced in Athens, the polis was faced with the problem of needing larger space for the two institutions – the people’s assembly and the theatre! I like to emphasize this detail from the history, not only weiterlesen »

Theater heute

Als im Jahre 509 die Demokratie in Athen wieder eingeführt wurde, stellte sich heraus, dass die Polis für zwei Institutionen größere Räume brauchen würde: für die Volksversammlung und für das Theater! Ich betone dieses historische Detail nicht, um damit die Rolle des Theaters in der Geschichte unserer Zivilisation hervorzuheben weiterlesen »

At the heart of the crisis

But the world has always had elements of the Theatre of the Absurd, which makes artistic efforts to “reconcile” it seem rather absurd. At the heart of the crisis lies our striving to construct an intellectual superstructure with which the people of each era attempt to resolve the contradictions inherent in human fate. Theatre allows us to experience things sensually – in Gorky‘s “Summerfolk” we can see our current state of happily coquettish nihilism (in art as well as in public life). It makes no difference whether it is about Russia, Georgia, Montenegro or one of the other societies embraced by the EU… Out of the banality that surrounds us, we must seek a theatre that we can use for our intellectual defense, that will help us expose the paradoxes in our petty lives, our dingy hopes, our – tragicomic – fear of life…

Translated into English by Lynnette Polcyn

Gedanken zu meiner Bearbeitung und Inszenierung der „Sommergäste“

Engagement misst Gutes und Schlechtes mit intellektuellen und moralischen Fragen. So war es unvermeidlich, nach der heutigen Kraft des Engagements zu fragen. Was die Ubereinstimmung der gesellschaftlichen Kontexte zu Beginn des 20. Jahrhunderts und des unseren angeht – sie ist offensichtlich. Allerdings war es nicht leicht, den theatralischen Identifikationspunkt anzusteuern. Daher die Notwendigkeit eines dramaturgischen Eingriffs in den Text. Aber wir identifizieren uns mit der pittoresken Galerie der Helden Maxim Gorkis. Wir gleichen ihnen, wir teilen ihre Schicksale. Ihre heuchlerischen Grimassen sind unsere Gesichter…

Was ware anders zu sehen? Vielleicht das Bestreben, diese Welt zu retten, sofern es das überhaupt noch gibt. Naturlich fragt die Inszenierung, wohin wir aus diesem bizarren Kontext recycelter linker, rechter und sonstiger Ideen gehen… Wohin sollen wir uns wenden auf dem Alltagsweg durch auf den Kopf gestellte Wertesysteme, durch Abgestumpftheit fur fremdes Leid und durch eingeengte Alternativen? Aber die Welt hat seit jeher etwas von einem Theater des Absurden, in dem auch das kunstlerische Bemuhen des „Wiedergutmachens“ absurd wirkt. In der Krise steckt das Projekt des geistigen Uberbaus, mit dem jede Epoche die Widerspruche zu losen versucht, die dem menschlichen Schicksal immanent sind. Theater ermoglicht sinnliches Erleben – wir lesen den aktuell frohlich-koketten Nihilismus (in der Kunst wie im offentlichen Leben) in Gorkis „Sommergaste“ hinein. Es ist einerlei, ob es sich um Russland, Georgien, Montenegro oder eine der Gesellschaften in der Umarmung der EU handelt… Aus der uns umgebenden Banalitat mussen wir ein Theater suchen, mit dem wir uns geistvoll verteidigen, mit dem wir die Paradoxe unserer kleinen Leben freilegen, unsere truben Hoffnungen, unser – tragikomisches Erschrecken vor dem Leben… Ja, es gibt viele vor dem Leben erschrockene Menschen…

Erschienen in „Pobjeda“, Podgorica, 15.8. 2009.
Aus dem Montenegrinischen von Klaus Detlef Olof