Archive for the ‘German’ Category


Das neue estnische Theater und seine Sprachlosigkeit

Vor einigen Jahren kam in Estland das Autorentheater in Mode. Was wohl daran lag, dass seit der singenden Revolution beziehungsweise dem Entkommen Estlands aus dem Sowjet-Bund etliche Jährchen ins Land gegangen waren, sich in unserem Theater dagegen gar nichts verändert hatte. Regisseure machten Regie, Schauspieler machten ihr Spiel, und der Staat trug – soweit möglich – mit klingender Münze dazu bei. (more…)


Zwischen „elitärem“ Unterhaltungstheater und Skandal

Am Ende der Sowjetzeit war das litauische Theater zu einer mächtigen Kraft geworden, die unsere verkommene Gesellschaft und das System, in dem wir lebten, von Innen gesprengt hat. Vor zwanzig Jahren brach dieses System zusammen, die Gesellschaft hat sich befreit, und das Theater hatte seither eine zunehmend „elitäre“, unterhaltende Funktion inne. Die Zuschauer sind auch weiterhin ins Theater gegangen, sie haben sich an den stärksten Arbeiten unserer Regisseure und ihrer hohen Wertschätzung im Ausland erfreut. Aber das Theater hat keine wirklich ernstzunehmende Rolle mehr im Leben unseres Landes und unserer Gesellschaft gespielt. (more…)


Zeitgenössische Theaterstücke finden mittlerweile Eingang in alle Theaterinstitutionen und das bedeutet, dass wir allmählich bereit sind, über uns selbst zu sprechen.

Die Situation des Modernen Dramas in Russland ist leider eindeutig. Ich schreibe „leider“, weil bis jetzt nur sehr wenige moderne Stücke in Russland aufgeführt wurden und wir jedes einzelne kennen. In Moskau, einem Zentrum der jungen Dramatik, machen Aufführungen von zeitgenössischen Theaterstücken weniger als 10 Prozent des in allen Moskauer Theatern gespielten Repertoires aus. Allerdings war die Situation vor zehn Jahren, als ich anfing zu schreiben, noch schlimmer. (more…)


Ratlose Städte lassen ihre Kulturetats im Internet diskutieren

Der Deutsche Bühnenverein hat jüngst gefordert, die derzeitigen Steuermehreinnahmen für eine „Initiative der Bundesregierung zugunsten von Bildung und Kultur“ zu nutzen. Das hört sich vernünftig an und würde bedeuten, dass der Bund etwas von dem an die Kommunen zurückgibt, was er ihnen in den letzten Jahren unter anderem durch die Senkung der Gewerbesteuer weggenommen hat. Besonders nötig wäre das im Moment in Schwerin. (more…)


Als wir 2001 den Zusammensturz der Zwillingstürme in New York erlebten, waren wir uns bereits bewusst, dass die auf moderne Technologien gestützte Kommunikation dazu beitrug und weiterhin beiträgt, ein schnelles Fluidum von Bildern zu erzeugen, die in unserem Bewusstsein den Vorfall, seine Verbreitung und seine Auswirkungen miteinander vermischen. Wir haben den Gräueltaten in Bosnien direkt aus unserem heimischen Esszimmer beigewohnt. Wir fühlten uns – und fühlen uns noch immer – übermannt vom Strudel der Informationsflut und der Unmöglichkeit, Distanz aufzubauen. Wir hatten Probleme, den Faden in unserer Geschichte zu konstruieren. Die Beschleunigung der Moderne – so hatte Baudrillard neun Jahre vor dem Anschlag in Manhattan erklärt – hat die referentielle Sphäre vom Realen getrennt, denn man benötigt eine gewisse “Langsamkeit”, (more…)


Europas Theater unter dem Druck der Finanzturbulenzen

Das Theater eines ganzen Kontinents zu skizzieren, überforderte bisher einen einzelnen Berichterstatter. Selbst dann, wenn er berufsmäßig in vielen Ländern unterwegs ist. Doch seit eineinhalb Jahren ist das positive Chaos der theatralischen Gleichzeitigkeiten im europäischen Theater etwas übersichtlicher geworden. (more…)